Handwerk und Industrie werben gezielt um Studienabbrecher

Von: Hendrik Roggenkamp, dapd
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Berlin. Immer mehr Jugendliche entscheiden sich für ein Studium: Im Jahr 2010 schrieben sich fast 40 Prozent aller Abiturienten eines Jahrgangs an einer Hochschule ein, fünf Jahre zuvor waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamts erst gut 25 Prozent. Doch längst nicht alle halten bis zum Abschluss durch. Gut jeder dritte Bachelorstudent bricht sein Studium ab, in den Ingenieurwissenschaften gibt einer Studie des HIS-Instituts zufolge sogar fast jeder zweite auf.

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen ein Studienabbruch eine schwere Hypothek für die Karriere war. Nicht nur Großunternehmen, sondern auch kleinere Betriebe werben mittlerweile gezielt um Studienabbrecher. Vor allem in Regionen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel gibt es inzwischen auch Initiativen von Verbänden und Kammern, mit denen Ex-Studenten für eine Ausbildung gewonnen werden sollen.

Vor kurzem gestartet ist beispielsweise das „Karriereprogramm Handwerk” (www.karriereprogramm-handwerk.de). Das von der Handwerkskammer Unterfranken und der Universität Würzburg initiierte Projekt richtet sich an „praktisch begabte” Studienabbrecher, die eine Ausbildung zum Metallbauer, Elektroniker, Schreiner oder Tischler absolvieren wollen.

Die Ausbildung im Karriereprogramm ist auf zwei Jahre verkürzt, wobei spezielle Kurse der Handwerkskammern den üblichen Berufsschulunterricht ersetzen. Am Ende der Ausbildung können Absolventen nach Angaben der Handwerkskammer zudem einen Teil ihrer Meisterprüfung ablegen.

Während ähnliche Qualifizierungsangebote an Berufsakademien oft viel Geld kosten, ist das „Karriereprogramm Handwerk” für Teilnehmer nicht nur kostenfrei, sondern sie erhalten auch die übliche Ausbildungsvergütung vom Ausbildungsbetrieb.

Pilotprojekt „Your Turn” in Berlin

Auch in Berlin wirbt die Industrie- und Handelskammer neuerdings um Abbrecher. Ab Februar 2013 sollen Studienabbrecher im Pilotprojekt „Your Turn” (www.ihk-berlin.de/yourturn) eine stark verkürzte Ausbildung in den Berufsfeldern Mechatronik, IT und Immobilienwirtschaft absolvieren können. Voraussetzung für die Teilnahme sind mindestens zwei Studiensemester in einem berufsbezogenen Fach sowie nachgewiesene Studienleistungen von 20 Credit-Points.

Eine bundesweite Initiative zur Anwerbung ehemaliger Studenten lässt unterdessen noch auf sich warten. Wer sich für eine Ausbildung als Alternative zum bereits begonnenen Studium interessiert, sollte sich daher an die Kammern beziehungsweise die Berufsberatung der Arbeitsagenturen vor Ort wenden. Auch im Internet gibt es Anlaufstellen mit konkreten Ausbildungsangeboten. Dazu gehört die Webseite www.studienabbrecher.com .

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