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Paions neue Strategie: Zukaufen statt selbst entwickeln

Von: Berthold Strauch
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Neue Strategie: Paion-Vorstand
Neue Strategie: Paion-Vorstandschef Wolfgang Söhngen. Foto: Frank Rumpenhorst

Aachen. Der Aachener Biopharmazie-Spezialist Paion AG stellt sich strategisch neu auf. Für rund 20 Millionen Euro verkaufte das Unternehmen kürzlich die verbliebenen Rechte an seinem Schlaganfall-Medikament Desmoteplase an den schwedischen Lundbeck-Konzern.

Mit dieser satten Finanzspritze im Rücken will Vorstandsvorsitzender Wolfgang Söhngen Paion anders positionieren. Dabei sollen Produkte im Anästhesiebereich stärker in den Fokus rücken.

Paion hatte Ende letzten Jahres einen scharfen Anpassungskurs für seine Belegschaft verkündet, weil sich Erwartungen in die Entwicklung seiner Produkte nicht wie erhofft erfüllt hatten. Sollten ursprünglich 19 der bis dahin 27 Mitarbeiter zählenden Belegschaft gehen, konnte der schmerzliche Einschnitt angesichts der Verbesserung der finanziellen Situation leicht reduziert werden.

16 Beschäftigten wurde gekündigt. Und entgegen den ersten Ankündigungen können sie damit rechnen, eine Abfindung zu bekommen. „Wir haben uns mit allen Betroffenen verständigt”, sagt Söhngen. 700.000 Euro stellt Paion dafür zur Verfügung, „ein kleiner Trost”, wie er meint.

Um die hohen Markt- und Entwicklungsrisiken für neue Arzneimittel zu umgehen, die bei klinischen Studien leicht einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern, setzt Paion neuerdings auf den Zukauf „fertiger Produkte, die bereits heute anfassbar sind. Dafür”, so Söhngen, „fühlen wir uns stark genug.” Entsprechende Namen seien bereits identifiziert worden. Wenn Paion bei diesen seitens der Hersteller zum Verkauf stehenden Produkten zum Zuge kommt, soll sich deren Vermarktung in spätestens fünf Jahren finanziell selber tragen.

Dafür will der Paion-Chef, einst Leiter der Strategieplanung beim Aachener Pharmahersteller Grünenthal, ein Investitionsvolumen von drei bis fünf Millionen Euro in den nächsten drei Jahren zur Verfügung stellen. Dazu soll eventuell der Aufbau eines eigenen Vertriebswegs zunächst in Deutschland gehören. Die dafür ins Visier genommenen Arzneien sollen rund um einen verbliebenen Hoffnungsträger des Unternehmens positioniert werden, das Anästhetikum Remimazolam.

Insbesondere bei ambulanten Eingriffen bei Patienten, wozu auch etwa Darmspiegelungen gehören könnten, winken hier Vorteile. Die Narkose könnte zeitlich reduziert, Aufwachzeiten in Intensivstationen könnten entbehrlich werden. Das könnte dem Gesundheitssystem eine spürbare finanzielle Entlastung bringen, macht Söhngen deutlich. Seine Erwartung: „In vier Jahren sollte ein Anästhesist drei- bis viermal am Tag Produkte von Paion in der Hand halten.”

Für jede denkbare Situation im Operationsraum, vom schlafähnlichen Zustand über die Vollnarkose bis zum künstlichen Koma, „wollen wir aus unserer ,Werkzeugkiste das Passende für eine vernünftige Therapierung anbieten können”. Im Übrigen sei diese Anwendungsnische „für Big Pharma nicht interessant”, erhofft sich Söhngen daraus entsprechend gute Geschäfte. Letztlich soll dies auch für den zuletzt arg gebeutelten Aktienkurs von Paion wieder eine spürbare Belebung bedeuten.
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