Unternehmerabend: Auf der Suche nach einem Patentrezept für Gründungen

Von: Hermann-Josef Delonge
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Aachen. Am Ende des langen Abends im Super C der RWTH blieb die (salopp formulierte) Frage, warum bei den vielen Gründungen in der Technologieregion Aachen nicht mehr rauskommt, ohne befriedigende Antwort. Aber vielleicht gibt es die auch gar nicht, vielleicht gibt es nur Annäherungen, aus denen man dann Lehren ziehen kann - ohne ein den Erfolg garantierendes Konzept formulieren zu müssen.

Insofern war der 15. Unternehmerabend des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) an der RWTH dann doch sehr aufschlussreich.

Es ging um „Führen - Leisten - Leben in der Euregio”, um die Vorteile des Dreiländerecks in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht.

Den theoretischen Part vor über 200 Unternehmern übernahm FIR-Direktor Prof. Günther Schuh mit einer Analyse der Notwendigkeit einer klaren unternehmerischen Führung. Den zweiten Part lieferte Wolfgang Breme, Finanzvorstand der Aixtron AG, mit einem detailreichen Blick auf die Erfolgsgeschichte des Unternehmens: vom Start-up zum Weltmarktführer.

Für die Zuspitzung war schließlich Matthias Popp zuständig, Mitbegründer der Cerobear GmbH und heute als Business Angel unterwegs - einer jener Manager „mit viel Zeit und Geld” (Popp), die sich vor allem um die Finanzierung von jungen, technologieorientierten Unternehmen (TOU) kümmern.

Seine Beobachtung: Die Qualität der Gründungen habe seit 15 Jahren kontinuierlich abgenommen, obwohl Fördermittel „mehr als genug” vorhanden seien. Seine Diagnose: Neue TOU würden zu oft von Berufsanfängern initiiert, mit einer (noch) marktfernen Technologie, fehlenden Branchenkenntnissen und ohne „Brot- und Butter-Geschäft”.

Seine Idee: Warum nicht die vielen Ü-50-Manager ohne aktuellen Job und mit Ideen einbinden, warum nicht auf ein bestehendes Unternehmen setzen, das einen Nachfolger an der Spitze sucht, warum nicht später dann die jungen Absolventen einbinden und mittels Technologietransfer langsam zum TOU mutieren?

In der anschließenden Diskussion unter Leitung von FIR-Geschäftsführer Prof. Volker Stich nahm Schuh die Absolventen in Schutz. Sie seien nicht die richtigen Adressaten für den Wunsch nach Unternehmensgründungen, sie könnten das auch gar nicht sein. Gefragt seien Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen.

Breme beklagte das Fehlen einer Gründungskultur wie in den USA: „Da geht man raus, will etwas Neues machen und damit Geld verdienen. Eine Pleite ist keine Schande.” IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes kritisierte eine mangelhafte Außendarstellung der Technologieregion, verteidigte aber die Gründungs-Initiativen. Aus der Praxis sprach Karsten Sontow, Vorstand des Aachener Software-Spezialisten Trovarit AG, einem Spin-Off des FIR. Mut, Glück, Können: Das waren Komponenten bei der Gründung von Trovarit. Die fehlende Erfahrung habe einiges an Lehrgeld gekostet.

Ein perfektes Muster für eine Gründung konnte auch er nicht liefern. Wie auch.
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