Aachen - Sie sind die besten Azubis Deutschlands

Sie sind die besten Azubis Deutschlands

Von: Nina Leßenich
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Zählten zu den 232 ausgezeichneten Bundesbesten: Burcu Ayvaz ... Foto: Nina Lessenich, Heike Lachmann
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Ramona Tüxen ... Foto: Nina Lessenich, Heike Lachmann
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Charlie Jakobs ... Foto: Nina Lessenich, Heike Lachmann
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und Jonathan Haas haben während ihrer Ausbildung in der Region brilliert. Foto: Nina Lessenich, Heike Lachmann

Aachen. Es ist eine Leistung, auf die sie zurecht stolz sein dürfen: Fünf Auszubildende aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen zählen zu den Besten in ganz Deutschland. Anfang Dezember haben DIHK-Präsident Eric Schweitzer und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Berlin die deutschlandweit erfolgreichsten Auszubildenden aus den 233 IHK-Berufen geehrt.

Unter den 232 ausgezeichneten Bundesbesten waren auch die Auszubildenden Jonathan Haas (Mathematisch-technischer Softwareentwickler, Kappich Systemberatung Aachen), Burcu Ayvaz (Fachkraft für Süßwarentechnik, Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli Aachen), Ramona Tüxen (Fachfrau für Systemgastronomie, Vapiano Aachen), Charlie Jakobs (Verfahrensmechaniker Glastechnik, Saint-Gobain Glass Stolberg) sowie Sebastian Meironk (Technischer Systemplaner, Carpus + Partner Aachen). „Die ausgezeichneten Azubis haben sich unter 320 000 Prüfungsteilnehmern durchgesetzt. Jetzt haben sie die besten Chancen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben“, sagt Heinz Gehlen, Geschäftsführer der IHK Aachen. Vier der fünf Auszubildenden sind weiterhin in ihren Ausbildungsbetrieben tätig, lediglich Sebastian Meironk zog es zurück in seine Heimatstadt Rostock.

Burcu Ayvaz

Eigentlich wollte die 22-Jährige Sozialpädagogik studieren. Dass sie ihre Ausbildung als Fachkraft für Süßwarentechnik in der Fachrichtung Konfekt bei Lindt & Sprüngli nun als eine der besten Auszubildenden Deutschlands abschließen konnte, verdankt sie in gewisser Weise ihrem Vater. „Mein Vater arbeitet bei Kronenbrot und hat mir irgendwann vorgeschlagen, etwas mit Lebensmitteln zu machen”, erinnert sie sich. Keine schlechte Idee, fand Burcu: „Schokolade mag schließlich jeder gerne”, sagt sie und lacht. Nach einem umfangreichen Auswahlverfahren konnte sie sich schließlich über eine Ausbildungsstelle freuen.

Blockweise verbrachte sie ihre Ausbildungszeit entweder im Werk in Aachen oder in Solingen – dort befindet sich mit der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft Deutschlands einzige Ausbildungsstätte der Süßwarenindustrie. „Sowohl die Schule als auch der Betrieb haben mich sehr unterstützt”, weiß Burcu zu schätzen. Diese Unterstützung habe sie motiviert, fleißig zu bleiben und viel zu lernen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Nach der Ausbildung wurde Burcu von Lindt übernommen, ist gerade für Produktneueinführungen zuständig. Im kommenden Jahr beginnt sie als eine der ersten Auszubildenden des Betriebs ein neues duales Studium im Bereich der Lebensmitteltechnologie.

Ramona Tüxen

Nach dem Abitur hatte Ramona Tüxen noch keine genaue Vorstellung davon, in welche Richtung es sie beruflich ziehen würde. Statt sich sofort um einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu kümmern, ging sie zunächst für ein Jahr in die USA, arbeitete dort als Au-pair.

Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte: „In den USA habe ich einen Restaurantleiter von Vapiano kennengelernt”, erzählt Ramona. Der erzählte ihr von seinem Job und begeisterte die Jülicherin damit so sehr, dass sie sich prompt selbst bei der Restaurantkette bewarb. Damit, dass sie ihre Ausbildung so erfolgreich abschließen würde, hat sie selbst nicht gerechnet. „Ich habe mein Abitur mit 2,8 gemacht, eher mittelmäßig. Ich habe in der Schule ehrlich nicht gedacht, dass ich so gut bin”, sagt sie.

Die Motivation zog sie vor allem aus ihrem Interesse: „Die Ausbildung war genau mein Ding. Da habe ich mich mehr für alles interessiert, als vielleicht für das ein oder andere Fach in der Schule. Und dann habe ich mir gedacht: Es sind nur drei Jahre. Da kann ich mich auch mal richtig anstrengen!“ Das schaffte Ramona mit Erfolg: Inzwischen ist sie Schichtleiterin im Vapiano Aachen und trägt mit ihren 25 Jahren Verantwortung für rund 50 Mitarbeiter.

Charlie Jakobs

Es war sozusagen eine Glanzleistung mit Ansage: „Ich war damals Bester in unserer Zwischenprüfung”, erzählt Charlie Jakobs. „Danach habe ich gesagt: Wenn ich meinen Abschluss mache, dann werde ich Bundesbester!“ Mit diesem Ziel vor Augen habe er sich motiviert, am Ball zu bleiben. Dabei wollte er ursprünglich Industriemechaniker werden – und nicht Verfahrensmechaniker. „Ich wurde direkt beim Einstellungstest gefragt, ob ich mir nicht auch vorstellen könnte, eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker zu machen“, erzählt Charlie. Kurzerhand entschied er sich dafür.

„Eine gute Entscheidung“, meint auch sein Ausbilder Achim Valentin bei Saint-Gobain Glass Stolberg. Anderen Auszubildenden rät Charlie, sich immer die höchstmöglichen Ziele zu setzen. „Man sollte immer an seine Zukunft denken und sich nicht mit mittelmäßigen Leistungen zufrieden geben“, findet er. Das hat er auch in der Zukunft nicht vor. Sein nächstes Ziel: „In zehn Jahren möchte ich meinen Ausbilder ablösen“, sagt der 21-Jährige lachend.

Jonathan Haas

Jonathan Haas hat nicht nur seine Ausbildung hervorragend abgeschlossen, sondern parallel dazu auch noch seinen Bachelor im Bereich „Scientific Programming“ an der Fachhochschule Aachen beendet. Hinter ihm liegt ein nicht ganz einfacher Weg: Nach dem Abitur kämpfte Jonathan damit, seinen Weg zu finden. Das Informatikstudium brach er nach einem Semester ab, es folgten mehrere erfolglose Bewerbungen auf Ausbildungsplätze.

Einige Zeit nach dem Abitur wurde bei ihm das Asperger Syndrom diagnostiziert – eine angeborene autistische Entwicklungsstörung, die Probleme in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation mit sich bringt. Betroffenen fehlt es an Einfühlungsvermögen; sie können Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen schlecht nachempfinden und sich nur schwer auf andere Menschen einstellen.

Nachdem er ein Jahr lang in einer Reha-Maßnahme seine Kommunikationsfähigkeit trainieren konnte, bekam er schließlich zunächst einen Praktikumsplatz und anschließend die Ausbildungsstelle bei der Aachener Firma Kappich Systemberatung. Mit 98 von 100 möglichen Punkten hat der 27-Jährige seine Ausbildung beendet – nicht nur als bester Azubi im Raum Aachen oder Nordrhein-Westfalen, sondern als bester Azubi deutschlandweit.

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