Aber bitte mit Isofix und ESP: Sicherheit für das Familienauto

Von: Felix Rehwald, dpa
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Hauptsache, sicher verankert - Experten empfehlen für die Befestigung von Kindersitzen im Auto das Isofix-System. Foto: Lukas Barth/dpa

Berlin/München. Die Sicherheit ihrer Kinder liegt Eltern sehr am Herzen. Wer möchte schon, dass die Kleinen sich bei irgendetwas verletzen? Also werden für alle möglichen Lebensbereiche Schutzvorkehrungen getroffen und den Kindern Verhaltensregeln eingeschärft.

Doch ein Punkt kommt oft zu kurz: die Sicherheit der Kinder im Auto. Schon beim Kauf einer Familienkutsche gibt es große Unterschiede im Hinblick auf die Sicherheitsausstattung. Und dann passieren später immer wieder Fehler und Nachlässigkeiten bei der Handhabung.

Die Bedeutung der Sicherheit im Familienauto wird deutlich, wenn man sich die Erkenntnisse der Unfallforscher vor Augen führt. So ist zwar die Zahl der getöteten Kinder in Pkw in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, wie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin mitteilt. Trotzdem kommen auch heute noch die meisten Kinder im Verkehr als Mitfahrer im Auto ums Leben. Grund genug also, um beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Familienautos auf eine umfangreiche Sicherheitsausstattung zu achten.

„Es gibt eine ganze Reihe an Sicherheitssystemen, die ein Fahrzeug haben sollte”, sagt UDV-Sprecher Klaus Brandenstein. Bei den aktiven Systemen seien ABS und der Schleuderverhinderer ESP am wichtigsten. Schließlich schützt ESP in kritischen Situationen davor, dass ein Wagen unkontrollierbar wird, von der Fahrbahn abkommt und womöglich seitlich gegen einen Baum prallt. Passive Sicherheitssysteme müssen dann im Idealfall gar nicht erst eingreifen.

Dazu zählen Airbags, die ebenfalls vorhanden sein sollten. Klaus Brandenstein nennt aber auch gute Kopfstützen, die bei größeren Kindern beim Crash ein Schleudertrauma verhindern helfen, sowie das Isofix-System. „Das ist ein absolutes Muss für Familienkutschen”, betont der UDV-Sprecher. Denn die genormten Befestigungspunkte für Kindersitze erleichtern Eltern den Ein- und Ausbau der Sitze, so dass Montagefehler vermieden werden.

Außerdem schaffen sie eine sichere Verbindung zwischen Sitz und Karosserie. Nur lassen sich Isofix-Systeme in der Regel nicht nachrüsten. Bei der Suche nach einem gebrauchten Familienauto ist es also wichtig, dass der Wagen dieses Ausstattungsmerkmal besitzt - möglichst für alle Rücksitze, denn vielleicht müssen Eltern auch mal mehrere Kinder mitnehmen.

Insbesondere bei der Gebrauchtwagensuche können Eltern jedoch Schwierigkeiten haben, wenn sie sich nach einem entsprechend ausgestatteten Modell umgucken. „Der Ausstattungsgrad der Fahrzeuge mit ESP lässt noch sehr zu wünschen übrig”, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). Das Sicherheitsmerkmal setze sich erst nach und nach auf dem Gebrauchtmarkt durch, indem gut ausgestattete Neufahrzeuge nach gewisser Zeit weiterverkauft werden.

Das belegen auch Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern bei Stuttgart. Die Marktforscher haben für Ende 2008 einen durchschnittlichen Ausstattungsgrad der gehandelten Gebrauchtwagen mit ESP von lediglich 43 Prozent ermittelt. Zum Vergleich: 74 Prozent der verkauften Neuwagen haben den Schleuderschutz inzwischen an Bord. ABS ist laut DAT-Sprecher Siegfried Trede immerhin bei 81 Prozent der Gebrauchten vorhanden.

Fahrer-Airbags bei 92 Prozent, Beifahrer-Airbags bei 89 Prozent und Seiten-Airbags bei 51 Prozent. Isofix wird in der Statistik nicht erfasst. Bei den Airbags sollten Eltern darauf achten, dass der Beifahrer-Airbag abschaltbar ist, rät Arnulf Thiemel. Das ist Voraussetzung, wenn auf dem Beifahrersitz eine Baby-Schale mitgenommen werden soll.

Ein stabiles Trenngitter oder -netz zur Abtrennung des Laderaums, ausreichend Zurr-Ösen für den sicheren Transport von Kinderwagen sowie einen sensiblen Einklemmschutz bei den Fensterhebern hält der ADAC-Experte ebenfalls für wichtig. Auch die allgemeine Crash-Sicherheit sollten Eltern bedenken. Denn gerade im Hinblick auf das Verletzungsrisiko von Babys und Kindern bei Unfällen gibt es laut Thiemel Unterschiede.

So bemängelt der ADAC immer mal wieder zu harte Teile an den Türverkleidungen, ungünstig geformte Kopfstützen oder auch, dass bestimmte Kindersitze in ein Fahrzeugmodell gar nicht hineinpassen. Wenn als Familienauto nur ein älterer Gebrauchtwagen infrage kommt, ist es für Käufer oft schwierig, die Ausstattungsmerkmale herauszufinden - insbesondere dann, wenn der Wagen von privat und nicht vom Händler angeboten wird.

Interessenten können sich in solchen Fällen vorab anhand von Gebrauchtwagenlisten, die die UDV online bereitstellt, informieren. Und der ADAC bietet im Internet seine Autotests zum Herunterladen an, in denen unter anderem die Ergebnisse der Crashtests nachzulesen sind.

Die reine Anzahl vorhandener Airbags sollte Klaus Brandenstein zufolge übrigens kein ausschlaggebendes Kaufkriterium für ein Auto sein. „Das ist alles gut und schön, was da eingebaut ist. Aber ob man die Insassensicherheit mit dem elften Airbag wesentlich erhöht, ist fraglich”, so der UDV-Sprecher. „Die passive Sicherheit ist heute weitgehend ausgereizt.” Viel wichtiger als zusätzliche Seiten-Airbags hinten in einem Kombi oder Van sei das ESP - zumal ein seitlicher Anprall hinten im Unfallgeschehen eher selten vorkommt.

Einmal abgesehen von der jeweiligen Sicherheitsausstattung - selbst die beste nützt bei einem Unfall nichts, wenn Eltern sie nicht richtig handhaben. So hat die UDV ermittelt, dass immer noch fast zwei Drittel aller Kinder nicht richtig im Auto gesichert sind - sei es durch Fehler beim Einbau der Kindersitze oder bei der Sicherung des Nachwuchses im Sitz. Eltern sollten sich also nicht nur um ein sicheres Familienauto kümmern, sondern auch darum, wie sie die Ausstattung richtig anwenden.
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