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Bloß keine Hektik: Ungeduldigen Kindern hilft Ruhe

Von: Carina Frey, dpa
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Quengeln, nörgeln, Ungeduld: Erfolg haben Eltern, wenn sie selbst Ruhe ausstrahlen und klare Ansagen machen. So schaffen es Kinder eher, geduldig zu sein. Foto: dpa

München. Sie zerren am Hosenbein, stampfen mit den Füßchen auf, quengeln und schreien. Wenn kleine Kinder etwas von ihren Eltern wollen, können sie fürchterlich ungeduldig sein. Das nervt, wenn man gerade am Kochen ist oder die Einkäufe wegräumt.

Oft versuchen Eltern dann, schnell zu machen. Hektik entsteht, das Kind brüllt noch mehr. Nichts ist gewonnen. Mehr Erfolg haben Eltern, wenn sie selbst Ruhe ausstrahlen und klare Ansagen machen. So schaffen es Kinder eher, geduldig zu sein.

Kinder müssen Geduld erst lernen. „Es geht um Emotionsregulierung, darum, Frustration auszuhalten”, erklärt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Dafür benötigten kleine Kinder ihre Eltern. „Je feinfühliger die Erwachsenen mit ihnen umgehen, desto besser lernen Kinder, ihre Emotionen zu regulieren.”

Kocht die Mutter, klingelt das Telefon und schreit das Kind, weil es Aufmerksamkeit will, bringt es nichts, alle Aufgaben auf einmal bewältigen zu wollen. „Sind Sie gestresst, merkt das Kind das und weint noch stärker”, sagt Cordula Lasner-Tietze vom Deutschen Kinderschutzbund in Berlin. Es bringe mehr, das Kind kurz auf den Arm zu nehmen und ihm ruhig zu erklären, warum man jetzt keine Zeit hat. „Die Kinder spüren die Ruhe der Eltern und beruhigen sich selbst.”

Bereits Eineinhalbjährige verstünden, wenn ihre Mutter sagt: „Ich sehe, dass du jetzt gerade etwas von mir möchtest. Ich koche aber erst die Suppe fertig. Danach spiele ich mit dir”, sagt die Sozialpädagogin Anke Weisensee. Kinder bräuchten diese Klarheit. „Sie gibt ihnen Sicherheit”, erklärt die Leiterin des FamilienRaums in Darmstadt, einer Einrichtung mit Kinderspielgruppen und Kursen für Eltern.

Gegen Ungeduld helfe auch, dem Kind einen Topf, Löffel und Schneebesen auf den Küchenfußboden zu stellen, damit es mitkochen kann, sagt Becker-Stoll. Oft gehe es dem Kind gar nicht darum, dass die Mutter mitspielt. Es reiche schon, wenn sie in der Nähe ist.

Haut der Nachwuchs mit den Fäusten gegen die Haustür, weil er sofort auf den Spielplatz will, während die Mutter die Tasche packt, bringt es ebenfalls nichts, in Hektik zu verfallen. „Binden Sie das Kind ins Packen ein: Hol doch mal die Schaufel und das Förmchen”, empfiehlt Becker-Stoll. „Kleine Kinder sind stolz, wenn sie helfen dürfen, und sind dann auch nicht mehr ungeduldig.”

Kinder sind Entdecker. Sie drängen darauf, die Welt zu erforschen, auszuprobieren, zu lernen. Wie geht der Reißverschluss an der Jacke zu? Wie kommt der Fuß in den Schuh hinein? Sie versuchen wieder und wieder, sich selbst anzuziehen. Es gibt Stoiker, die es so lange ausprobieren, bis es klappt. Andere Kinder sind nach wenigen Fehlversuchen völlig frustriert und schmeißen brüllend die Schuhe in die Ecke.

„Die Kinder wollen diese Aufgaben unbedingt selbst erfüllen. Sie sehen noch nicht, was zu schwer für sie ist”, erklärt Lasner-Tietze, die Trainer für die Kurse „Starke Eltern - starke Kinder” ausbildet. Das führt zu Frust. Ihre Eltern könnten ihnen dabei helfen, geduldiger zu sein. „Erklären Sie dem Kind, dass nicht alles beim ersten Mal klappt, sondern manchmal viele Versuche notwendig sind. Machen Sie Lust, es nochmal zu probieren.”

Tobt und brüllt das Kind vor Enttäuschung, hilft erstmal nur Trost, sagt Becker-Stoll. „Dann braucht das Kind Unterstützung im Umgang mit dem Frust.” Hat es sich wieder beruhigt, könnten die Eltern Tipps geben oder ihre Hilfe anbieten. „Fragen Sie das Kind, ob Sie helfen sollen. Manche Kinder wollen das partout nicht.”

Blöderweise suchen sich Kinder häufig besonders ungünstige Momente für ihre Selbst-Mach-Versuche aus. Muss die Mutter zur Arbeit, kann sie ihrem Knirps kaum geduldig beim Schuhanziehen zugucken. „Erklären Sie dem Kind Ich mache es jetzt für dich, aber heute Nachmittag darfst du es selbst probieren”, rät Lasner-Tietze.

Wollen Eltern ihren Kindern Geduld beibringen, müssen sie selbst geduldig sein. Das fängt damit an, den Kindern Zeit zu geben, ihre Umwelt zu entdecken. Und es ist wichtig, den Nachwuchs in Ruhe spielen zu lassen - ohne ständig zu stören oder reinzureden. Häufig nähmen Eltern die Spiele selbst in die Hand, indem sie Ratschläge oder Spieltipps geben, sagt Weisensee. „Das ist völlig unnötig. Sie sind der Notanker für ihr Kind, nicht der Unterhalter.”

Kinder bei Hunger nicht warten lassen

Kleine Kinder verbrauchen viel Energie. Signalisiert das Gehirn Hunger, müssen sie sofort etwas zu essen haben und werden sehr ungeduldig. „Warten Sie nicht, bis der Tisch gedeckt ist, sondern geben Sie dem Kind gleich eine Banane”, rät Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. „Kluge Eltern haben immer eine Box mit Essen bei sich.”

Im ersten Lebensjahr sofort auf das Kind reagieren

Es klingt paradox: Je schneller Eltern im ersten Lebensjahr auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren, desto geduldiger wird es später. „Das Baby lernt: Meine Eltern helfen mir”, sagt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Es entwickle das Vertrauen, dass sich seine Eltern kümmern - selbst wenn es etwas länger dauert.
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