Softdrinks, Fastfoodketten und Ohrfeigen

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Die Erfolgsgeschichte des Getränks erzählt er gerne, auch Fotos machen ihm sichtlich Spaß: Peter Kowalsky mit einer Reihe von Bionade-Flaschen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es gibt ein paar Sätze, die Peter Kowalsky regelmäßig zu hören bekommt. „Sie sind ja so authentisch, Herr Kowalsky”, zum Beispiel. Ein Kompliment, aber er runzelt die Stirn. „Ich sage halt, was ich denke. Für mich ist das normal.” Trotzdem: Authentisch trifft es gut.

Peter Kowalsky, 42, verheiratet, eine Tochter, Diplom-Brauingenieur und geschäftsführender Gesellschafter der Bionade GmbH mit Sitz in Ostheim in der Rhön, wirkt natürlich, spontan, humorvoll. Jemand, den man gerne im Freundes- oder Bekanntenkreis hätte. Auch an diesem Abend, an dem er auf Einladung des Marketing Clubs Aachen über „Bionade - Von der Idee zur Marke” spricht, scheint nichts, was er sagt, so routiniert, wie es ein professioneller Vortrag nun mal verlangt.

Dabei dürften es inzwischen Hunderte, wenn nicht schon Tausende Male sein, dass er die Erfolgsgeschichte der Bio-Brause erzählt hat. Darauf angesprochen sagt er: „Ich werde nie müde, über Bionade zu sprechen. Sie ist mein Leben.”

Regionale Verbundenheit

Sein schwarzes Sakko trägt Peter Kowalsky offen, darunter kommt ein hellblaues Hemd zum Vorschein, dessen oberster Knopf nicht geschlossen ist. Wenn Kowalsky spricht, ist der Anflug eines fränkischen Akzents zu hören. Eines unterfränkischen, müsste es korrekterweise wohl heißen. Denn darauf, dass er aus Unter- und nicht etwa aus Mittel-, Oberfranken oder gar Bayern kommt, legt Kowalsky viel Wert.

Überhaupt lässt er keinen Zweifel an seiner regionalen Verbundenheit. „Bionade konnte, so wie sie ist, nur in der Rhön entstehen.” Seine Heimat sei eine Region, die wirtschaftlich gesehen sicherlich Nachteile habe. „Da fährt man nicht mal zufällig von der Autobahn aus hin”, sagt er und lacht, wobei sich kleine Fältchen neben seinen hellblauen Augen bilden. „Dabei lohnt es sich, mal vorbeizuschauen, denn die Natur ist dort wunderbar.” Und eben weil die Region strukturell schwach sei, müsse man sich besonders anstrengen, „wenn man etwas Gescheites schaffen will”.

Von Mühe und Anstrengung spricht Kowalsky viel und ernsthaft, aber nie mit erhobenem Zeigefinger oder predigendem Unterton. Es ist, wie es ist: Der Erfolg mit Bionade ist ihm und seiner Familie nicht in den Schoß gefallen. Oft sei es hart gewesen, sagt er. Geschafft habe man es aus zwei Gründen. „Erstens, weil wir eine Familie sind und zusammengehalten haben, und zweitens, weil wir jede Menge Schulden hatten.” Die tiefroten Zahlen in der Unternehmensbilanz habe sie gezwungen, Wege zu gehen, die schmerzlich waren. Vielleicht, sagt Kowalsky, liege die geringe Innovationsfreudigkeit der großen Konzerne darin, dass ihnen finanzielle Verluste meistens nicht weh täten.

Mit einigen Konzerngiganten hat das fränkische Familienunternehmen, das aus der Privatbrauerei der Eltern Kowalskys hervorgegangen ist, schon Erfahrungen gemacht. Ein Übernahmeangebot und damit Millionen Euro von Coca-Cola hat Bionade abgelehnt. „Coca-Cola könnte mit unserer vergleichsweise kleinen Marke nicht umgehen, auf Dauer würde sie leiden”, sagt Kowalsky. Man arbeitet allerdings zusammen, inzwischen wird Bionade auch in Automaten des Softdrinkriesen angeboten. Und in den McCafés, den Kaffeehaus-Filialen, mit denen die Fastfoodkette McDonalds Starbucks Konkurrenz machen will.

Eine Kooperation, sagt Kowalsky, die bei vielen Bionade-Konsumenten der ersten Stunde auf heftige Kritik gestoßen sei. „Wir nehmen diese verbalen Ohrfeigen sehr ernst, denn die Verbraucher sind es schließlich, die uns groß gemacht haben.” Warum dann diese Zusammenarbeit? Passt das zur Unternehmensphilosophie, die lautet „Mit Anstand gegenüber Natur und Mensch wirtschaften”? Auch darauf hat Peter Kowalsky eine Antwort. „Wir möchten gerade dorthin, wo es in punkto Ernährung etwas zu verbessern gibt.”

Zehn Jahre Entwicklung, drei Millionen Kosten

Bionade gibt es 2010 seit 25 Jahren. 1985 hatte der Braumeister Dieter Leipold, Stiefvater von Peter und seinem Bruder Stephan Kowalsky, die Idee zu der alkoholfreien, nach deutschem Reinheitsgebot fermentierten Limonade. Sie sollte im Vergleich zu den gängigen Softdrinks zuckerarm sein und aus kontrolliert biologisch gewonnenen Rohstoffen hergestellt werden.

Die Entwicklung dauerte zehn Jahre und verschlang Kosten von rund drei Millionen Euro. Seit 2002 existiert die Bionade GmbH mit 180 Mitarbeitern. Im ersten Jahr wurden zwei Millionen Flaschen Bionade produziert, inzwischen sind es 200 Millionen pro Jahr.

Ende 2009 wurde bekannt, dass die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe 51 Prozent von Bionade übernimmt. Der restliche Anteil befindet sich weiterhin im Besitz der Familien Kowalsky und Leipold.
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