Aachen - Starke Impulse für die Aachener Textilforschung

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Starke Impulse für die Aachener Textilforschung

Von: Berthold Strauch
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„Flitzer” mit Geheimnis: Dieser Rennwagen besteht fast nur aus Textilmaterial, verriet Prof. Martin Müller (r.) Ministerin Christa Thoben; v.l. ihr Referent Wolfgang Schöll und Prof. Alexander Böker (DWI). Foto: Strauch

Aachen. Nein, zum Einsteigen in den fast nur aus Textilien gefertigten kleinen Rennflitzer war Christa Thoben nicht zu bewegen. Nicht, dass die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Bilder gescheut hätte, sie wolle ihrem Chef, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, das Regierungssteuer streitig machen.

Die Zeit war einfach zu knapp für die CDU-Ressortchefin, die gleich nach ihrer vorweihnachtlich frohen Botschaft ihre Limousine wieder bestieg und zügig davonfuhr.

Zuvor hatte die CDU-Politikerin im Eurogress die Aachener/Dresdener Internationale Textil-Konferenz eröffnet, an der rund 500 Experten aus aller Welt teilnehmen.

Und da sie „nicht mit leeren Händen kommen” wollte, wie sie danach im Pressegespräch bekundete, überreichte sie bei dieser Gelegenheit einen gewichtigen Scheck an Professor Martin Möller. Der Geschäftsführer des Instituts DWI an der RWTH Aachen konnte sich damit über einen Bewilligungsbescheid des Landes und der Europäischen Union in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro freuen.

Und das soll noch längst nicht alles sein, wie Möller bekundete. Christa Thoben nahm diesen Ball gern auf - und erklärte, dass die Entscheidung über eine zweite Zuschussrat in Höhe von mehr als vier Millionen Euro „auf gutem Wege” sei.

Insgesamt gilt es, ein Wissenschaftsprojekt zu stemmen, das ein Volumen über 15 Millionen Euro umfasst. Davon werden allein elf Millionen Euro in Baumaßnahmen gesteckt. Hier drängt auch deswegen die Zeit, weil die Zuschüsse aus dem KonjunkturpaketII stammen und zügig verbaut werden müssen.

Für März 2010 erwartet Prof. Möller den ersten Spatenstich für das planerisch abgeschlossene und der Stadt Aachen zur Baugenehmigung vorgelegte „Zentrum für Chemische Polymertechnologie” (CPT). Dies soll kleinen und mittelständischen Unternehmen der Chemie-, Kunststoff- und Textilindustrie einen besseren Zugang zu den neuesten Materialentwicklungen und Forschungsergebnissen verschaffen. Im CTP, so Ministerin Thoben, werde erstmals die gesamte Entwicklungskette vom Molekül über das Material bis zu technischen Kunststoffprodukten in einer Hand angeboten. Zudem würden Mitarbeiter qualifiziert und auf diese Weise „ein Know-how-Transfer” in die Betriebe organisiert. Ein Geheimnis des erhofften Erfolgs sei auch ein interdisziplinärer Ansatz auf der Suche nach den passenden Lösungen.

Mitte 2011 sollen die Gebäude mit insgesamt etwa 2000 Quadratmetern Laborfläche in der Nähe des Uni-Klinikums fertig sein. Dieses Vorhaben, so DWI-Chef Möller, setze ein Signal als einer der ersten Bausteine für die Gestaltung des Campus-Projekts.

Gardinen holen in Räumen die Schadstoffe raus

Markante, wegweisende Projekte machen laut dem DWI-Chef Prof. Martin Möller deutlich, dass technische Textilien fast nichts mehr gemeinsam haben mit herkömmlichen Bekleidungsstoffen.

Da geht es etwa um „photokatalytisch aktive Textiloberflächen”: Gardinenmaterial ist so beschaffen, dass es Schadstoffe aus der Raumluft durch Kohlenstoffreaktion bindet und somit „kalt verbrennt” - waschen ist überflüssig.

In Kooperation mit dem Aachener Glasproduzenten Saint Gobain werden Fensterscheiben so ausgerüstet, dass sich das Glas von selbst reinigt - ein alter Hausfrauentraum!

Ähnliche Leistungen sind bei medizinischen Implantaten möglich. In Kooperation mit dem Klinikum erhalten Kinder mit einem Loch im Zwerchfell - einem Geburtsfehler - ein „mitwachsendes” Stützmaterial. Und „Stents” in den Venen unterbinden ein Verstopfen.
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