Arbeitslosen Partner nicht unter Druck setzen

Von: ddp
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Leipzig. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ändern nicht nur das Leben der Betroffenen ganz plötzlich, sondern auch das ihrer Partner und Familien.

Ganz wichtig ist, in den neuen Alltag Struktur zu bringen, empfiehlt Thomas Rigotti von der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig: „Nach der ersten Schockphase gibt es oft eine Erholungsphase - der Arbeitsstress wird ja weniger oder ist ganz weg. Da ist man versucht, einfach in den Tag hinein zu leben.” Hier ist der Partner gefragt: Er sollte vermitteln, dass der andere gebraucht wird, und das Paar sollte gemeinsam bewusst die Aufgaben neu verteilen.

„Die neue Situation bringt einen Rollentausch oder zumindest eine Rollenveränderung mit sich, das sollte man ganz bewusst so leben”, erklärt der Experte. Das ist nicht immer einfach zu verkraften. Besonders Männer, die sich traditionell in der Rolle des Haupternährers der Familie sehen, hätten oft Probleme zu akzeptieren, dass diese Aufgabe nun, zumindest zeitweise, die Partnerin übernimmt - während sie die Haushaltsarbeiten übernehmen sollen.

Bleibt diese Arbeit dann liegen, ist das für die Partnerin eine schwierige Situation, weiß der Experte. Trotzdem rät er zur Geduld: „Gerade in der ersten Schockphase sind emotionale Unterstützung und Verständnis wichtig, da sollte man keinen zusätzlichen Druck ausüben.”

Das gilt auch für die Stellensuche: „Unterstützung bei Bewerbungen können Arbeitsvermittler besser leisten als die Familie oder Freunde. Die ständige Frage, wie viel Bewerbungen der Betroffene schon geschrieben hat, übt zusätzlichen Druck aus und zieht ihn noch mehr runter”, warnt Rigotti.

Was aber, wenn der Partner in ein seelisches Dauertief fällt, sich vom ersten Schock nicht erholt? „Dann sollte man frühzeitig professionelle Hilfe holen. Arbeitslose haben ein deutlich höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken, als Erwerbstätige”, warnt der Psychologe.

Die erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein, das sei dem Partner auch leichter zu vermitteln: „Man kann ja einfach sagen Du bist immer so müde, hast so wenig Energie - willst Du Dich nicht mal durchchecken lassen?”, empfiehlt Rigotti.

Damit es nicht so weit kommt, rät der Fachmann, die gewonnene Zeit ganz bewusst zu genießen. Das hat noch einen weiteren Vorteil: „Wer das schafft, bewahrt sich seinen Optimismus. Und dann kann man sich in Bewerbungssituationen deutlich besser verkaufen.”
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