Aachen - Neuer Präsident der IHK Aachen fordert Mut zur Veränderung

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Neuer Präsident der IHK Aachen fordert Mut zur Veränderung

Von: Anja Clemens-Smicek
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Vor rund 450 Gästen mahnt IHK-Präsident Wolfgang Mainz im Krönungssaal des Aachener Rathauses: „Es ist höchste Zeit, wieder gestalterisch am Strukturwandel zu arbeiten. Foto: Ralf Roeger
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Wolfgang Mainz: Der IHK-Präsident fordert einen dynamischen Aufbruch in der Region. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wenn man der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen Glauben schenken darf, wird die Wirtschaft zwischen Wegberg und Weilerswist in diesem Jahr erneut wachsen. „Mit allen positiven Folgen, wie zunehmenden Beschäftigungszahlen, sinkender Arbeitslosigkeit, guten Erträgen und steigenden Steuereinnahmen.“

Mit dieser Prognose eröffnete der neue IHK-Präsident Wolfgang Mainz am Dienstag die Jahresvollversammlung der IHK im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Vor gut 450 Gästen forderte er den „Mut zur Veränderung“ – von der Politik wie den Betrieben gleichermaßen. So gut die Ausgangslage auch erscheine: „Sie ist eine Momentaufnahme. Wir müssen etwas bewegen, wenn wir unseren Wohlstand wahren wollen.“

Mainz sparte nicht mit Kritik an der Wiederauflage des schwarz-roten Bündnisses in Berlin. Es gebe zwar neue Gesichter. „Inhaltlich erscheint mir die große Koalition aber eher als Archivarin des Status quo“, kritisierte der IHK-Präsident. Mainz: „Wo ist der Veränderungswille, den man von uns Unternehmern täglich fordert? Wo sind die Gestalter?“

Lobend äußerte sich Mainz hingegen über die schwarz-gelbe Landesregierung, die mit den „Entfesselungspaketen“ Gesetze und Verordnungen vereinfachen wolle und die bereit sei, die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen.

In den weiter sprudelnden Steuereinnahmen sieht der IHK-Präsident eine Chance für die Kommunen in der Region Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen. Sie sollten ihre Finanzen nachhaltig stärken. „Etwa, indem Gewerbegebiete erschlossen werden und die Breitband-Infrastruktur dorthin finanziert wird.“ Es sei höchste Zeit, wieder gestalterisch am Strukturwandel zu arbeiten. „Unsere Region hat die Wende nach dem Wegfall der Montan-Industrie gut gemeistert, aber in der Produktivität liegen wir noch deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt“, kritisierte Mainz.

„Mit scheint manchmal, dass in Aachen nicht alle die Notwendigkeit für einen dynamischen Aufbruch sehen oder sie nicht akzeptieren.“ Als Beispiel dafür nannte Mainz die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans. Mit den Impulsen aus den Hochschulen in Verbindung mit dem „Digital Hub“ Aachen und anderen Einrichtungen habe die Region beste Voraussetzungen, zu den Gewinnern zu gehören. „Dafür muss sie den Unternehmen und deren Mitarbeitern allerdings genügend Raum zum Arbeiten und Wohnen bieten“, forderte Mainz. Die jüngst gewählte IHK-Vollversammlung stelle derzeit ein Legislaturprogramm auf, in dem diese Aspekte eine Rolle spielten.

Mainz nutzte seine Rede für Handlungsaufträge an die Adresse der Politik. Ganz oben auf der Liste steht für ihn der Erhalt und die Sanierung der Infrastruktur. Die zusätzlichen Mittel, die der Bund für die Verkehrsinfrastruktur bereitstellt, bezeichnete er als „historisches Zeitfensters“. „Wenn wir das nicht nutzen, bleiben wir buchstäblich auf der Strecke.“ Als Beispiel nannte er die zahlreichen maroden Brücken in der Metropolregion Rheinland. Volkswirtschaftliches Potenzial werde so lahmgelegt. Für die Logistikbranche in der Region bedeutet das laut Mainz: Zusatzkosten von 1750 Euro für Maut, Diesel, Arbeitszeit und verlorene Aufträge – pro Tag. „Ob Autobahnbrücken, der Lückenschluss der A1, die Zugverbindung Aachen-Köln oder der Breitbandausbau: Der Ausbau gehört auf die Prioritätenliste.“

Ausbildung und Fachkräftemangel treiben auch die IHK Aachen um. In einer Zeit, in der es demografisch bedingt immer weniger Schulabgänger gibt und diese immer häufiger eine akademische Laufbahn wählen, wertete Mainz es als Erfolg, dass im vergangenen Jahr knapp 4600 junge Menschen im IHK-Bezirk eine Ausbildung begonnen hätten. „Trotz der mehr als 12.000 Auszubildenden als Hoffnungsträger in unseren Betrieben stehen wir vor essenziellen Herausforderungen.“

„Mut zur Veränderung“ forderte der IHK-Präsident von der Vollversammlung auch im Bereich der Digitalisierung. „Jeder Unternehmer muss seine Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen – und womöglich neue erarbeiten.“ Und weil die Region Aachen als eines der wichtigsten Zentren der Digitalisierung in NRW gelte, fehle es nicht an Ansprechpartner – etwa der „Digital Hub“ oder das „Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0“, nur um zwei zu nennen.

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