Unbesetzte Lehrstellen: Eine Chance für spanische Azubis

Von: Sarah Maria Berners
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Alejandro Calvo Solla (r.) ist einer von sieben Spaniern, die in Aachen und Düren ein Praktikum absolviert haben. Die Sprachbarrieren waren für den Gesellen Joachim Magaß (l.) vom Autohaus Ferebauer in Düren kein Problem. Foto: Berners

Düren/Aachen. Auf der Werkbank des Autohauses liegt ein Blatt Papier, es ist ölverschmiert und vollgekritzelt mit kleinen Zeichnungen und Vokabeln: Die Kupplung heißt auf Spanisch „embrague“, der Stößel „empujador“. Luis José Soto Gomez und die Gesellen der Autowerkstatt der Firma Ferebauer in Düren haben diese Vokabeln aufgeschrieben.

Luis ist Spanier, er kommt aus dem andalusischen Sevilla. Dort hat er seine schulische Ausbildung zum Kfz-Techniker absolviert. Die endet in Spanien mit einem dreimonatigen Praktikum. Luis hat dieses Praktikum aus dem warmen, sonnigen Süden nach Düren verlegt. Eine Entscheidung, die sein weiteres Leben beeinflussen wird.

„Den musst Du unbedingt halten“, haben die Mitarbeiter in der Werkstatt ihrem Chef Rolf Ferebauer sofort gesagt. Und Luis wird bleiben, beziehungsweise er wird wiederkommen. In Sevilla schließt er nun seine Ausbildung ab, belegt einen Deutsch-Intensivkurs und wird am 1. August voraussichtlich seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker im Dürener Autohaus anschließen. Die wird wegen der sprachlichen Herausforderungen von anderthalb auf zweieinhalb Jahre verlängert.

Mit Luis waren sieben weitere Praktikanten aus Sevilla nach Aachen und Düren gekommen. Die Handwerkskammer Aachen hat die Kontakte hergestellt. „Im Handwerk wird es eng“, sagt Georg Stoffels, Geschäftsführer für Berufsbildung bei der Kammer. Die Arbeitsagentur Aachen-Düren verzeichnete im Kfz-Handwerk noch 75 freie Stellen und mehr als 140 Bewerber.

„Wir haben aber nicht genügend geeignete Bewerber, in Spanien gibt es viele Jugendliche, die dort keine Chance bekommen“, skizziert er die Situation. Deswegen setze die Handwerkskammer im Kampf gegen den Fachkräftemangel auch auf junge Menschen aus Südeuropa. Von der Arbeitsagentur erhalten diese finanzielle Unterstützung, wenn sie in Deutschland ihre Ausbildung beginnen.

„Die Perspektiven für uns junge Menschen in Spanien sind einfach nicht so gut“, erklärt Alejandro Calvo Solla (23) seine Motivation, nach Deutschland zu kommen. Im dritten Jahr gibt es dieses EU-geförderte Erasmus-Programm bei der Handwerkskammer. Die Praktikanten haben in zwei Wohngemeinschaften in Aachen und Düren gelebt, bei ihren Kollegen schnell Anschluss gefunden und auch einige Maifeste besucht.

Die Vertreter der Autohäuser bescheinigen den sechs jungen Männern und einer Frau viele positive Eigenschaften. Sie seien arbeitswillig, lernbereit, engagiert, hätten gute Manieren und würden große Eigeninitiative zeigen. „Wir merken bei vielen deutschen Praktikanten, dass diese Eigenschaften nicht selbstverständlich sind“, sagt Rolf Ferebauer. „Existenzangst ist eine große Motivation“, sagt Hansjörg Herten vom gleichnamigen Dürener Autohaus.

In seiner Firma gibt es einen Mitarbeiter mit spanischen Wurzeln, der übersetzen konnte, auch im Autohaus Kohl in Aachen hat ein spanischer Mitarbeiter dem Praktikanten zur Seite gestanden. „Ansonsten haben wir uns mit Händen und Füßen gut verständigt. Und wir haben viel gelernt“, sagt Iván Delgado Torralbo (26). In Deutschland werde sehr viel effizienter gearbeitet. Auch er kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu kommen.

„Ich habe mich hier wohlgefühlt“, sagt sein Freund Fernando Velasco Dominguez (20), und er ergänzt lachend: „So dicke Autos, wie wir hier repariert haben, sehen wir in den spanischen Werkstätten nicht so oft.“

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