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Qualität im Leichtbau: Apodius ist Fehlern früher auf der Spur

Von: it/tka
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Das Ziel im Blick: RWTH-Professor Robert Schmitt (Mitte) unterstützte die Entwicklung des optischen Prüfsystems der Jungunternehmer Alexander Leutner (links) und Jonathan Roberz. Foto: Peter Winandy

Aachen. Sie hatten eine Idee. und diese haben sie nicht aus den Augen verloren. Nun sehen Alexander Leutner und Jonathan Roberz, wohin sie ihre Idee geführt hat: Sie sind nicht mehr allein RWTH-Wissenschaftler, sondern gleichzeitig Jungunternehmer – und sind ins Blickfeld von Automobilherstellern und Flugzeugbauern geraten. Leutner und Roberz bilden die Geschäftsführung der Firma Apodius mit Sitz in Aachen.

Ihr Produkt: ein optisches Prüfsystem namens „Apodius Vision System“, das die Qualität von Faserverbundwerkstoffen sicherstellt.

Es ist schon eine spannende Geschichte für die jungen Wissenschaftler. „Man fühlt sich wie in einem kleinen Flieger, der mit hohem Tempo zum Start über eine unendlich lange Startbahn brettert. Dabei hebt er immer mal wieder kurz ab, da er noch nicht schnell genug ist, fällt er jedoch zurück auf die Räder, denn er braucht noch mehr Power. Inzwischen sind wir in der Luft, und man könnte sagen, wir gewinnen beträchtlich an Höhe“, vergleicht Leutner.

Ihr Produkt ermöglicht eine Automatisierung der Qualitätskontrolle im Produktionsprozess. „Bislang werden diese Inspektionen stichprobenartig und erst am fertigen Bauteil manuell durchgeführt. Durch den Einsatz unserer Sensorik wird die Messung deutlich genauer und vor allem objektiv nachvollziehbar“, erklärt Leutner.

Nicht erst bei der Endkontrolle

„Faserverbundwerkstoffe gelten als Leichtbauwerkstoffe der Zukunft“, ergänzt Roberz. Sie sind im Vergleich zu Stahl und anderen Materialien ausgesprochen leicht und formbar.

Bei der Produktion dreidimensionaler Bauteile – so bei Stoßfängern oder Fahrgastzellen in Automobilen – besteht aber die Gefahr, dass während des Verformens spannungsbedingt Faserbrüche entstehen können. „Unser System spürt die fehlerhaften Stücke während des Verarbeitungsschrittes auf, was Produktionskosten spart“, sagt Leutner.

Hierfür scannt ein Sensor auf einem Roboterarm die Orientierung der Fasern eines Bauteils und leitet diese Informationen an einen Rechner weiter. Dieser gleicht die Daten mit den Sollwerten ab. Weichen die Werte ab, wird das Element sofort aus der Produktion genommen – nicht erst bei der Endkontrolle.

Die Geschichte des „Apodius Vision System“ begann in den RWTH-Werkstätten: „Das optische Prüfsystem von Apodius hat sich aus dem ‚Innovationsnetzwerk Falcon-Inline-Prüfung von faserverstärkten Kunststoffen‘ heraus entwickelt“, berichtet Robert Schmitt, Leiter des Lehrstuhls für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH.

Studierende und Doktoranden hatten seit 2007 im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekts mit Industriepartnern und anderen wissenschaftlichen Instituten Messinstrumente für Verbundfasern als Prototypen entwickelt.

„Apodius befasst sich seit Ende 2012 damit, den Prototypen in ein industriereifes Produkt zu gießen, das allen Anforderungen entspricht“, berichtet Leutner. Die Kooperationspartner sind die ersten Kunden des Spin-off-Unternehmens. „Gründungen sind die sichtbaren Früchte erfolgreicher Arbeit“, betont Professor Schmitt.

Leutner und Roberz haben die Herausforderung angenommen: „Das Gefühl ist ein sehr gutes. Die Abwechslung der alltäglichen Aufgaben wie Hard- und Software-Entwicklung, Marketing und Akquise, Forschungsprojekt- und Kundenmeetings und besonders die Freiheit, sein eigener Herr zu sein, sind einfach wunderbar“, sagt Leutner.

Das zugehörige Förder-Konzept der RWTH überzeugte beim Wettbewerb „Exist Gründerkultur“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

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