RWE sagt dem Kohlendioxid den Kampf an

Von: Frank Bretschneider, ddp
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RWE CO2 Rauchgaswaschanlage
Rauchgas steigt aus dem RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem (Kreis Bergheim) in dem sich eine CO2 Rauchgaswaschanlage befindet. Die neun Millionen teure Pilotanlage, die am Dienstag in Betrieb ging, entzieht dem Rauchgas des Kraftwerks das Kohlendioxid. Foto: dpa

Bergheim. Deutschlands größter Stromerzeuger RWE hat die bundesweit erste Kohlendioxid-Rauchgaswäsche gestartet. Eine Pilotanlage ging am Dienstag im Braunkohlekraftwerk Bergheim-Niederaußem im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Betrieb.

Die neun Millionen Euro teure Anlage kann bis zu 90 Prozent des Kohlendioxids (CO2) aus den Rauchgasen filtern.

Sie soll helfen, technische Erfahrungen für spätere entsprechend ausgerüstete Großanlagen zu sammeln. Die Abscheidung und spätere Einlagerung von CO2 (kurz: CCS - Carbon Capture and Storage) gilt als Schlüsseltechnologie für eine umweltfreundlichere Braunkohleverstromung. Das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehende CO2 trägt maßgeblich zur weltweiten Klimaerwärmung bei.

Guttenberg sagte, mit dem Start der Testanlage werde ein „wichtiges Kapitel Technologiegeschichte” geschrieben. Mit Hilfe von CCS könne die mit heimischer Braunkohle gewonnene „sichere und bezahlbare” Energie mit dem Klimaschutz verbunden werden.

Die Testanlage sei aber „kein Signal” gegen erneuerbare Energien. Doch auch langfristig werde die Kohle wichtiger Energieträger bleiben.

Guttenberg forderte, zügig einen rechtlichen Rahmen für die CCS-Technologie zu schaffen. Dies müsse nach der Bundestagswahl eine der ersten Aufgaben der neuen Regierung sein. Im Juli war das geplante CCS-Gesetz im Bundestag gescheitert, weil sich die Fraktionen von CDU/CSU und SPD nicht auf einen einheitlichen Entwurf verständigen konnten.

Das Gesetz gilt als Voraussetzung dafür, dass die CCS-Technik zur Marktreife entwickelt werden kann. Ab 2020 sollen moderne Kraftwerke mit einer CO2-Wäsche ausgestattet sein und das abgetrennte Gas langfristig gelagert werden.

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann warnte vor einer „Dämonisierung” der CCS-Technologie in der Öffentlichkeit. Das Verfahren sei nicht nur für Kraftwerksbetreiber von Bedeutung, sondern auch für Chemiewerke, Raffinerien, Hüttenwerke und Zementfabriken.

Für den Erfolg dieser Technologie brauche es aber einen „Gleichschritt von Wirtschaft und Staat” und damit „ein gutes CCS-Gesetz”. RWE plant in Hürth bei Köln das weltweit erste Braunkohle-Großkraftwerk mit CO2-Abscheidung. Es soll 2015 ans Netz gehen.

Rüttgers sagte, 90 Prozent des Stroms in NRW würden mit Braun- und Steinkohle sowie Gas erzeugt. Daher seien hocheffiziente Kraftwerke, die die alten Anlagen schrittweise ersetzten, der wichtigste Beitrag für den Klimaschutz.

Vor dem Kraftwerk protestierten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Bürgerinitiativen gegen die Pilotanlage. Sie forderten einen Stopp der CCS-Technologie, die ein „energiepolitischer Irrweg und ökologisches Feigenblatt für Klimakiller” sei.
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