Aachen - Zwischen Ufo und Kirchentür: Metallbau hat es schwer

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Zwischen Ufo und Kirchentür: Metallbau hat es schwer

Von: Thorsten Karbach
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Hat die Situation dank Spezialisierung im Griff: Aino Ahrend setzt auf Sonnensegel und Sakralbauten. In der Hand hält er ein Stück Tür für den Aachener Dom, im Hintergrund steht das „Skelett“ für eine Infostelle in der Aachener Citykirche. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Sonnensegel haben Aino Ahrend spürbar Rückenwind beschert – in einer Branche, die nicht ohne Probleme dasteht. Die Idee kam dem Metallbauer während seines Studiums an der Akademie für Handwerksdesign auf Gut Rosenberg. Er wurde Gestalter des Handwerks, auf der Urkunde steht Meisterdesigner. Etwa einem Dutzend Handwerkern aus dem Kammerbezirk Aachen wird diese Urkunde im Jahr ausgehändigt.

Ahrend hat sich dort mit Farbenlehre und räumlichem Gestalten, mit Zeichnen und Entwerfen auseinander gesetzt. Und seitdem den Blick auf Konstruktionen gelegt, die eine bemerkenswerte Spannweite haben – buchstäblich: die Sonnensegel.

Mit diesen Montagen aus Stahl und Tuch hat Ahrend mit seinem Betrieb – einem von nur noch 488 im Kammerbezirk Aachen, Tendenz rückläufig – in der Region, aber auch weit darüber hinaus Spuren hinterlassen. Seine Konstruktionen stehen in Heinsberg auf dem Burgberg, in Geilenkirchen im Wurmauenpark und im Aachener Tierpark.

Er hat in den letzten Jahren aber auch Sonnensegel für den Wintermarkt in der Autostadt Wolfsburg aufgebaut – mit mehr als 1000 Quadratmetern Tragfläche. In Dessau schwebt sein Sonnensegel wie ein Ufo über einem Einkaufszentrum. 30 Meter Spannweite zählt das eindrucksvolle Konstrukt. Ahrends Aachener Betrieb hat die Pläne der dortigen Architekten umgesetzt, das riesige Sonnensegel komplett gefertigt und aufgebaut. Und das in nur 13 Wochen, davon sechs für den Aufbau auf dem Dach.

„Es hat sich entwickelt“, sagt Ahrend über das Geschäft mit den Sonnensegeln, dass von Sommersegeln für den Privatgarten bis zu winterfesten Dauerbauten reicht. Stahl, Tuch und Planung kommen dabei zusammen. Ahrend hat Partner, mit denen er arbeitet. Er ist kein Ingenieur, sondern nennt sich Autodidakt und weiß: „Details sind sehr wichtig.“

Es ist ein komplexes Thema, vor allem Belastungen müssen immer richtig eingeschätzt beziehungsweise berechnet werden. Regen und Schnee können tonnenschwer auf den Membranen lasten. „Es ist viel Know-how, was hier verlangt wird. Aber das ist auch wieder sehr spannend. Es geht hier um einen Lebensraum“, sagt Ahrend.

In seinem Metier ist Ahrend der einzige derart agierende Metallbauer in der Region. Bundesweit gibt es kaum mehr als eine Handvoll Spezialisten. Die meisten sind sehr groß. Ahrend zählt zwei Mitarbeiter.

Spezialisieren ist gut und wichtig. Die Branche hat es schwer. Vor acht Jahren, am 31. Dezember 2005, wurden in der Betriebsstatistik des Handwerks im Bezirk Aachen 529 Betriebe erfasst. Im Juni 2013 waren es nur noch 488 Betriebe. Wieder fünf weniger als noch im Januar 2013. „Die Betriebe haben es nicht leicht“, sagt Ahrend dementsprechend. Da helfe es, sich in speziellen Segmenten zu positionieren.

So wie das Sonnensegel in Dessau auf zwei Beinen steht, hat sich aber auch Ahrend mehrere Standbeine aufgebaut. In seiner Werkstatt in der Metzgerstraße ist dies nicht zu übersehen: Dort steht ein Stahlskelett, das als Infopunkt in der Aachener Citykirche aufgebaut wird.

Die Pläne sind vom Architekturbüro Hahn Helten, mit dem Ahrend schon in der Aachener Grabeskirche St. Josef zusammengearbeitet hat. In dieser „schwebt“ sein Schiff. Er hat auch schon am Dom in Rottenburg und an der Benediktinerabtei Gerleve gewirkt. Nun arbeitet er vor der eigenen Haustür – an einer Tür. Die wird nächste Woche im Aachener Dom montiert.

Noch legen Ahrend und seine Mitarbeiter Hand an. „Sie soll dezent und doch von edlem Charakter sein, damit sie dem Dom und seiner Bedeutung gerecht wird“, erklärt Ahrend. 3,8 Meter ist sie hoch. Für eine normale Tür ist das enorm. Aber was heißt hier auch normale Tür? Sie wird komplett verglast und dann am Durchgang zwischen Vorraum und Oktogon eingebaut – natürlich wird Hand in Hand mit Dombaumeister Helmut Maintz gearbeitet. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Ahrend.

Darüber hinaus wird der Metallbauer auch zum Inneneinrichter, Möbel stehen in Häusern wie auch in Hotels. „Metallbau und Sonnensegel halten sich so letztlich die Waage“, sagt Ahrend. Und das ist in seinem Fall auch gut so. Spezialisierung hilft der Branche. Nicht nur dem Sonnensegel-Macher.

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