Herongen - Vermarkter für Zierpflanzen rücken zusammen

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Vermarkter für Zierpflanzen rücken zusammen

Von: Verena Müller
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Tausende von Topfpflanzen und Schnittblumen wechseln hier den Besitzer: Aad van den Enden, Geschäftsführer der Veiling Rhein-Maas, im Versteigerungssaal in Herongen. Foto: Verena Müller

Herongen. In den frühen Morgenstunden zogen hier noch Wagen mit Blumen ihre Runden, konzentrierte Käufer füllten die Ränge in der Blumen- und Pflanzenversteigerung von Landgard im deutschen Grenzort Herongen. Sechs Uhren, sechs Spuren mit Waren laufen immer parallel.

Leise geht es zu, um den richtigen Moment abzupassen. Im Sekundentakt wechselten Topfpflanzen und Schnittblumen den Besitzer. Jetzt, gegen Mittag, sind nur die Handwerker zugange. Lange Metallschienen geschultert stapfen sie die Stufen in die oberen Reihen hinauf.

Hier, auf der Tribüne, sollen 160 weitere Sitzplätze entstehen. Überwiegend für die Kunden, die jetzt noch zum Einkauf ins niederländische Venlo, zur vier Kilometer entfernten Flora Holland, oder rund zwanzig Kilometer weiter nach Lüllingen fahren. Dort werden die Versteigerungen bald geschlossen.

Nicht alle wollen umziehen

Der Plan ist ehrgeizig. Bis Oktober 2010 wollen die beiden Giganten Landgard, der größte Vermarkter von Zierpflanzen in Deutschland, und Flora Holland, die größte Vermarktungsorganisation für Zierpflanzen weltweit, in Herongen ein Jointventure auf die Beine gestellt haben. Die Versteigerungen von Herongen, Venlo und Lüllingen werden darin zusammengefasst. „Veiling Rhein-Maas” wird der Zusammenschluss heißen.

Für den müssen auch zwei zusätzliche Uhren her, die neben den sechs alten Platz finden werden. Die Waren, die über sie versteigert werden, werden aber nicht wie die anderen vor den Käufern präsentiert, sondern aus Platzgründen nur über Bildschirme zu sehen sein.

Nicht nur in der Versteigerung selbst haben die Erweiterungsarbeiten bereits begonnen, auch auf dem Gelände von Landgard wird schon jede Menge Erde bewegt. In den Hallen werden neue Schienen verlegt, auf denen die Waren auf Wagen von der Anlieferung ins Lager, dann zur Versteigerung und schließlich zur Auslieferung in die nächste Halle transportiert werden. Neun neue Hallen werden gebaut. Und eine eigene Autobahnabfahrt von der A40, die auf niederländischer Seite als A67 Richtung Venlo führt, soll es geben.

An die 25 Millionen Euro werden für die gesamte Erweiterung investiert, sagt Aad van den Enden, der Anfang dieses Monats von den beiden Muttergenossenschaften als Sprecher der Geschäftsführung eingesetzt wurde. Darin inbegriffen seien auch die Kosten etwa für die IT. Die Bauinvestitionen übernimmt Landgard, die Veiling Rhein-Maas mietet dann die Flächen. Die Miete geht an Flora Holland Venlo. Der dortige Standort wird nicht vollkommen aufgehoben, der direkte Handel zwischen Produzenten und Kunden beispielsweise bleibt dort.

Van den Enden war zuvor Manager der Flora-Holland-Versteigerung in Bleiswijk. Er hat noch keinen leichten Stand in Herongen. Und das weiß er. Er weiß, dass nicht alle Händler mit dem Umzug der Venloer und Lüllinger Uhr glücklich sind. Sie fürchten den Untergang kleinerer Betriebe, langsamere Versteigerungsabläufe und Mentalitätsprobleme.

Der Handelsausschuss der Venloer Genossenschaft kritisiert vor allem die Schnelligkeit der Zusammenführung. Deshalb spricht van den Enden wohl gerne von Vertrauen, dass es zu gewinnen gilt, und seiner „vornehmsten Aufgabe”, der „Überwindung kultureller Unterschiede” durch ein „gemeinsames starkes Ziel”. Das sei für die Züchter der beste Preis, für die Käufer das beste Angebot sagt er. Und der soll jetzt über die Vereinigung drei konkurrierender Uhren erzielt werden.

Venlo und die beiden Landgard-Standorte Lüllingen und Herongen haben bei einer räumlichen Nähe von etwa 25 Kilometern starke Überschneidungen im Angebot. Auf beiden Seiten der Grenze säumen unzählige Gewächshäuser die Straßen, Produktions- und Handelsunternehmen, Lieferanten, Logistikfirmen sowie Forschungseinrichtungen sind in der gesamten Region stark vertreten. Schon vor zehn Jahren gab es Überlegungen, die Versteigerungen zusammenzufassen. „Wahrscheinlich war damals die Notwendigkeit noch nicht groß genug”, mutmaßt van den Enden mit Blick auf die Kostenentwicklung.

Als dann bekannt wurde, dass die Uhren von Lüllingen und Herongen zusammengefasst werden sollen, kam die Idee wieder auf. Inzwischen steht fest: Das Gebäude der „klok” in Venlo wird verkauft, aus drei Managern wird einer, von etwa 560 Angestellten werden wahrscheinlich nur noch 470 gebraucht.

75 Prozent des Umsatzes gehen auf das Konto von Landgard, 25 auf das von Flora Holland. Sowohl eine Händler- als auch eine Käufervertretung soll geschaffen werden, in der Steuerungsgruppe sollen die Muttergenossenschaften zu gleichen Teilen vertreten sein.

Und was ist die langfristige Perspektive? Die liegt laut van den Enden noch einige hundert Kilometer entfernt. „Osteuropa ist ein Wachstumsmarkt”, sagt der Geschäftsführer. Mit der Veiling Rhein-Maas sei man ein Stück näher dran - nur vier Kilometer von Venlo aus gesehen, aber immerhin.

Zahlen und Fakten zu den Versteigerungen

Der gemeinsame Umsatz der Versteigerungen in Venlo, Lüllingen und Herongen wird auf 260 Millionen Euro beziffert. Der jährliche Produktionswert von Pflanzen und Blumen in der Region liegt bei 800 Millionen Euro, der Verkaufswert bei 1,5 Milliarden Euro.

4000 Anlieferer und 2300 Kunden zählen die beiden Standorte zusammen, 450.000 Blumenwagen und 1,3 Millionen Topfpflanzen werden jährlich umgeschlagen. Mehr als fünf Millionen Transaktionen finden jährlich statt. Zu den Käufern zählen unter anderem Blumenhändler, Gartenzentren und Großhändler.

Flora Holland Venlo und Landgard hatten im Juli dieses Jahres angekündigt, ein gemeinsames Unternehmen zu prüfen. Das Kartellamt hat grünes Licht gegeben. Es wird ein Jointventure in Form eines deutschen Unternehmens.

Die Veiling Rhein-Maas wird das niederländische Versteigerungssystem übernehmen, dazu gehören auch die niederländischen Wagen, die Verpackung. Deutsche Kunden erhalten eine neue Kundennummer.
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