Aachen - Schumag: Gute Auftragslage, unübersichtliche Zukunft

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Schumag: Gute Auftragslage, unübersichtliche Zukunft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit durchaus gemischten Gefühlen sehen vermutlich alle Beteiligten der für den 10. August angesetzten Schumag-Hauptversammlung (10 Uhr, Nütheim-Schleckheim) entgegen.

Denn nach dem großen Hickhack um Aktienmehrheiten, Aufsichtsratssitze und Vorstandsposten im vergangenen Jahr (wir berichteten), hat die Leitung der Schumag AG momentan überhaupt kein Interesse an einer wie auch immer gearteten Fortsetzung des unglaublichen Wirtschaftskrimis, bei dem die Aktienpakete des Aachener Traditionsunternehmens rund um den Globus taumelten und in einer inzwischen insolventen Holding der Katzinakis-Familie landeten.

Und doch könnte sich am kommenden Dienstag wieder Unvorhergesehenes ereignen, woran der jetzige Vorstandschef Steffen Walpert gar nicht denken mag. Der 46-jährige gelernte Steuerberater ist jetzt seit Mitte 2009 auf dem Schumag-Chefsessel. Beinahe beschwörend beschreibt Walpert den guten Weg, den das Unternehmen seit März „aus der tiefen Krise” genommen hat.

Wie alle anderen hatte die Krise auch Schumag „verheerend” (Walpert) getroffen, ohne die Millionen aus dem Verkauf der Maschinenbausparte und dem unbändigen Überlebenswillen der Belegschaft hätte man das nicht überstanden. Der Vorstandschef lobt dabei sogleich die Arbeitnehmervertretung, die „bei allen den verschiedenen Interessenlagen” immer mit an einem Strang gezogen hätte.

„Wir haben jetzt wieder um die 600 Beschäftigte”, berichtete Walpert den „Nachrichten”, dabei war durchaus ein wenig Stolz zu erkennen. Zuerst im März, dann noch mal im Mai und im Juni dieses Jahres habe es „Quantensprünge in den Auftragsbüchern” gegeben. Die Lage sei im momentanen Spezialgebiet des ehemaligen Maschinenbauers, der Fertigung von meist kleinen Präzisonsteilen für die Automotiv-Branche, ist gut, es gibt wieder Drei-Schicht-Betrieb.

„Wir sind heute froh, dass die Einschnitte mit den Sozialplänen nicht so tief waren, wie es eigentlich beabsichtigt war”. Ansonsten würde man heute nicht so leicht, so der Chef erfreut, das dicke Auftragsplus bewältigen können, denn bei Schumag kommt es immer noch auf die Qualität der Präzisionsarbeit an.

Ob auch auf der Hauptversammlung Präzisionsarbeit abgeliefert wird, muss sich dann zeigen. Die Ausgangslage: 79,2 Prozent des Aktienpaketes sind momentan durch Gerichte eingefroren und am kommenden Dienstag nicht stimmberechtigt. Es sind diese Pakete, um die sich alte Kombattanten im Schumag-Monopoli streiten. Der Insolvenzverwalter Bernd Depping etwa sieht sich als Vertreter der Holding des griechischen Finanzjongleurs Konstantinos Katzinakis und beansprucht Stimmrechte, ebenso wie auch der aktuelle stellvertretende Aufsichtsratschef Peter Koschel, der nach dem Rücktritt des amtierenden Aufsichtsratschef Johannes Ohlinger die Hauptversammlung leiten wird.

Steffen Walpert betonte, dass letzterer, Ohlinger, „maßgeblichen Anteil an der Rettung des Unternehmens” gehabt habe. Der Manager, bis vor kurzem noch Finanzvorstand des 1. FC Kaiserslautern, sei rein aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.

Und dann ist da noch der Ex-Aufsichtsratschef Alexander von Ungern-Sternberg. Der Fondsmanager hält in dem Restpaket, dessen Halter am Dienstag sehr wohl stimmberechtigt sind, eine nicht genauer definierte Prozentzahl von Aktien. Walpert sieht bislang, das brachte er am Dienstag zum Ausdruck, keine Anhaltspunkte dafür, dass Ungern-Sternberg nicht das Wohl des Betriebes wie der Beschäftigten im Auge habe, obwohl er angeblich Anträge zur Abwahl diverser Aufsichtsräte stellen will.

„Ich habe durchweg positive Gespräche mit Herrn Ungern-Sternberg geführt”, erklärte der Vorstandschef. Für Walpert muss jetzt endlich das Zerfleischen innerhalb der Gesellschaft aufhören, zumal die aktuelle Entwicklung gute Geschäfte verspricht. „Wir müssen alle zusammen für die Zukunft der Schumag stehen”, ist seine Botschaft für den kommenden Dienstag am Nerscheider Weg.
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