Philips-Konzern übertrifft die Erwartungen

Von: dpa/ddp/chm
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Rückzug auf Raten: Aus dem ehemals beeindruckenden Philips-Standort Aachen ist nach Schließung der Bildröhrenproduktion und der Glasfabrik ein Industriepark mit vielen fremden Firmen geworden. Nach Schließung der Forschungslabors wird es in Aachen nur noch die Glühlampenfabrik geben. Foto: Michael Jaspers

Eindhoven/Aachen. Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat seinen Gewinn im dritten Quartal verdreifacht. Trotz rückläufiger Umsätze steigerte der Hersteller von Medizintechnik und Fernsehgeräten nach Angaben vom Montag seinen Nettogewinn auf 176 Millionen Euro nach 58 Millionen im Vorjahr.

Dabei profitierte das Unternehmen auch von niedrigeren Restrukturierungsbelastungen und Sondererträgen. „Die entschlossenen Aktionen zur Kostensenkung, die wir Ende 2008 unternommen haben, zahlen sich zunehmend aus”, sagte Vorstandsvorsitzender Gerard Kleisterlee.

Analysten hatten einen Verlust von 45 Millionen Euro erwartet. Der Umsatz sank dagegen um 11 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro, lag aber leicht über den Erwartungen von Analysten. Schwächer lief es in dem Dreimonatszeitraum besonders in den Sparten Lighting und Consumer Lifestyle.

Trotz der ermutigenden Anzeichen angesichts der positiven Entwicklung bei den Umsatzerlösen und bei der Profitabilität im dritten Quartal bleibt der Konzern hinsichtlich des kurzfristigen Ausblicks vorsichtig. „Wir befinden uns auf einem guten Weg”, sagte Philips-Sprecherin Veronika Hucke am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Für die Pläne des Konzerns, das Aachener Forschungslabor zu schließen, änderten die jüngsten Zahlen nichts. „Für Aachen gibt es keine Entwarnung.”

Die Niederländer sind der Wirtschaftskrise mit einem 600 Millionen Euro schweren Sparprogramm begegnet, in dem auch 6000 der insgesamt 121000 Arbeitsplätze wegfallen. Nach einem Verlust zu Jahresbeginn hatte es Philips bereits im zweiten Quartal wieder in die schwarzen Zahlen geschafft. Großen Anteil hatte die wiederkehrende Kauflust von Kunden im Bereich der Heimelektronik, wo sich die Lage merklich entspannte. Der Umsatzschwund war nur noch halb so hoch wie im Vorjahresquartal. Anteil daran hatte auch die Neuausrichtung der Sparte: Philips hatte sich aus der Produktion von Computermonitoren und teils auch von Fernsehern zurückgezogen.

Gestärkt wurde dagegen die Haushaltsgeräte durch den Zukauf des italienischen Kaffeeautomaten-Herstellers Saeco. Bewährt hat sich bei Philips laut Vorstand auch die Konzentration auf die drei Felder Medizintechnik, Konsumelektronik und Lichttechnik. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh. Man bleibe mittelfristig vorsichtig. Das Hauptaugenmerk liege weiter auf den Kosten.

Die zwei anderen Standbeine erholten sich ebenfalls, wenngleich weniger stark: Die Lichttechnik hängt als Zulieferer stark an der daniederliegenden Autoindustrie, die Medizintechnik leidet wie die Konkurrenz von Siemens und General Electric unter Einsparungen im US-Gesundheitswesen. Alle drei Sparten schrieben trotz der Kosten für den Stellenabbau schwarze Zahlen. Auch im laufenden vierten Quartal fallen weitere Belastungen an.

Vorstandschef Kleisterlee hat den Konzern seit seinem Amtsantritt 2001 auf die drei Säulen ausgerichtet. Sie wurden durch Zukäufe ausgebaut und von Randgeschäften getrennt. Grundsätzlich will er sich auf Produkte mit höheren Gewinnmargen konzentrieren. Sein Ziel, den Gewinn bis 2010 zu verdoppeln, musste er angesichts der Krise zwar Ende vergangenen Jahres aufgeben. Dennoch zeigte sich Kleisterlee überzeugt: „Philips wird aus der Rezession als stärkeres Unternehmen hervorgehen.”
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