Zumwinkels Millionen beschäftigen die Aktionäre

Von: Edgar Bauer, dpa
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Bonn/Frankfurt. Persönlich anwesend war der langjährige Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel nicht. Er lässt sich in Deutschland längst nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken. Das neue Domizil des verurteilten Steuersünders liegt am Gardasee in Italien. Doch Zumwinkel beschäftigt die Post und ihre Aktionäre noch immer - er war als „Schattenmann” auch Thema auf der Hauptversammlung am Dienstag in Frankfurt.

Vertreter der Aktionäre wollten wissen, warum Zumwinkel auf einen Schlag rund 20 Millionen Euro an Rente von der Post kassieren konnte. Post-Vorstandschef Frank Appel überließ die Beantwortung dieser Frage dem neuen Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann, der mit den Vorgängen eigentlich nicht zu tun hatte. Schimmelmann war lange Jahre Chef bei der Post-Tochter Postbank und gilt als langjähriger Intimus von Zumwinkel, den er schon aus gemeinsamen Zeiten in der Beratungsgesellschaft McKinsey kennt.

Zumwinkel habe die ihm zustehenden Rentenansprüche „kapitalisiert”. Diese Möglichkeit sei über Jahre von den zuständigen Gremien der Post festgelegt worden. Punkt. Empörte Zwischenrufe aus den Reihen der rund 2000 Aktionäre, die in der Jahrhunderthalle mit Pizzastücken und Frankfurter Würstchen verköstigt wurden, ignorierte Schimmelmann. Marc Tümmler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) brachte die Empörung über Zumwinkel auf den Punkt: „Das lässt Fingerspitzengefühl und auch Anstand vermissen - nicht alles, was legal ist, ist auch real umsetzbar.”

Ebenfalls zur Sprache kam, dass Zumwinkel auch für das Jahr 2008 neben seinem Grundgehalt noch extra 480.184 Euro an Bonuszahlung erhielt. Und das nur für zwei Monate Tätigkeit, denn Ende Februar war für ihn nach seiner Liechtensteiner Steueraffäre im Bonner Post-Tower Schluss. Auch dieser Vorgang ist bemerkenswert, denn die übrigen Vorstandsmitglieder verzichteten für 2008 auf ihre Boni, da die Post erstmals seit dem Börsengang 2000 rote Zahlen schrieb. Dazu meinte Schimmelmann, das negative Ergebnis sei zum Zeitpunkt des Ausscheidens von Zumwinkel nicht absehbar gewesen - „und das war die damalige vertragliche Regelung”.

Dann geriet Schimmelmann selbst ins Visier. Wieso er denn nach seinem Abschied als Postbank-Chef Mitte 2007 für 2008 noch einen Beratervertrag bei der Post erhalten habe und wieso dieser mit rund 400.000 Euro dotiert gewesen sei - „dafür könnten zehn normale Arbeitnehmer entlohnt werden”. Schimmelmanns Tätigkeit sei beim Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank hilfreich gewesen, sagte Appel. Nicht zur Sprache kam Schimmelmanns eigene „Rentenkapitalisierung”. Als Postbank-Chef ließ er sich nach nichtdementierten Medienberichten rund 10 Millionen Euro überweisen. Im Unterschied zum Fall Zumwinkel, der wegen seiner Steuersünden ohnehin im Rampenlicht stand, sorgte dies nicht für Schlagzeilen.

Appel kam ebenfalls ins Schussfeld, weil der Postbank-Vorstand rund 11,9 Millionen Sonderboni als „Halteprämie” erhielt. Entscheidend war dabei die Stimme von Appel als Chef des Postbank- Aufsichtsrats.

Abgesehen von den emotionalen Wortgefechten um die Manager- Vergütungen gab es auf der Post-Hauptversammlung angesichts der Wirtschaftskrise lange Gesichter. Weltweit hat die Flaute auch das Geschäft der Post voll erwischt - auch das sonst relativ stabile Briefgeschäft wurde mitgerissen. Appel beschönigte die Lage nicht, sieht den Boden aber bereits erreicht und den Konzern „hervorragend aufgestellt, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen”.

Auch die Post muss den Gürtel enger schnallen. Bis Ende 2010 soll eine Milliarde Euro eingespart werden. Ohne Stellenabbau wird das wohl kaum gehen. Rund 420 Millionen Euro will die Post in neue Brief- Sortieranlagen investieren. Es widerspräche betriebswirtschaftlicher Kalkulation, wenn damit nicht zugleich das Ziel verbunden wäre, kostenwirksam auch Stellen einzusparen.

Wenigstens mit der Ausschüttung konnten die Aktionäre und Investoren einigermaßen zufrieden sein: Trotz Milliardenverlust erhalten sie noch eine Dividende von 60 Cent je Aktie - im Vorjahr waren es 90 Cent. Rund 30 Prozent, rund eine viertel Million Euro, erhält der Bund über die KfW-Bankengruppe.
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