Fulda - Auf kindliches Fehlverhalten nicht immer gleich mit Strafen reagieren

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Auf kindliches Fehlverhalten nicht immer gleich mit Strafen reagieren

Von: dapd
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Kinder
Seien die Kinder nach einem Streit mit dem Bruder oder der Schwester sehr aufgebracht, sollte man ihnen erst einmal Gelegenheit geben, sich zu beruhigen. „Dazu schickt man beispielsweise eines der Kinder zum Händewaschen oder bietet ihm an, sich auf seinem Zimmer etwas abzuregen.” Foto: dpa

Fulda. Ohne feste Regeln gibt es keine wirksame Erziehung. Halten Kinder die von den Eltern gezogenen Grenzen nicht ein, drohen diese gern mit Stubenarrest oder mit Handy- und Computerentzug. Zur Einsicht über falsches Verhalten führt das jedoch oft nicht.

„Es ist geschickter, dem Kind sein Fehlverhalten erst einmal aufzuzeigen, damit es die Chance erhält, beim nächsten Mal nachzudenken, bevor es handelt”, sagt Jürgen Plass, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Fulda.

Ein autoritärer Erziehungsstil mache Kindern eher Angst, als sie zu überlegterem Handeln zu motivieren. Eltern sollten Strafen deshalb nicht beliebig anwenden, sondern sie mit der Tat abwägen, rät der Diplom-Psychologe. „Wenn ich meinem Kind nur beweisen will, dass ich im Recht bin und ihm einfach seine Privilegien entziehe, ist der Lerneffekt nicht besonders groß”, sagt Plass.

Nicht jeder kleine Fehltritt müsse unmittelbar sanktioniert werden, schon gar nicht aus dem Bauch heraus. „Flitzt mein Kind bei Oma im Flur herum, obwohl es das nicht darf, muss man es nicht gleich beim ersten Mal bestrafen„, sagt der Experte. „Stattdessen sollte man erst ankündigen, dass beim nächsten Mal eine Konsequenz folgt.”

Wenn das Kind zum zweiten und dritten Mal nicht gehorcht, könne man dem Kind eine Strafe zumuten, die im Bezug zu seinem Verhalten stehe, und es zum Beispiel für zehn Minuten still auf einen Stuhl setzen. „Im Wesentlichen kommt es darauf an, den Mittelweg zwischen ständiger Nachsicht und willkürlicher Strenge zu erreichen”, resümiert Plass. „Regeln sind gut, aber auch Ausnahmen müssen möglich sein.”

Die Basis dafür, dass Kinder Regeln einhalten, ist Plass zufolge die Belohnung: „Wer seinem Kind gebührende Zuwendung schenkt und ihm immer auch positive Rückmeldung gibt, hat eine bessere Chance auf den Erfolg von erzieherischen Maßnahmen.” Wichtig sei es außerdem, nicht das Kind zu kritisieren, sondern seine konkrete Handlung. „Sagen Sie nicht: ”Du bist albern„, sondern ”Was du gerade gemacht hast, war nicht in Ordnung„, rät Jürgen Plass.

Das Kind könne sich sonst gekränkt fühlen und reagiere beim nächsten Mal vielleicht mit Ablehnung und Trotz. Eltern sollten vor allem nicht herumbrüllen: „Das Kind muss die Strafe aus Überzeugung annehmen und nicht deshalb, weil die Lautstärke ihm Angst macht.”
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