Bewegung ist der Schlüssel: Bessere Körperhaltung beim Kind

Von: Michael Draeke, ddp
Letzte Aktualisierung:
Kind/ Schreibtisch
"Sitz gerade!" Diese mahnenden Worte bekommen Kinder seit Generationen zu hören, wenn sie sich schief und krumm auf einem Stuhl fläzen. Neben dem Bemühen um tadellose Tischmanieren treibt dabei viele Eltern auch die Sorge um die gute Haltung des Nachwuchses um. Foto: ddp

Berlin/Würzburg. „Sitz gerade!” Diese mahnenden Worte bekommen Kinder seit Generationen zu hören, wenn sie sich schief und krumm auf einem Stuhl fläzen. Neben dem Bemühen um tadellose Tischmanieren treibt dabei viele Eltern auch die Sorge um die gute Haltung des Nachwuchses um.

Denn in Zeiten, in denen Kinder manchmal Stunden vor der Playstation oder dem Fernseher hocken, sind Hohlkreuze und Rundrücken keine Seltenheit.

Nicht jede ungünstige Sitzposition muss allerdings immer gleich Anlass zur Sorge geben. Denn bis zur Einschulung ist die Muskulatur der meisten Kinder ohnehin noch nicht stark genug ausgeprägt, als dass sie dauerhaft kerzengerade sitzen könnten, wie der Berliner Kinderorthopäde Holger Mellerowicz beruhigt: „Bis zum siebten Lebensjahr ist ein leichtes Hohlkreuz deshalb nichts Ungewöhnliches.”

Ältere Kinder sollten solche Fehlhaltungen allerdings durch die Kraft ihrer Muskeln ausgleichen können, betont der Orthopäde. Eine einfache Möglichkeit, die Haltung des Nachwuchses zu überprüfen, sei etwa der „Matthias-Test”. Das Kind stellt sich dafür in eine aufrechte Position und hält beide Arme für mindestens 30 Sekunden waagerecht nach vorn gestreckt. „Kinder mit einer unzureichenden Haltung verfallen meist nach wenigen Sekunden ins Hohlkreuz oder versuchen, die Arme abzustützen”, erklärt Mellerowicz. Sollte dies der Fall sein, liegt ein Indiz für eine Haltungsschwäche vor. Ein Besuch beim Orthopäden ist dann empfehlenswert.

Der Schlüssel zu einer besseren Körperhaltung ist in den meisten Fällen Bewegung. Kindern mit Haltungsproblemen wird deshalb in der Regel zunächst Krankengymnastik verschrieben. Auch zur Vorbeugung spielt sportliche Betätigung eine entscheidende Rolle. Denn neben falscher Sitzhaltung und Übergewicht ist Bewegungsmangel einer der größten Risikofaktoren, wie Mellerowicz betont: „Sportlich aktive Kinder haben deutlich seltener Probleme mit Haltungsfehlern”. Nicht jeder Halbwüchsige muss deshalb aber gleich zum Leistungssportler werden.

Wer mindestens dreimal in der Woche zusätzlich zum Schulsport eine Stunde Fußball spiele oder schwimme, könne seinen Stütz- und Bewegungsapparat entscheidend stärken, sagt Mellerowicz. Aber auch einfaches Toben im Freien habe einen förderlichen Effekt: „Hauptsache, es macht Spaß und die Kinder bewegen sich gern.” Eltern sollten sich zudem ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, sagt der Kinderorthopäde. Schon ab einem Alter von vier Jahren könnten sie den Nachwuchs etwa mit Eltern-Kind-Turnkursen für mehr Bewegung begeistern.

Auch falsches Sitzen schadet dem Kinderrücken. Oft sitzen die Kleinen schlichtweg zu lange auf zu großen Stühlen oder machen die Schulaufgaben an ungeeigneten Schreibtischen. Die Folgen von solch unpassendem Mobiliar können schmerzhaft sein. „Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen sind bei Kindern keine Seltenheit”, berichtet der Würzburger Orthopäde Burkhard Ulsamer.

Deshalb sollten Tisch und Sitzmöbel an die Größe angepasst sein: „Die Füße der Kinder müssen mit der vollen Fläche auf dem Boden aufliegen können und die Knie sollten beim Sitzen einen rechten Winkel bilden”, sagt Ulsamer. Zu empfehlen sei dazu eine verstellbare Rückenlehne, die an das Wachstum angepasst werden könne. Die Höhe des Tisches sollte so eingestellt sein, dass die Ellenbogen bequem auf der Platte lägen, erklärt der Orthopäde.

Bei älteren Kindern ist es außerdem sinnvoll, den Platz vor dem Computer nach ergonomischen Gesichtspunkten einzurichten. „Am schlimmsten für die Haltung sind Laptops”, klagt Mellerowicz. Denn bei den Klappgeräten befinde sich der Bildschirm in der Regel nicht auf Augenhöhe. Wer aber stundenlang in verkrampfter Position auf das Display herabstarre, entwickle leicht einen Haltungsschaden.

Nicht zuletzt kann die kindliche Haltung Schaden nehmen, wenn zu schwere Lasten geschultert werden. „Das Gewicht des Schulranzens sollte nur ungefähr ein Siebtel des Körpergewichts betragen”, sagt Ulsamer. Oft werde dieser Richtwert aber immer noch deutlich überschritten. Und Umhängetaschen mit einem Schultergurt sehen zwar trendig aus, für Kinder und Jugendliche sind sie aber nicht geeignet. „In einem Rucksack ist größeres Gepäck immer noch am besten aufgehoben”, betont Mellerowicz.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert