So finden Form und Funktion zur Einheit

Von: Berthold Strauch
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Elektromobil mit Pfiff: der von Studenten entworfene „SpeedE”. 2013 soll daraus ein fahrbarer Prototyp werden. Foto: fka

Aachen. Das von Professor Lutz Eckstein (43) gelenkte Institut für Kraftfahrzeuge Aachen (ika) der RWTH gilt weltweit als führend in der Automobilforschung. Und die Hochschule Pforzheim steht hierzulande an der Spitze, was die Gestaltung der äußeren Hülle und des Innenlebens von Autos betrifft.

Weltweit zählen die Baden-Württemberger zu den drei führenden Einrichtungen auf dem Fachgebiet „Transportation Design”. Jetzt fügen beide Hochschulen auf Initiative von Eckstein ihre exzellenten Kompetenzen zu einer neuen, schlagkräftigen Kooperationseinheit zusammen. Gemeinsam wollen die Aachener und Pforzheimer Fahrzeuge unter einem Dach gestalten.

Am Freitag wird dazu am ika das neue „German Design Studio Aachen - Automotive”, ein Fahrzeug-Konzeptzentrum, offiziell aus der Taufe gehoben. Ausreichend Platz für die angesteuerte Zusammenarbeit bietet ein pünktlich fertiggestellter Neubau der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (fka) - Eckstein ist dort Beiratsvorsitzender - direkt gegenüber dem ika-Hallengebäude. Hier wird zusätzlich Platz geschaffen für rund 145 neue Arbeitsplätze. Insgesamt beschäftigen ika und fka mehr als 350 Mitarbeiter einschließlich der studentischen Hilfskräfte - ein Verbund schlagkräftiger Forschungs-Dienstleister für die Autoszene.

Ziel der Kooperation, sagt Lutz Eckstein in einem Gespräch mit unserer Zeitung, sei die „gemeinsame Gestaltung wegweisender Konzepte für zukünftige Kraftfahrzeuge”. Auf Pforzheimer Seite zeichnen die Professoren James Kelly und Lutz Fügener für das Design der angestrebten innovativen Lösungen verantwortlich. Sie sollten „höchste gestalterische Ansprüche und gleichzeitig die komplexen technischen Anforderungen erfüllen”, betont Eckstein.

Neben der gemeinsamen Arbeit an neuen Fahrzeug- und Mobilitätskonzepten nennt der Wissenschaftler eine Vernetzung der Lehre als weiteren wesentlichen Baustein. Damit werden neue Ausbildungsstandards für künftige Absolventen gesetzt, die in der Industrie stark gefragt seien.

Vom Stellenwert der Gestaltung

Die „Erlebniswelt Automobil” werde längst durch Funktion und Interaktion, also Wechselwirkung, „genauso stark geprägt wie durch Form und Farbe”, erklärt Eckstein. Dies mache ein intensives technisches und funktionales Verständnis künftiger Designer notwendig. Umgekehrt erhalte die Gestaltung „einen immer größeren Stellenwert in der Fahrzeugentwicklung”, da sie „über alle Fahrzeugsegmente hinweg die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflusst”, fügt Eckstein an. „Es geht letztlich um ein Produkterlebnis.” Zum Vergleich zieht er eine Parallele zu Apples Kultobjekt iPhone. Dessen Schöpfern sei es gelungen, bei den Konsumenten auch Emotionen zu wecken - über den eigentlichen technischen, praktischen Nutzwert hinaus.

Das erste Produkt der neuen interdisziplinären Zusammenarbeit ist das Fahrzeugkonzept „SpeedE”. Für dessen Gestaltung zeichnen Masterstudenten aus Pforzheim verantwortlich. Es soll „erlebbare Vorzüge der Elektromobilität” in den Mittelpunkt rücken - und nicht negative Elemente wie etwa eine niedrige Reichweite. Für das besondere Erlebnis des neuen, eleganten „Stromers” sollen einige Ausstattungsdetails sorgen, die es bislang in Serienprodukten der Automobilbranche noch nicht gibt. Und das Pfiffige des neuen Konzepts: Schon nächstes Jahr sollen all diese Elemente in einem fahrbereiten Prototyp erlebbar sein, hergestellt mit Partnern aus der Industrie. Eckstein nennt dabei etwa ein völlig neues Konzept: Durch die unterschiedliche Lenkbarkeit der Vorderräder, die rechtwinklig einschlagbar seien, werde es möglich, dass der SpeedE „fast auf der Stelle wenden” könne. „Steer by Wire” nennt sich dies, Steuerung per elektrischem Draht statt Mechanik, per Stick wie im Flugzeug. Und es soll in dem Elektroauto eine völlig neue Konstruktion der Tür geben: Sie lässt sich leicht auf die andere Wagenseite schieben, dass der Passagier ganz bequem über das dann offenstehende Dach im Stehen einsteigen kann: Selbst eine flache „Auto-Flunder” verliert in dem Moment ihren Schrecken, dass man sich beim Reinklettern die Knochen verrenken könnte.

Weitere Projekte sollen auf der neuen Forschungsplattform gemeinsam mit der Industrie angeschoben werden, um „neue funktionale Potenziale zu erschließen”, wie es Eckstein nennt: das Konzeptzentrum als Ideenschmiede für die Autobranche, die aufregende Trends für die Zukunft setzt, „made in Aachen”.
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