Beim Tagebuchschreiben die Gedanken sortieren

Von: dapd
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Magdeburg. Ideen, Probleme, Erinnerungen - vielen Menschen schwirren im Alltag unzählige Gedankenfetzen im Kopf herum. Ein Tagebuch bietet die Möglichkeit, dieses Kuddelmuddel etwas zu sortieren.

„Was auf dem Papier steht, ist aus dem Kopf raus”, sagt Barbara Schulte-Steinicke, Co-Autorin des Buchs „Schreiben von Tag zu Tag”. So erlange man genug Abstand und die nötige innere Freiheit, um Lösungswege zu finden.

Gerade in Zeiten, in denen man viel über das Leben nachgrüble und zu keinem Punkt komme, könne das Schreiben hilfreich sein. Es gibt viele Möglichkeiten, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Manche Tagebuchschreiber hielten sich bei ihren Notizen an die chronologische Form, sagt die Psychotherapeutin aus Magdeburg.

„Man kann aber auch ein Ringbuch benutzen und die einzelnen Einträge darin verschiedenen Themenbereichen zuordnen - beispielsweise Beruf, Partnerschaft und Kinder”, sagt Schulte-Steinicke. Viele empfänden es als hilfreich, sich einmal in der Woche hinzusetzen und die Notizen der vergangenen Tage auszuwerten.

Im Grunde müsse aber jeder selbst die für ihn passende Form und den eigenen Rhythmus finden. Manche Menschen tun sich schwer damit, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Barbara Schulte-Steinicke empfiehlt in diesem Fall eine Assoziationsübung: „Dafür notiert man sich ein paar Stichworte, die einem zum eigenen Vornamen einfallen.” Durch dieses kleine Training komme man seinen Emotionen oft sehr schnell näher.

Manchmal könne das Schreiben jedoch auch dazu führen, dass sich jemand noch tiefer in seine Verzweiflung verstricke. „Wenn man durch das Schreiben eine Verschlechterung feststellt, sollte man das Tagebuch erst einmal weglegen”, rät die Diplom-Psychologin.

Feste Regeln könnten helfen zu verhindern, dass man beim Schreiben von seinen Gefühlen überwältigt wird: „Man kann sich beispielsweise feste Zeiten ausdenken, zu denen man schreibt, und den Platz pro Eintrag auf eine Seite begrenzen”, sagt Barbara Schulte-Steinicke.

Manchmal sei es auch wohltuend, aus den Notizen ein Gedicht zu entwickeln - auch so gewinne man Abstand zu seinen Problemen. „Wenn man allerdings feststellt, dass man einfach zu bewegt ist und auch beim Tagebuchschreiben keine Distanz zu seinen Problemen bekommt, sollte man sich professionelle Unterstützung suchen - beispielsweise in Form einer Psychotherapie”, sagt Schulte-Steinicke.
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