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Das Altern akzeptieren lernen

Von: ddp
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Das Älterwerden ist nicht für jeden leicht zu ertragen. So mancher Senior ist unzufrieden, wenn er in den Spiegel schaut.Die Zeichen der Zeit zu kaschieren, sei da keine Lösung, sagen Experten. Veränderungen sollten lieber akzeptiert werden. Foto: dpa

Kassel. Das Älterwerden ist nicht für jeden leicht zu ertragen. So mancher ist unzufrieden mit dem, was er nach mehreren Lebensjahrzehnten im Spiegel sieht.

„Wenn man älter wird, wird das eigene Selbstbild hinterfragt und bedroht. Man entspricht beispielsweise immer weniger dem heutigen, jugendlichen Idealbild”, umreißt der Psychoanalytiker Professor Hartmut Radebold aus Kassel die Problematik. Hinzu komme, dass die Anerkennung durch Beruf und Familie für Senioren größtenteils wegfalle.

In diesem Zusammenhang tauchten oft Gefühle auf, die man bisher bei sich nicht kannte. Beispielsweise mache Scham über körperliche Einschränkungen wie Inkontinenz Senioren zu schaffen, erklärt Radebold, der gemeinsam mit seiner Frau Hildegard den Ratgeber „Älterwerden will gelernt sein” geschrieben hat.

Viele Leute reagierten auf das Altern mit Verdrängung. Sie benähmen sich weiter wie Zwanzigjährige, legten großen Wert darauf, die Zeichen der Zeit zu kaschieren. „Diese Verdrängung erfordert einen enormen psychischen Aufwand - auf Dauer kann man dabei nur verlieren”, betont Hartmut Radebold. Er plädiert stattdessen dafür, die Veränderungen anzunehmen, dazu zu stehen und sich davon nicht stören oder kränken zu lassen. Es sei wichtig, ab einem gewissen Alter zu akzeptieren, dass man nun zur Gruppe der Älteren gehört - und nicht mehr alles so können muss wie die Jungen. „Man sollte auf sich Rücksicht nehmen”, mahnt Radebold.

Der Verlust der Vitalität und der sozialen Funktionen, aber auch der Verlust nahestehender Menschen und die Erinnerung an schwierige Kindheitserfahrungen sei für viele Menschen sehr traurig. „Vor allem für Männer ist es aber oft schwierig, Kummer und Tränen zuzulassen”, sagt Radebold. Erstarre man jedoch in seiner Trauer, bestehe die Gefahr, darüber sogar depressiv zu werden.

Radebold empfiehlt Betroffenen, sich auf diesen Trauerprozess einzulassen und sich Zeit dafür zu nehmen. „Wenn man diese Gefühle zulässt, hat man die Chance, danach eine Befreiung zu erleben”, sagt er. Man könne sich für diesen Prozess auch Hilfe holen, beispielsweise in einer professionellen Trauergruppe für Angehörige.
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