Das Haus und seine Stolperfallen: Sicherheitscheck verhindert Stürze

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Rutschhemmende Matten bremsen lose Teppiche oder Läufer aus und können so die Unfallgefahr verringern. Foto: dpa

Hamburg. Millionen TV-Zuschauer lachen jedes Jahr an Silvester über den angetrunkenen Butler James, der beim Servieren über das Tigerfell stolpert. Doch was in Comedy-Sketchen wie „Diner for One” komisch ist, kann im wirklichen Alltag böse Folgen haben. Gerade Senioren sind durch Stolperfallen besonders gefährdet.

Knapp 90 Prozent aller tödlichen Stürze im Haushalt passieren Menschen, die nach Angaben der Aktion das Sichere Haus (DSH) in Hamburg älter als 65 Jahre sind. Aber auch jüngere Semester kommen oft nicht unbeschadet davon. Dabei lassen sich Unfälle leicht vermeiden.

Lose Teppiche und Läufer können schnell zur Gefahr werden. „Ein Rutschen von Läufern und Teppichen auf glatten Belägen lässt sich mit rutschhemmenden Gittermatten verhindern”, sagt Susanne Woelk von der Aktion DSH. Hoch stehende Teppichecken oder Teppichkanten sind ebenfalls eine Stolperfalle und sollten daher am Boden befestigt werden. Dafür eignet sich zum Beispiel doppelseitig klebendes Klebeband. Auch Schwellen an Terrassen und Balkontüren können böse Folgen haben. Lassen sie sich nicht beseitigen, sollten sie möglichst farbig gestrichen werden. So setzen sie sich deutlich vom Fußboden ab.

„Zu den häufigsten Unfallursachen in Privathaushalten gehört Stolpern”, sagt Woelk. Danach folgen Stürze an und auf Treppen. Blumenvasen und andere Gegenstände haben dort daher nichts zu suchen. Zu jeder sicheren Treppe gehört ein schützendes Geländer. Treppenstufen sollten außerdem mit rutschfesten Belegen gesichert werden, Steinstufen etwa mit Gummistreifen.

Auch mangelhafte Beleuchtung kann auf der Treppe zum Fehltritt führen. „Gewöhnlich ist es gefährlicher, die Treppe hinunterzufallen als sie hinaufzustolpern”, sagt Thomas Spillmann von der Brancheninitiative licht.de in Frankfurt am Main. Deshalb müssten die einzelnen Stufen von oben besonders erkennbar sein. Vom oberen Treppenabsatz aus beleuchtet seien Beginn und Ende der Treppe nicht zu übersehen. Für die Treppe eigneten sich am besten Wand- oder Deckenleuchten, die das Licht breit streuen. „Oben und unten an der Treppe sollten Lichtschalter installiert sein - gut sichtbar und möglichst beleuchtet”, ergänzt Woelk.

Im Bad können Duschwannen mit hohem Einstieg zu schweren Stürzen führen. „Entschärfen kann man dieses Unfallrisiko durch den Einbau bodengleicher Duschwannen”, sagt Marcus Möllers vom Hersteller Kaldewei in Ahlen (Nordrhein-Westfalen). Dabei handele es sich nicht nur um rollstuhlbefahrbare Duschwannen. „Bodengleiche Modelle können mit ihrem speziellen Design die gesamte Optik eines Bades aufwerten.”

Auch die Wege zum Haus müssen sicher sein. „Um sich in der Dunkelheit leichter zu orientieren und Stolperfallen zu erkennen, sollten die Wege und der Eingang beleuchtet werden”, sagt Spillmann. Aus Sicherheitsgründen sei es ratsam, Zugänge mit mehr als vier Trittstufen zusätzlich zu beleuchten. „Anstelle von Treppen im Außenbereich können leichte Höhendifferenzen des Grundstücks auch mit gering geneigten Aufgangsrampen überwunden werden”, erklärt der Architekt und Fachbuchautor Thomas Drexel aus Augsburg. „Die Entschärfung solcher Stolperfallen ist besonders für Gehbehinderte sehr hilfreich.”

Viele weitere Gefahren lassen sich schon in der Planungsphase des Hausbaus verhindern. „Diese Chance, durch durchdachte Planung auf Barrieren wie unnötig viele Türen, Schwellen oder Wände zu verzichten, wird häufig durch Unwissen oder Gedankenlosigkeit vertan”, sagt Drexel.

Denn in der Planungsphase lassen sich noch viele Details ohne größeren bautechnischen oder finanziellen Aufwand realisieren, die ein Einfamilienhaus geeignet machen fürs Wohnen auch mit alters- oder unfallbedingten Behinderungen. Später koste ein barrierefreier Umbau erheblich mehr oder sei nur sehr schwer zu verwirklichen.
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