Aachen - Schreinerei Brammertz: Große Wertschätzung älterer Mitarbeiter

Schreinerei Brammertz: Große Wertschätzung älterer Mitarbeiter

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Der eine profitiert vom anderen: Jakob Emundts (links, 20 Jahre alt) und Franz Haurenherm (80 Jahre alt) bilden bei der Schreinerei Brammertz ein Team. Dafür wurde das Aachener Handwerksunternehmen ausgezeichnet. Foto: Michael Jaspers
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Das ist der Preis: Eduard (links) und Max Brammertz halten ihn in Ehren.

Aachen. Preise hat Eduard Brammertz mit seiner Schreinerei in Aachen-Kornelimünster schon viele gewonnen. Doch die E-Mail, die vor wenigen Wochen in seinem Posteingang landete, wird der Schreinermeister, der 1980 die Geschäftsführung des Betriebs übernommen hat und sich diese seit 2011 mit seinem 28-jährigen Sohn Max teilt, so schnell nicht vergessen.

„Nach und nach wird uns erst klar, was da eigentlich passiert ist. So ganz können wir es immer noch nicht fassen“, fasst der Seniorchef sein Glück in Worte. Die Schreinerei ist nun Träger eines Preises in der Kategorie „bester Arbeitgeber International“, den die American Association of Retired Persons (AARP) für besonders bemerkenswerte Demografie-orientierte Personalpolitik vergibt. Bislang wurden schon die Lufthansa, BMW oder Galeria Kaufhof als deutsche Unternehmen von der gemeinnützigen und unabhängigen Organisation ausgezeichnet. Das Aachener Unternehmen ist der erste mittelständische Handwerksbetrieb überhaupt, dem dieser Preis zuteil wurde.

Sein Konzept ist simpel, aber wirksam: Der vor 102 Jahren gegründete Betrieb setzt nicht nur auf jungen Nachwuchs, sondern insbesondere auf die Fachexpertise von älteren Mitarbeitern. 50 Prozent der 30-köpfigen Belegschaft sind 50 Jahre oder älter. Bereits seit 2013 ist die Schreinerei Mitglied der Initiative „Demografie aktiv“. Die Erfolgsstory nahm jedoch erst mit der Aufnahme in den „Demografie-Atlas Deutschland“ ihren Lauf. Dort wurde das Institut für Gerontologie der Universität Bochum auf den Familienbetrieb aufmerksam und ermutigte Brammertz, sich für den renommierten Preis zu bewerben. Ein Dreivierteljahr später kam die freudige Nachricht. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, verrät der Firmenchef.

Eduard Brammertz und seine Frau Alice verfolgen eine konsequente Firmenphilosophie: Der Mensch bildet den Mittelpunkt des Unternehmens. „Jeder Mitarbeiter, egal wie alt, ist bei uns gleich viel wert“, sagt Alice Brammertz. Ihr Mann geht jeden Morgen durch den Betrieb, grüßt jeden seiner Mitarbeiter per Handschlag. „Management by walking around“ lautet das Führungsprinzip. Seminare über Stressbewältigung, Ernährung oder Rückengesundheit sowie altersgerechte Arbeitsplätze haben im Unternehmen eine ebenso hohe Priorität wie die Abwicklung der Aufträge. Werte wie Güte, Respekt und Achtung werden aktiv gelebt.

Generationen-Tandems

Das Herzstück der Brammertz’schen Mitarbeiterkultur sind jedoch die sogenannten Generationen-Tandems. In diesen Teams, die von der Produktion bis in die Chefetage gebildet werden, arbeiten jeweils ein älterer und ein jüngerer Mitarbeiter zusammen. „Diese Form der Zusammenarbeit befördert unglaubliche Potenziale ans Tageslicht. Jeder profitiert von der Stärke des anderen. Altersbedingte körperliche Defizite werden durch den jungen Mitarbeiter aufgefangen, mangelnde Erfahrung durch den älteren Mitarbeiter“, erklärt Alice Brammertz. Vor zehn Jahren wurde das erste Tandem gebildet, seitdem sind sie nicht mehr aus dem Arbeitsalltag wegzudenken. Das beeindruckendste Duo dürften wohl der Auszubildende Jakob Emundts, mit 20 Jahren der Jüngste im Team, und Franz Haurenherm, mit 80 Jahren der Dienstälteste, sein. Zu einem Zeitpunkt, an dem andere in Rente gehen, unterschrieb Haurenherm einen neuen Arbeitsvertrag. „Franz stand mit 64 auf einmal bei uns in der Schreinerei und interessierte sich für unseren Betrieb. Kurze Zeit später habe ich ihn fest eingestellt. Heute ist er immer noch bei uns“, sagt Eduard Brammertz.

Karriere ist halt keine Frage des Alters: An fünf Tagen in der Woche, jeweils für fünf Stunden, mischt er nun in der Werkstatt genauso mit wie seine jungen Kollegen. Klar, dass er der Star in dem Kurzfilm ist, den ein Filmteam der AARP nun vor Ort über die Schreinerei Brammertz für YouTube gedreht hat. „Es gibt wahrscheinlich nicht viele Unternehmen, in denen die Altersspanne von 60 Jahren in der Belegschaft vorhanden ist“, erklärt Emundts.

Eduard Brammertz selbst könnte sich mit seinen 65 Jahren mittlerweile auch ohne schlechtes Gewissen in den Ruhestand verabschieden. Das kommt für ihn aber nicht infrage. „Die nächsten 15 Jahre möchte ich gerne noch in unserem Betrieb weiterarbeiten“, verrät er und strahlt dabei. Wie das geht, kann er sich Tag für Tag bei Franz Haurenherm abgucken.

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