Aachen/Berlin - Talent 2 kommt nicht in Schwung

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Talent 2 kommt nicht in Schwung

Von: Berthold Strauch
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Blick in die Produktion: Die T
Blick in die Produktion: Die Talent-2-Züge sollen für eine spürbare Verbesserung im Regionalverkehr sorgen. Foto: Stock/Joachim Schulz

Aachen/Berlin. Im Bombardier-Werk in Hennigsdorf bei Berlin hakt es: Für die Bahn-Ingenieure stehen dort noch einige Signale auf Rot, ehe ihr neu konzipiertes und montiertes Zug-Schmuckstück „Talent 2” endlich den Fahrplandienst aufnehmen kann.

Und auf dieses erklärte neue Herzstück des Regionalverkehrs der Deutschen Bahn warten denn auch die Verantwortlichen des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) und deren Kollegen am anderen Ende der Strecke vom Zweckverband Westfalen-Süd (ZWS) in Siegen. Denn auf der Verbindung Aachen-Siegen soll der Bombardier-Talent-2-Zug eigentlich zum nächsten Fahrplanwechsel am 12. Dezember den bislang auf dieser Strecken eingesetzten Doppelstockwagen ersetzen.

Der Talent 1, derzeit in der Region auf der Euregio-Bahn unterwegs, würde bei der zu Bombardier gehörenden Aachener Waggonfabrik Talbot entwickelt.

Wie lange sich die Auslieferung verzögern dürfte, ließ Heiner Spannuth, Sprecher von Bombadier Transportation in Berlin, auf Nachfrage unserer Zeitung offen. „Wir wollten das Produkt schnellstmöglich auf die Schiene bringen”, sagte er zu. Er kündigte an, dass ein Teil der bestellten Züge sehr wohl rechtzeitig ankommen solle. Zur Bedienung der Verbindung Rhein-Sieg-Express sind insgesamt 15 Züge geordert worden.

Zulassung verzögert sich

Zur Begründung für die aktuellen Probleme verwies Spannuth auf das noch laufende Zulassungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt in Bonn. Bei diesen „ausgiebigen Tests” gehe es darum, die Steuerungssoftware, „die in alle Systeme eingreift, zu optimieren und stabil zu gestalten”. In dem laufenden Genehmigungsverfahren habe sich ein Teil der Sicherheitsrichtlinien geändert, so dass es werksseitig zunächst entsprechende Anpassungen geben musste.

Spannuth wollte keine Stellung nehmen zu Hinweisen, wonach Bombardier im Falle des Nichteinhaltens der Auslieferungstermine Strafzahlungen drohten. Solche Punkte beträfen Vertragsinhalte, zu denen er öffentlich nichts sagen werde.

Offener war indes Markus Stirnberg, stellvertretender Geschäftsführer des ZWS. Er sprach von „mittleren sechsstelligen Beträgen”, die fällig würden, wenn Bombardier nicht pünktlich liefern könne.

Stirnberg kündigte an, dass es unabhängig von der Einführung der Talent-2-Züge auf jeden Fall zum Jahresende Verbesserungen auf der Strecke Aachen-Siegen geben werde, und zwar durch den Einsatz zusätzlicher Doppelstockwagen. Diese neuen Züge würden „definitiv fertig”, fügte er an. Zudem machte er deutlich, dass es in den Talent-2-Zügen einige spürbare Komfortgewinne für die Fahrgäste geben werde. Für deren Sicherheit und zur Abschreckung vor Vandalismusschäden würden Videosysteme an Bord installiert. Und was angesichts der jüngsten, heißen sommerlichen Erfahrungen in den ICE-Zügen von großer Bedeutung ist: Die Talent-Sprinter, die im Stundentakt unterwegs sein werden, erhalten im Gegensatz zu den bisher eingesetzten Modellen auch Klimaanlagen.

Und außerdem geht Stirnberg davon aus, dass die aktuelle Unpünktlichkeit des Rhein-Sieg-Express, wie er einräumt, dank der Talent-2-Nachfolger deutlich besser zu werden verspreche. Zwar unterschieden sich die beiden Zugsysteme nicht in der Höchstgeschwindigkeit, wohl aber im Beschleunigungsverhalten: Denn der Talent 2 sei deutlich spurtstärker. „Damit können wir Standzeit, die sich etwa durch starkes Fahrgastaufkommen in den Bahnhöfen verlängert, wieder aufholen”, ist er optimistisch. Außerdem steige das Sitzplatzkontingent durch die Erweiterung um eines auf sechs Zug-Elemente um etwa 20 Prozent auf rund 660. Neben dem Rhein-Sieg-Express laufen Zulassungsverfahren für die Verbindungen Cottbus-Leipzig (sechs Züge), Moseltalbahn (13) und die S-Bahn Nürnberg (42).
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