Maashees - Seit zehn Jahren beliefert Tierfutterhersteller Havens den CHIO Aachen

Seit zehn Jahren beliefert Tierfutterhersteller Havens den CHIO Aachen

Von: Thorsten Karbach
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Dieser Mann steht für eine Erfolgsgeschichte: Joris Kaanen ist Geschäftsführer von einem der größten Pferdefutterhersteller Europas. Das niederländische Unternehmen Havens setzt dabei insbesondere auf Spitzensport – ist Partner des CHIO Aachen. Ein turmhoher Erfolg.

Maashees. Der CHIO ist so ganz nach dem Geschmack des Pferdefutterherstellers Havens. Es ist die ganz große Bühne für den Betrieb aus dem kleinen niederländischen Örtchen Maashees – 25 Kilometer hinter Venlo, kaum 120 Autobahnkilometer von der Aachener Soers, Austragungsort des bedeutendsten Reitturniers der Welt, entfernt.

Hier werden jährlich 500.000 Tonnen Tierfutter hergestellt. Müsli mit Knoblauch gegen lästige Fliegen, der Power-Plus-Mix, eiweißarm und leicht verdaulich, dafür mit extra Elektrolyten für die Muskeln und ein Reform-Kräuter-Müsli mit Thymian und Basilikum. Erfolgshungrige Reiter wissen das zu schätzen – für ihre Pferde.

Wenn der CHIO 2014 am 11. Juli eröffnet wird, liegen dort 22 Tonnen Pferdefutter von Havens bereit. Die Partnerschaft läuft dann bereits seit zehn Jahren. 2015 werden die Niederländer dann 30 Tonnen liefern – für die Reit-EM. Der Vertrag wurde gerade unterschrieben. Havens hat einen guten Klang im Pferdesport, zählt neben Höveler oder Marstall und wenigen anderen zu den größten Herstellern in Europa. Die Liste der Spitzenreiter, die auf das niederländische Pferdefutter setzen, ist lang. Der Name Jeroen Dubbeldam ist da zu lesen, er wurde 2006 Mannschaftsweltmeister mit den Niederlanden – in Aachen. Auch da war Havens offizieller Partner. Joris Kaanen, mit seinem Bruder Han Geschäftsführer in der sechsten Generation bei Havens, hat ein Foto, dass seine Landsleute bei der Siegerehrung zeigt. Ja, das war noch viel mehr nach dem Geschmack des Niederländers.

Die Geschichte von Havens Tier- beziehungsweise Pferdefutter mag noch länger sein, als die Liste der Reiter, die dem Unternehmen heute vertrauen. Kurz gesagt: Sie beginnt bereits 1845 mit einer Wassermühle Vierlingsbeek und einem gewissen Godfried Kaanen. Als die Maas kanalisiert wurde und Schiffe aus aller Welt hier verkehrten, zogen die Futtermacher um – nach Maashees. Das war 1923. Seitdem wird vor Ort produziert. Ein Besuch.

Maashees ist eines dieser niederländischen Dörfer wie aus einem Bilderbuch: die Steinhäuser haben große Fenster mit frisch gestrichenen Läden, dahinter grasen Pferde auf endlosen Weiden. Es gibt eine Pfannkuchenbäckerei, gegenüber von der Kirche ist ein Fahrradladen, daneben, in Nummer 56, ist der kleine Puck geboren worden – und der ganze Ort hat den Vorgarten geschmückt. Und Havens prägt seit 90 Jahren dieses Bild. Die ersten Silos wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Kaanens bauten alles wieder auf. Mittlerweile gibt es ein weiteres Silo im Venloer Hafen.

Am Kai in Maashees hat die MS Jamaica festgemacht. Die Ladung wird gelöscht, Schaufel für Schaufel entladen. Ein paar Meter weiter fahren Lastwagen vor – vom Agrarhandel Heinz Lennards aus Heinsberg, von Braun Landesprodukte aus Baesweiler. Die Rohstoffe kommen aus der Umgebung genauso wie aus aller Welt. Soja wird aus Asien importiert, andere Zutaten kommen aus Amerika. Und das ist schon seit 80 Jahren so.

Mais aus La Plata

Auf einem Dokument vom 22. Juni 1934 sind die damaligen Lieferungen erfasst: Weizen aus Polen, Mais aus La Plata, Reis aus Japan. Produziert wurde in der Regel für die Region. Das ist nun anders: Havens Futter (auch für Intensivtierhaltung von Mastschweinen und Milchkühen) wird in 55 Länder exportiert. Am Kai steht ein Seecontainer der Maersk-Reederei. Ein Gabelstapler fährt eine Palette Pferdefutter hinein. Die Ladung geht nach Dubai.

Es ist ein globales Geschäft, das die Brüder Kaanen – Joris hat in Frankreich studiert und dann zunächst zwei Jahre in der Kosmetikbranche gearbeitet – dort in Maashees leiten. Drei Millionen Säcke Pferdefutter wurden zuletzt im Jahr produziert, über regionale Händler kommen sie zum Kunden – egal ob in Aachen oder in Katar. Schöne Zahlenwelt. Der Umsatz ist von 100 Millionen Euro auf rund 120 Millionen Euro im Jahr gewachsen. Ganz platt ausgedrückt: Mit Pferdefutter lässt sich offensichtlich Geld wie Heu machen. Und nicht nur damit. Tiere sind ein beachtlicher Milliardenmarkt in Deutschland.

In mehr als jedem dritten Haushalt (36 Prozent) lebt laut einer 2012 veröffentlichten Studie des Zentralverbandes zoologischer Fachbetriebe Deutschlands ein Haustier – und in dieser Statistik sind Pferde nicht aufgenommen. Rund 31 Millionen Hunde, Katzen, Vögel und Kleintiere soll es geben – plus Fische und Reptilien. Der Gesamtmarkt für Heimtiere wird auf vier Milliarden Euro geschätzt. Es gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt – insbesondere, wenn es ums Essen geht. Hundekeksmanufakturen fertigen in Handarbeit, Katzen bekommen Diätkost. Liebe (zum Tier) geht hier durch den Magen.

Pferdefutter ist auch nicht gleich Pferdefutter. Havens hat eine eigene Entwicklungsabteilung, um die Kost den Anforderungen, die die Pferde erfüllen müssen, anzupassen. Neue Rezepte lassen sich problemlos erproben – viele der rund 100 Mitarbeiter reiten selbst. Ein Dutzend Futtervariationen mit zig verschiedenen Zutaten und vor allem Mischungen gibt es – für Ponys, die Kinder über eine grüne Weide tragen, wie auch für Rennpferde und Großer-Preis-von-Aachen-Sieger. Als Dunaden 2011 den mit 6,2 Millionen Dollar dotierten Melbourne-Cup mit dem kleinsten Vorsprung in der 151-jährigen Geschichte des Rennens gewann, jubelte Joris Kaanen. „Wir konnten behaupten, das Futter habe im den entscheidenden Vorsprung verschafft“, sagt er nun lachend. Dunadens Kost kam von Havens.

Was ist nicht alles drin in diesen bunten Säcken Pferdefutter! Alles sei zu hundert Prozent pflanzlich, betont Kaanen. Sonst komme es nicht in die Tüte beziehungsweise den Sack, der auf dem Fließband befüllt wird. Im „Cool-Mix“ ist extra wenig Zucker. Vitamine, Öle, Aminosäuren, Eiweiß, Salz – alles wird aufs Gramm genau dosiert. Und wenn zu viel Salz im Essen ist, dann schmecken das Mensch wie Tier.

Es gibt Müsli und Pellets, also gepresste kleine Stäbe. Mundgerecht für die Vierbeiner. Für Kaninchen sind sie natürlich kleiner als für Pferde. Die Produktion läuft voll automatisiert. In einer Art Kommandozentrale wird jeder Schritt, jeder Mahlgang, jeder Meter, den sich Getreide und all die anderen Zutaten – bis zu 40 sind es für eine Futtermischung – durch die Anlage bewegen, verfolgt. Auf den bunten Säcken, die sich am Ende türmen, ist überall unübersehbar das Logo des CHIO in Aachen zu sehen. Die Partnerschaft ist für Havens von unschätzbarem Wert. „Es ist das schönste und professionellste Turnier der Welt. Dort können wir uns den Spitzenkunden und den ganz normalen Pferdefreunden vorstellen“, findet Kaanen. „Wir waren auch vorher schon mit Spitzenreitern verbunden. Aber Aachen hat uns noch weiter nach vorne gebracht.“

Kaanen ist selbst – klar – Reiter aus Leidenschaft. Auch wenn er selten so viel Zeit hat wie in dieser sonnigen Woche in Ungarn, wo er nach Herzenslust reiten konnte. Eine Ausnahme. Auch in Aachen geht es für ihn vor allem ums Geschäft – seinem Traum, einmal im großen Stadion in der Soers einreiten zu dürfen, wird er auch in diesem Jahr kaum näherkommen. Havens will seinen Siegeszug durch die Reitsportwelt fortsetzen – da gibt es zu viele Termine, zu viele wichtige Gespräche. Und wenn dabei ein Niederländer im Großen Preis jubelt – dann wäre der CHIO 2014 noch viel mehr nach dem Geschmack des Niederländers.

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