Aachen - Sie bauen auf die Nougat-Rhombe

Sie bauen auf die Nougat-Rhombe

Von: Thorsten Karbach
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Nach uraltem Rezept: Seit 1932 gibt es die in rot- grün-silbernem Staniol gepackten Nougat-Rhomben von Dresse. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Für die Nase ist bei Familie Dresse das ganze Jahr Weihnachten. Wenn Martin Dresse nach altem, besser: uraltem Rezept in Aachen weißen holländischen Nougat herstellt, dann duftet es eben nach Leckereien, wie sie jedes Weihnachtsfest versüßen.

Zwar geht „Dresse Nougat“ über den Großhandel ganzjährig in die Supermarktregale, aber Weihnachten ist die Nachfrage eben besonders groß und die Produktion wird hochgefahren, das Personal auf bis zu 16 Kräfte aufgestockt. „Wir stecken mitten in der Hochphase“, erklärt Martin Dresse. Die Produktion wird dabei immer auf die Nachfrage – also den Appetit abgestimmt. Und so werden gerade schmale Nougatstreifen, sie heißen „Klenkes“, mit Schokolade glasiert.

Es war sein Großvater, der den richtigen Riecher hatte. 1932 erwarb Martin Wilhelm Dresse das Unternehmen „Süsswarenspezialfabrikation Schlenter“ samt Geheimrezept holländischer Prägung und wird Namensgeber und Erfinder der bekannten weißen Nougatblöcke. Seitdem gibt es die in rot- grün-silbernem Staniol verpackten Rhomben, seit Mitte der 1950er bundesweit. 1971 übernahm sein Sohn Karl Dresse die Firma, 2003 der Enkel Martin Dresse mit seiner Frau Christina. So etwas heißt Familienbetrieb.

Noch immer steckt viel Handarbeit in der Herstellung. Wenn die Nougatmasse auf Temperatur ist, Nüsse und Pop-Reis beigemischt sind, dann greift der Süßwarentechniker Martin Dresse erst zur Maurerkelle und dann zum Nudelholz. Schnell muss es gehen, sonst ist der Nougat wieder so hart, dass er nicht mehr verarbeitet werden kann.

Kochen, walzen, schneiden – die Aufgabe haben sich in den letzten 123 Jahren kaum bis gar nicht verändert. Auch das Rezept ist und bleibt nahezu unberührt – und natürlich ein Geheimnis. „Wir setzen auf frische Zutaten, aber mehr verraten wir nicht“, sagt Dresse.

Es ist ein seltenes Geschäft, das dieser Familienbetrieb mit kleinem Laden an der Vaalser Straße betreibt. In Deutschland ist Nougat in der Regel dunkel – und weicher als der weiße. Dieser Nussnougat spielt bei Dresse keine Rolle. Ihr Nougat ist weiß und hart – ähnelt eher dem spannischen Turron, auch wenn der süßer und mit mehr Mandeln hergestellt wird. Und auch für den Hersteller immer noch eine alltägliche Versuchung. „Ja, auch ich nasche immer noch“, sagt Martin Dresse.

Seit Jahrzehnten bekommen es die Dresses mit traditionellem Handwerk gebacken. Die wenige Maschinen sind teilweise 40 Jahre alt. Schritt für Schritt wird hier aus Eiweißmasse, Zucker, Glukose, Wasser, Nüsse, Mandeln und anderen Zutaten der weiße holländische Nougat im Block, als Finger oder typische Rhombe.

Und er wird hier verpackt, entweder ins bekannte Staniol oder in kleine Folien, die vor Ort mit Zutaten und Haltbarkeitsdatum bedruckt werden. Und auch hier packen die Dresses an. Hier wird mit viel Enthusiasmus und wenig Technik produziert.

Es ist ein Betrieb, wie es nicht mehr viele in Deutschland gibt. Die Lebensmittelindustrie ist zunehmend automatisiert. Für kleine Betriebe wird es zunehmend schwer, sich zu behaupten. Die Handwerkskammer zählte in der Region am 30. Juni noch 461 Betriebe im Nahrungsmittelgewerbe. 2004 waren es noch 692. 2008 noch 541.

Während die Schokolade über den Klenkes-Nougat läuft, bereitet Martin Dresse die nächsten Blöcke vor. Aus ganz Deutschland kommen die Anfragen vor dem Fest. Beliebt ist Dresse in den Niederlanden wie auch England. „Für uns ist Weihnachtszeit Nougatzeit“, sagt Christina Dresse. „Und der Rest des Jahres ist es auch.“

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