Spacecast: Höchste Präzision für den optimalen Guss

Von: Berthold Strauch
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Heißer Job: Mit Schöpfkellen gießen Talip Ordu (vorn) und Horst Wagner das flüssige Metall in die Vakuum-Formen. Uber ZIM, das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand”, wurde die Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Spacecast finanziell unterstützt. Foto: Berthold Strauch

Eschweiler. Wenns knifflig wird, ist Jürgen Schädlich-Stubenrauch genau der richtige Mann. Immerhin hat der promovierte Gießerei-Ingenieur bereits bei den berühmten D1- und D2-Spacelab-Weltraum-Missionen Verantwortung getragen.

Jetzt arbeitet der 51-Jährige auf eigene Rechnung, nachdem er sich am Aachener Gießerei-Institut wertvolle wissenschaftliche Sporen verdient hatte. In Eschweiler führt Schädlich-Stubenrauch die Spacecast GmbH. „Schnell und flexibel”, so sein Firmenmotto, liefert Spacecast Präzisions-Gussteile in allen denkbaren Formen, Variationen und mit teils abenteuerlichen Geometrien.

Klar, dass Zeit für ihn und seine Auftraggeber bares Geld ist. Denn wenn sein hochspezifische Experten-Know-how am Markt gefragt ist, geht es oft um echte Einzelstücke, um Prototypen, welche auf Herz und Nieren auf ihre Serientauglichkeit getestet werden.

Um den Erwartungsdruck der Kundschaft an einem überzeugenden Beispiel deutlich zu machen: Vielfach landen Bauteile, die auf Spacecast-Computern zum Guss vorbereitet werden, in den Rennställen der Formel1. Und wenn eine Branche überhaupt keine Geduld hat, um lange auf die harten Ergebnisse ihrer ingenieursmäßigen Entwicklungen zu warten, dann sind es die Konstrukteure aus der Vollgas-Zunft. Sie ist nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi in die verdiente Winterpause gerast - wohl auch, um an neuen technischen Raffinessen zu feilen.

Was dem Spacecast-Team einen entscheidenden Vorsprung vor Mitbewerbern sichert, dafür sorgen auch komplexe Programme, mit deren Unterstützung heiße Gießereiprozesse kalt und theoretisch im Computer simuliert werden können. Der Geschäftsführer, der am Gießerei-Institut der RWTH unter Professor Peter Sahm Oberingenieur war, hat mit zu dieser erstmals in Aachen entwickelten Technologie beigetragen. Jetzt kann er die Ergebnisse des mit viel Forscherschweiß erarbeiteten Wissens genießen, wenn die benötigen Daten über gewünschte Bauteile als dreidimensionale Datensätze zu Spacecast überspielt werden.

Zum Beispiel, um die filigranen Schaufeln für Turbolader eines Automotors zu fertigen, womit der Abgasstrom weiter optimiert und noch das Letzte an Leistung herausgekitzelt werden soll. Die Bauteile müssen dabei enormen Belastungen standhalten, die bis zu 100.000 Umdrehungen pro Minute und Temperaturen von etwa 900 Grad Celsius erreichen.

Doch bevor die ausgesuchten Metalle und Legierungen erhitzt werden können, muss erst noch ein Abdruck, ein Modell des Bauteils gefertigt werden, das als „Negativabdruck” in den Sand gepresst erst den Guss erlaubt.

Jürgen Schädlich-Stubenrauch, dem das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Jutta Schädlich gehört, muss empfindsamen Kunden garantieren können, dass die Gussteile fehlerfrei modelliert worden sind. Dazu hält er in dem Betrieb, dessen Räumlichkeiten im Rahmen eines Leasingprojekts der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des bisherigen Kreises Aachen entstanden sind, komplexe Mess-, Röntgen- und Ultraschallanlagen bereit.

Auch „verrückte” Wünsche füllten ab und zu das Spacecast-Auftragsbuch, zum Beispiel ein Spezial-Bleikiel, der für eine Rennyacht gegossen wurde, aber auch detailreiche Kunstwerke aus Bronze.

Dies und vieles andere sorgte letztes Jahr für zwei Millionen Euro Umsatz. Die Wirtschaftskrise ist aber auch an diesem Unternehmen nicht spurlos vorbeigegangen. Dies forderte Konsequenzen. Trotz Kurzarbeit hat Schädlich-Stubenrauch vier seiner 20 Mitarbeiter entlassen müssen.
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