Düsseldorf - Wer kauft die WestLB?

Wer kauft die WestLB?

Von: Volker Danisch, dpa
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Düsseldorf. Je länger man wartet, desto schmerzhafter wird es: WestLB-Chef Dietrich Voigtländer spricht nicht von Zahnschmerzen, sondern von Zusammenschlüssen unter den deutschen Landesbanken.

In der Finanzmarktkrise mussten mehrere Institute mit milliardenschweren Garantien beziehungsweise frischem Kapital gestützt werden. Jetzt biete sich eine „historische Chance” zur Konsolidierung - Kräfte zu bündeln. Die WestLB und ihre Eigentümer stünden dafür bereit, betont er.

Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen der WestLB kommt der Bankchef am Mittwoch immer wieder auf dieses Thema. Denn für die nordrhein-westfälische Landesbank wird es in den kommenden Wochen ernst: Der von der EU verordnete Verkaufsprozess beginnt. Bis Ende nächsten Jahres muss die WestLB mehrheitlich den Eigentümer wechseln. Das ist die letzte Chance, wie ein Sparkassen-Vertreter meint, um die lang diskutierte Landesbanken-Konsolidierung noch hinzubekommen.

Zunächst wollten die NRW-Sparkassen eine Fusion der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), was aber bei der NRW- Landesregierung auf Bedenken stieß. Dann war man sich in NRW einig, dass die Helaba ein guter WestLB-Partner wäre. Doch deren Haupteigentümer, die Sparkassen in Hessen und Thüringen, winkten ab.

Wohin soll die Reise jetzt gehen? Diese Frage wollen weder der Bankchef noch die WestLB-Eigentümer beantworten. Die neue Koalition von Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass am Ende des Konsolidierungsprozesses „voraussichtlich nur eine Landesbank für Deutschland stehen wird”. Bislang sind es noch acht Landesbanken, darunter sieben Landesbank-Konzerne. In der Finanzmarktkrise kam es lediglich zu einem Zusammenschluss: Die LBBW rette die Sachsen LB.

Das genaue Ausmaß der Einschnitte, die die Landesbanken freiwillig oder gezwungenermaßen bei ihren Aktivitäten vornehmen müssen, ist noch nicht absehbar. Mit der BayernLB und der HSH Nordbank warten zwei große Häuser auf Auflagen der europäischen Wettbewerbshüter. Die WestLB und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kennen dagegen schon den Preis, den sie für die Hilfen ihrer Eigentümer zu zahlen haben: So muss die WestLB um die Hälfte und die LBBW um 40 Prozent verkleinert werden. Dazu gehört auch der Verkauf von Beteiligungen.

Die Chancen für eine Landesbanken-Konsolidierung sehen andere Finanzexperten skeptisch - die Landesbanken hätten sich auseinander entwickelt. Eine einzige Zentralbank für die Sparkassen sei doch unwahrscheinlich. Die Bemühungen um eine Landesbanken-Konsolidierung laufen parallel zum Verkaufsprozess für die WestLB, bei dem auch Privatinvestoren zum Zuge kommen können. Veräußerungsbevollmächtigter ist der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz.

Voigtländer wirbt, die WestLB habe mit der Auslagerung von riskanten und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren ihre Hausaufgaben gemacht.
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