Talbot Services baut zehn neue S-Bahn-Triebwagenzüge

Von: Berthold Strauch
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Talbot-Services-Geschäftsführer Dirk Reuters am Modell eines Bahn-Leitstandes. Das Aachener Unternehmen baut für den früheren Eigentümer Bombardier zehn Züge für 8,5 Millionen Euro. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Schönes Weihnachtsgeschenk für Talbot Services: Der Aachener Dienstleister im Schienenfahrzeugbau hat von seinem früheren Mutterkonzern Bombardier einen lukrativen Auftrag bekommen. Das bestätigte Talbot-Services-Geschäftsführer Dirk Reuters gegenüber unserer Zeitung.

Die Aachener Spezialisten bauen zehn S-Bahn-Triebwagenzüge der Baureihe ET 430. Sie sollen von der Deutschen Bahn in der Region um Frankfurt eingesetzt werden.

Das Geschäft besitzt für Talbot Services ein finanzielles Volumen von rund 8,5 Millionen Euro, fügte Reuters an. Notwendige Teile werden von Bombardier zugeliefert und tauchen daher nicht in den Aachener Kalkulationen auf.

Talbot Services war erst im vergangenen Juli auf eigenständigen Füßen gestartet, nachdem zuvor Bombardier den Standort an der Jülicher Straße eigentlich dichtmachen wollte. In einem energischen Kampf der Belegschaft und letztlich der gesamten Region konnte die Schließung abgewendet werden.

Umso erfreulicher ist es nun für Reuters und sein Team, dass die Umsatzentwicklung nun zusätzlichen Schwung bekommt. „Die Frankfurter Züge werden von A bis Z komplett von uns montiert“, versicherte der Geschäftsführer zufrieden. Dieser Auftrag für den alten Eigentümer sichere eine Vollauslastung bis zum Sommer 2014.

Neben den zehn festen Bestellungen von Bombardier, das damit eine pünktliche Auslieferung an ihren Kunden Deutsche Bahn gewährleisten will, winken Optionen für sechs weitere Züge dieser Bauart. Sie bestehen aus jeweils vier einzelnen Waggons und verfügen über jeweils rund 250 Sitzplätze. Bis zum kommenden März soll entschieden werden, ob diese Folgeaufträge gleichfalls von den Aachenern ausgeführt werden sollen.

Die komplette neue Flotte umfasst 90 Züge. Sie sollen alte Fahrzeuge ablösen. Bombardier sei auf der Suche nach freien Kapazitäten auf Talbot Services zugekommen. „Dass wir hier zum Zuge gekommen sind, zeigt, dass die Entscheidung richtig war, den Aachener Standort mit allen Betriebsmitteln zu übernehmen. Damit sind wir in der Lage, einen Auftrag wie diesen komplett zu übernehmen“, betonte Geschäftsführer Reuters. Er soll bis Oktober 2014 abgearbeitet sein.

Damit das Geschäft umfassend bewältigt werden kann, sollen rund 1,6 Millionen Euro zusätzlich in das Werksgelände investiert werden. Damit werden Gleisanlagen errichtet, um dort die notwendigen Testfahren abseits vom Bahnnetz vornehmen zu können, machte Reuters deutlich. Mit den Bauarbeiten für diese Erweiterung der Infrastruktur soll bereits kurzfristig begonnen werden. Sie soll auch für Fremdprojekte genutzt werden können.

Über den Baesweiler Personaldienstleister Quip AG gehört neben der Unternehmensbeteiligungsgesellschaft der Sparkassen der Region (S-UBG) auch die Luxempart SA aus dem Großherzogtum mittelbar zu den neuen Eigentümern von Talbot Services. Zudem ist Geschäftsführer Reuters gemeinsam mit seinem Kollegen Jörg Kaever an dem Unternehmen persönlich beteiligt.

Talbot Services zählt inzwischen insgesamt 257 Mitarbeiter, bereits 20 mehr, als zunächst geplant worden war. Über Quip sollen Anfang des neuen Jahres 30 weitere Mitarbeiter auf Leihbasis hinzukommen, um den neuen Auftrag pünktlich erledigen zu können. In den ersten fünf Monaten der Selbstständigkeit wurden von Quip bereits acht Beschäftigte in Talbot-Services-Verträge übernommen. „Es läuft besser als erwartet“, ist Dirk Reuters mit der bisherigen Entwicklung recht zufrieden.

Positiv wertet auch Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz den Auftrag. „Ich bin froh darüber. Das sichert unserer Mannschaft für ein halbes Jahr Beschäftigung und hilft, uns auf andere Sachen zu konzentrieren.“ Er will nicht nachkarten nach dem harten Kampf der Vergangenheit um das Werk, sagt nur, „dass das alles gar nicht nötig gewesen wäre. Ich habe keinen Frust. Bombardier ist ein Auftraggeber wie jeder andere.“

Weitere Auslastung ist in Sicht: Das Unternehmen hat sich an zahlreichen Ausschreibungen für weitere Aufträge beteiligt. „Wenn wir davon nur die Hälfte gewinnen, haben wir genügend Arbeit, um unsere Infrastruktur komplett auszulasten“, unterstreicht der Geschäftsführer. Daneben haben weitere Unternehmen wie etwa der Aachener Motorendienstleister FEV Flächen auf dem Werksgelände angemietet.

Überdies sollen bei Talbot Services Elektrofahrzeuge der Aachener Marke Streetscooter, von denen derzeit die letzten fünf von 50 Exemplaren einer Prototypenreihe für die Deutsche Post gebaut werden, in einer Serienproduktion montiert werden. Dabei ist die Rede von zunächst 3000 Stromern pro Jahr.

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