Aachen - Startschuss für virtuelles Brennstoffzellen-Kraftwerk

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Startschuss für virtuelles Brennstoffzellen-Kraftwerk

Von: Christian Rein
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Prominenter Start für einen H
Prominenter Start für einen Hoffnungsträger: Trianel-Aufsichtsratschef Bernd Wilmert (von links), NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bundesumweltminister Peter Altmaier und Trianel-Geschäftsführer Sven Becker nehmen das virtuelle Brennstoffzellen-Kraftwerk in Betrieb. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Peter Altmaier spricht von verbaler Abrüstung. Der Bundesumweltminister (CDU) ist seit seinem Amtsantritt vor knapp vier Monaten sichtlich darum bemüht, die Frage nach der künftigen Energieversorgung zu entideologisieren.

In Nordrhein-Westfalen, wo Altmaiers Amtsvorgänger Norbert Röttgen bis zu seinem Abgang nach der verlorenen Landtagswahl im Mai CDU-Landeschef und Spitzenkandidat war, ist das durchaus ein Akt höherer Diplomatie. Denn natürlich war der - diplomatisch gesagt - äußerst schleppende Fortgang der Energiewende auch ein Wahlkampfthema. Immer wieder hatte die rot-grüne Landesregierung einen „Masterplan” aus Berlin gefordert.

Man durfte also gespannt sein, wie der offizielle Antrittsbesuch Altmaiers an Rhein und Ruhr ausfallen würde. Bereits am Montag war er in Düsseldorf mit seinem NRW-Kollegen Johannes Remmel (Grüne) zusammengetroffen. Am Dienstag dann traten die beiden gemeinsam im Aachener Eurogress beim Stadtwerke-Netzwerk Trianel auf, um deren neuesten Coup, ein virtuelles Brennstoffzellen-Kraftwerk, an den Start zu bringen.

Tag der Wahrheit: 15. Oktober

Eindringlich warb Altmaier dafür, die Herausforderung gemeinsam anzugehen - über Partei- und Bundesländer-Grenzen hinweg. Er betonte, dass er in Düsseldorf gute Gespräche mit Remmel geführt habe, und gab seinem Kollegen dann doch eine kleine Spitze mit auf den Weg: „Wir brauchen keinen Masterplan. Wir brauchen Planungssicherheit.” Die gelte es allen beteiligten Akteuren zu geben, es gehe schließlich um große Investitionen.

Altmaier gab sich ambitioniert: „Ich glaube, dass es möglich ist, bis zum Ende dieses Jahres über Parteigrenzen hinweg eine Einigung zu präsentieren, wie die Energiewende zu schaffen ist.” In einem ersten Schritt will der Minister am nächsten Mittwoch, 10. Oktober, einen konkreten Fahrplan für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorlegen.

Über die EEG-Umlage zur Förderung der regenerativen Energien wird heftig gestritten, weil sie für das nächste Jahr wohl deutlich ansteigen wird; nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energien von derzeit rund 3,6 Cent pro Kilowattstunde auf 5,2 Cent oder sogar noch mehr. Die neuen Zahlen will die Bundesnetzagentur am 15. Oktober vorlegen.

Der 15. Oktober wird also auch für Altmaier ein Tag der Wahrheit. Der Minister wollte sich zu möglichen Summen in Bezug auf die EEG-Umlage nicht äußern, sagte aber: „Die Energiewende hat auch einen Preis.” Und es ist Altmaier durchaus bewusst, dass er eine Gegenleistung bieten muss: „Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass die Energiewende auch ihr Projekt ist und dass sie davon profitieren.”

Einen Teil der Lösung sieht Altmaier in technischen Innovationen, wie sie etwa das virtuelle Brennstoffzellen-Kraftwerk von Trianel biete. Hinter dem Kraftwerk stecken Mikro-Blockheizkraftwerke, die mit Brennstoffzellen betrieben werden und die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nutzen. Mit ihnen werden zunächst einzelne Haushalte versorgt, zusammengeschaltet bilden sie das virtuelle Kraftwerk. Es sind sozusagen Strom erzeugende Heizungen.

Die Kraft-Wärme-Kopplung war das Stichwort für Landesminister Remmel. Er verwies darauf, dass NRW als Industrieland Nummer eins nicht nur einen großen Strom-, sondern auch einen hohen Wärmebedarf habe: 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs mache die Wärme aus. KWK biete eine ideale Lösung, weil sie auch diesem Bedarf begegne und somit besonders effizient sei. KWK-Anlagen könnten mit Gas- und Dampfturbinenkraftwerken auf größerer und den Mini- und Mikro-Blockheizkraftwerken auf kleinerer Ebene eine sinnvolle Ergänzung zur Energiewende sein.

Ziel der Landesregierung sei es, den Anteil der KWK an der Stromerzeugung auf über 25 Prozent zu erhöhen, sagte Remmel. Deshalb legt das Land ein KWK-Förderprogramm mit einem Volumen von 250 Millionen Euro auf. „Allerdings brauchen wir Markteinführungsmechanismen, damit wir zu einer breiten Anwendung kommen”, sagte Remmel.

Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, begrüßte die Förderung. Er forderte aber, dass bei einer Reform des KWK-Gesetzes - das allerdings ein Bundesgesetz ist - auch Mini- und Mikro-Blockheizkraftwerke eine Erwähnung finden sollten.

Begehrlichkeiten gibt es also genügend. So sehr sich Bundesumweltminister Altmaier um eine Entideologisierung der Frage nach der zukünftigen Energieversorgung bemüht: Er wird noch viel diplomatisches Geschick benötigen.

25 Brennstoffzellen werden miteinander vernetzt

Das virtuelle Kraftwerk, das Trianel am Dienstag an den Start gebracht hat, vernetzt zunächst 25 Brennstoffzellen miteinander, die durch Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Strom und Wärme vor Ort produzieren.

An dem Projekt nehmen 15 Stadtwerke und kommunale Versorger aus Deutschland sowie das Energie Kompetenz Zentrum Rhein-Erft-Kreis teil. Sie installieren die Mikro-Blockheizkraftwerke auf Brennstoffzellenbasis in Kundenzentren und bei ausgewählten Kunden. Künftig sollen sie auch bei Endkunden in Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien eingesetzt werden.

Die Brennstoffzellen-Kraftwerke werden vom deutsch-australischen Hersteller Ceramic Fuel Cells in Heinsberg-Oberbruch produziert.

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