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„Bitte nicht stören” -Wie man Eltern in ihre Schranken weist

Von: Britta Schmeis, dpa
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„Mama muss draußen bleiben”: Das Kinderzimmer sollten Eltern nur nach Anklopfen betreten. Foto: dpa

Hamburg/Eschweiler. Irgendwann nervt es einfach, wenn die Eltern ohne Ankündigung ins Zimmer kommen, ins Bad stürzen oder sogar noch die Schultasche kontrollieren. Da heißt es Grenzen setzen und das den Eltern ganz klar sagen.

Irgendwie ist es schon komisch mit den Eltern. Da wollen sie, dass man vernünftig ist, Verantwortung übernimmt, und dann wieder behandeln sie einen wie ein Kleinkind - zum Beispiel wenn es um die Sache mit dem Bad geht. Einfach reinstürzen, wenn man gerade halbnackt vor dem Spiegel steht oder, noch schlimmer, auf der Toilette sitzt, findet keiner toll. Allerdings ist es manchmal gar nicht so leicht, das den Eltern klar zu machen. Das Recht dazu hat aber jeder - egal, wie alt er ist.

„Natürlich ist es ganz normal, wenn Kinder und Jugendliche irgendwann ein Schamgefühl entwickeln und sich eben nicht mehr in jeder Lebenssituation den Eltern oder Geschwistern zeigen wollen”, sagt der Psychologe Michael Thiel aus Hamburg. Und auch wenn es lange ganz normal war, dass man gemeinsam mit den Eltern oder Geschwistern das Bad benutzt hat, ist damit irgendwann Schluss. „Da hilft nur, in aller Deutlichkeit zu sagen, dass man das nicht mehr will”, rät die Psychologin Claudia Wolper-Effertz aus Eschweiler bei Aachen.

Nun sind Eltern nicht gerade bekannt dafür, dass sie alles einsehen, was ihre Kinder ihnen sagen. Da bedarf es manchmal ziemlich guter Argumente. „Bei manchen Eltern hilft es, sie an ihre eigene Kindheit und Jugend zu erinnern und zu sagen, dass sie das vielleicht auch irgendwann nicht wollten”, rät Wolper-Effertz. Bei einigen müsse man aber auch gar nicht so weit in die Vergangenheit gehen. „Da hilft es schon, wenn man sagt, dass sie ja auch nicht wollen, dass man ins Bad kommt, wenn sie gerade in der Dusche oder auf der Toilette sind”, sagt sie weiter. Da dürfe man auch sagen: „Und Euch will ich auch gar nicht nackt sehen.”

Sprüche wie „Stell dich nicht so an, das haben wir doch immer so gemacht”, seien unangebracht. „Da kann man sagen, dass man sich damit nun unwohl fühlt”, sagt Thiel. „Und damit sollte dann auch end of discussion sein.”

Reicht das immer noch nicht, haben die Psychologen noch ein weiteres gutes Argument, wenn es um alles geht, was mit dem eigenen Körper zu tun hat. „Ein gewisses Schamgefühl schützt meistens auch vor Missbrauch oder allzu plumpen Annäherungsversuchen”, sagt Michael Thiel. Und Wolper-Effertz fügt hinzu: „Die Eltern wollen ja auch nicht, dass man sich halbnackt vor den Klassenkameraden zeigt oder als Mädchen ständig mit zu kurzem Rock oder tiefem Dekolleté durch die Gegend rennt.” Das ziehe meistens.

Oft gilt es allerdings nicht nur in Sachen Badezimmer die Eltern ein wenig auf Distanz zu halten. Auch das eigene Zimmer sollte tabu sein - zumindest ohne Ankündigung. „Der simpelste Weg ist ganz einfach das berühmte Anklopfen”, sagt Thiel. Das sei vor allem angesagt, wenn die Tür geschlossen ist oder man gerade Besuch hat, egal ob von Freund oder Freundin. Ein gutes Mittel sind auch Schilder an der Tür, die die Eltern darauf hinweisen, dass sie gerade mal nicht stören sollen. „Viele Eltern halten sich dann auch daran”, sagt der Diplom-Pädagoge Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth.

Und was bei Grundschulkindern vielleicht noch okay ist, nämlich regelmäßig mal in die Schultasche zu gucken, ob da nicht noch ein altes Pausenbrot vor sich hingammelt oder ein wichtiger Elternbrief in der Mappe schlummert, sollte später auch für die Eltern ein No-Go sein. „Das geht überhaupt nicht und das kann man den Eltern auch sagen”, erklärt Thiery. Schließlich seien da auch mal Dinge drin, die Eltern einfach nichts angehen, etwa ein Liebesbrief.

Die allerdings werden ja inzwischen nur noch selten auf Papier geschrieben, sondern meist per Mail oder SMS. „Eltern haben an den Handys und in den E-Mail-Accounts der Kinder ganz einfach nichts zu suchen”, sagt Thiel. Eine Ausnahme dürfe es nur geben, wenn sich Eltern ernsthafte Sorgen um ihr Kind machen, etwa wegen Drogen. Ansonsten gelte auch hier, die Eltern daran zu erinnern, dass sie es auch nicht mögen, wenn man in ihren SMS, Bankunterlagen oder E-Mails herumstöbert.

„Manche Dinge müssen Eltern einfach verstehen oder zumindest akzeptieren”, sagt Psychologin Wolper-Effertz. Das sei für viele Eltern zwar schwierig, doch da müssten sie eben durch, sagt auch bke-Berater Thiery. Können Eltern ihren Kontrollzwang nicht bändigen, sollte sich Jugendliche Rat bei älteren Freunden oder Verwandten holen. Wenn das nicht hilft, gebe es auch noch die professionelle Beratung bei Erziehungsberatungsstellen. Dort können Eltern und Jugendliche auch anonym bleiben.
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