Aachen - Warum wandern Fachkräfte aus der Region ab?

Warum wandern Fachkräfte aus der Region ab?

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bundesweit klagen Unternehmen über Fachkräftemangel. In der Region Aachen ist das nicht anders. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Studierende sagen, es mangele an geeigneten Arbeitsplätzen – vor allem deswegen gingen sie fort. Das ist das Ergebnis der Studie „Warum Aachen?“. Vorgenommen hat sie „aixsolution“, die studentische Unternehmensberatung von RWTH und FH.

„Durch unseren regelmäßigen Austausch mit Unternehmen vor Ort wurden wir häufig mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Großteil der Hochschulabsolventen die Region Aachen verlässt“, sagt Christopher David von „aixsolution“. Er und seine Kollegen beschlossen, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Und eine Lösung zu finden, ob und wenn ja wie man der Abwanderung entgegenwirken kann.

Dafür haben sie unter anderem rund 350 Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen der beiden Hochschulen befragt. Von den Ehemaligen geben 66 Prozent an, die Region verlassen zu haben, weil sie dort keine geeignete Stelle fanden. 28 Prozent nennen persönliche Gründe und sieben Prozent Standortfaktoren. „Inhaltich wurden sehr unterschiedliche Gründe angegeben“, sagt Pascal Bosten vom „aixsolution“-Team. „Häufig, dass es in Aachen keine geeigneten Stellen in der Luft- und Raumfahrt gibt.“ Oder, dass andere Städte attraktivere Angebote gemacht hätten.

„Mit der Studie wollen wir den Unternehmen eine Handlungsempfehlung zum bedarfsgerechten Recruiting geben, deshalb haben wir eine Zielgruppenfokussierung vorgenommen“, sagt Christopher David. Aus den insgesamt 49.000 Aachener Studierenden filterte das „aixsolution“-Team etwa 5000 Studierende an RWTH und FH heraus, die das Potenzial bieten, den Fachkräftemangel in der Region zu entschärfen. „Konkret wurden Studierende ausgesucht, denen die Größe des Konzerns und die Internationalität des Unternehmens unterdurchschnittlich wichtig und der Standort und die Nähe zum Studienstandort überdurchschnittlich wichtig sind“, heißt es in der Studie, deren Ergebnisse die studentische Unternehmensberatung gestern vorstellte.

Mit einem anderen Bogen als die Absolventen wurden 4200 Studierenden danach befragt, welche Anlaufstellen sie bei der Suche nach potenziellen Arbeitgebern bevorzugen. Das Ergebnis: Der direkte Kontakt zum Unternehmen spielt eine zentrale Rolle. 21,5 Prozent setzen darauf. Zwischen zehn und 15 Prozent fallen auf die Möglichkeiten Firmenhomepage, Stellenbörse im Internet, Hochschulkontakte und Hochschulmesse.

Im Gegenzug haben 45 große und mittelständische Unternehmen aus der Region die Frage beantwortet, welche Instrumente sie einsetzen, um Personal zu gewinnen. „Sie konzentrieren sich vor allem darauf, dass Internet zu nutzen. Also Stellenbörsen oder die Firmenhomepage“, erklärt Pascal Bosten. Das ist laut Studie zwar nicht der falsche Weg. Aber um potenzielle Fachkräfte frühzeitig zu binden und damit dem Mangel entgegenzuwirken, sollten die Unternehmen vor allem auf engen Kontakt durch Praktika und Abschlussarbeiten setzen. Auch ein Job als Werksstudent sorge häufig für eine frühzeitige Bindung. Von den Absolventen gaben ebenfalls 36 Prozent an, ihre Stelle über einen direkten Kontakt oder Empfehlungen von Freunden gesucht zu haben.

Unter den Antworten der Studierenden, was sie in Aachen vermissen, fanden sich auch öfter Mal zwei Punkte. Offenbar fehlt vielen ein Fluss oder überhaupt die Nähe zu einem Gewässer. Andere bemängeln den enormen Männerüberschuss an den Hochschulen. „Beides haben wir natürlich nicht in die Bewertung einfließen lassen“, sagt Pascal Bosten. Empfehlungen, wie es zu ändern sei, könne „aixsolution“ wohl kaum geben.

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