Mode-Shop strickt an der Erfolgsgeschichte

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6745328.jpg
Neue Seiten im Internet: Der Online-Shop navabi.de ging 2009 ins Netz. Mittlerweile ist das Aachener Unternehmen weltweit Marktführer wenn es um den Internethandeln mit hochwertiger Damenmode ab Größe 42 geht. Foto: Andreas Steindl
6745437.jpg
Die Idee hat ihn gepackt: Zahin Dehnadi hat mit seinem Schulfreund den Online-Shop für Damenmode ab Größe 42 aufgebaut. Foto: Andreas Steindl
6745428.jpg
Gründergeist: Geschäftsführer Bahman Nedaei. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ganz schön anziehend ist diese Geschäftsidee. Gegründet im April 2009, kleidet das Aachener Unternehmen navabi.de als führender Online-Händler für Premiummode ab Größe 42 weltweit Frauen ein und hat gleichermaßen Investoren angezogen.

Index Ventures – die schon Facebook und Dropbox Starthilfen gaben – und weitere Partner geben zehn Millionen Euro für den internationalen Ausbau des Designer-Online-Geschäfts, das mit ungeahnter Geschwindigkeit auf der Datenautobahn unterwegs ist – seit mehr als einem Jahr konsequent auf der Überholspur. Allein die Mitarbeiterzahl ist von 30 auf 130 gestiegen – und es wird weiter angestellt.

Hinter navabi.de steckt eine Geschichte, die von großem Gründergeist geprägt ist. Die Aachener Bahman Nedaei und Zahin Dehnadi waren noch Gymnasiasten, als sie ihre erste kleine Firma gründeten. Mit Webdesign besserten sie ihr Taschengeld auf. 13 Jahre später sind sie mittendrin im Millionenspiel der Internethändler. Vorbei ist die Zeit, in der sie neben dem Studium Kurzfilme drehten, nun dreht sich alles um hochwertige Mode von mittlerweile rund 120 Marken, mit der sie Frauen in mittlerweile mehr als 30 Ländern in großen Größen einkleiden.

Die Erfolgsgeschichte des Modehauses wurde nicht mit Hilfe des Zufalls gestrickt. Sehr bewusst haben die beiden Aachener mit dem Willen, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, Märkte und Geschäftsfelder analysiert. Sie hatten keine besondere Vorliebe für Mode, waren aber im Internet zu Hause und beobachteten, wie im Netz verkauft wurde. Und was im Netz verkauft wurde: vor allem Bücher und CDs. „Aber damals noch kaum Mode“, berichtet Dehnadi. Und vor allem: keine Mode in großen Größen. „Dort wurde und wird die Nachfrage auch in den Kaufhäusern in den Fußgängerzonen nicht wirklich bedient. Dabei ist das Potenzial sehr groß. Wir wollten nicht glauben, dass es dafür keinen Markt gibt“, erklärt Nedaei. Das haben sie erkannt. „Es ist mehr als ein Nischenmarkt. Wir hätten auch Computerspiele entwickeln können. Aber wir wussten, das können Tausende bereits besser.“

Fast vier Jahre haben sie auf diesem Markt sehr leise agiert – haben Modeunternehmen und vor allem Kunden gewonnen. „Wir waren von Anfang an überzeugt, dass unser Businesskonzept auch für Konkurrenten spannend sein könnte. Wir wussten: Wir brauchen möglichst viel Wissensvorsprung, wenn Konkurrenten aufmerksam werden. Und den haben wir jetzt. Wissen braucht Zeit“, erklärt Dehnadi. Vier Jahre haben sie sich dafür genommen. Jetzt sagt Dehnadi: „Wir haben als Unternehmer ein Problem gesucht, das wir lösen können, um Menschen glücklich zu machen.“ Es gibt mittlerweile Statistiken, die sagen, dass 30 bis 50 Prozent der Frauen Größe 42 und größer tragen. Und Designermode wünschen. Doch nur schätzungsweise zehn Prozent des Modeangebotes ist an sie adressiert.

Natürlich hatten Dehnadi und Nedaei mit ihrer Geschäftsidee viel Mut bewiesen. Aber sie haben sich vor allem bestmöglich auf ihren Markt vorbereitet – sehr analytisch. Und sie konnten frühzeitig motivierte Mitstreiter begeistern: Cang Ho war Zentraleinkäufer bei Peek &Cloppenburg in Wien und wechselte, an seinem dritten Arbeitstag gewann er das Luxus-Label Roberto Cavalli für navabi.de; Baback Behbudi baute aus dem Nichts sämtliche IT für den Online-Shop auf; Iaad Kweider plante eine Weltreise und hätte dann bei VW einsteigen können, stattdessen analysiert er den Markt für navabi.de; Stefan Miebach standen als Summa-cum-laude-Absolvent alle Türen offen, nun leitet er das Marketing bei navabi.de; Anna Geradts erfüllte sich einen Traum, als sie in einen Masterstudiengang der „Vogue“ aufgenommen wurde. Von Madrid zog sie dann aber nach Aachen, hat als Chef-Moderedakteurin des Hauses ihr Hobby zum Beruf gemacht; dann ist da noch Maryam Navabi, die die Boutique „La Donna“ in der Aachener Schmiedstraße führte. 2009 schloss sie diese, um – auch als Namensgeberin – das Styling des jungen Unternehmens mitzubestimmen. „Sie alle haben das Potenzial in navabi.de erkannt“, sagt Dehnadi. „Wir haben gemeinsam einen Nischenmarkt zu einem sexy Business gemacht.“

Gründung als Lebensziel

Es sind Geschichten wie diese, die jungen Gründern Mut machen sollten. Angesichts des robusten Arbeitsmarkts erwarten Wirtschaftsforscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung 2013 und 2014 abermals weniger Unternehmensgründungen in Deutschland. 2012 gründeten nach früheren Angaben des ZEW und der Förderbank KfW nur 75.000 Menschen – so wenige wie nie seit Beginn der Erhebungen 2000. In der Gründerregion Aachen waren es 2012 9000 Neugründungen (ohne Zuzüge und Übernahmen), 2009 noch 10.600. Es sind rückläufige Zahlen, die immer noch besser sind als der Landesschnitt. „Wir müssen daran arbeiten, dass Selbstständigkeit ein Lebensziel ist“, sagt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting.

Dehnadi und Nedaei – nun Geschäftsführer – hatten dieses Ziel. 30 Millionen Euro Jahresumsatz sprechen für sich. In den letzten Jahren wurde der Umsatz regelmäßig mehr als verdoppelt. 2012 mussten sie umziehen, weil navabi.de größer und damit zu groß für die alten Büros wurde. An der Jülicher Straße werden nun alle Inhalte, Einkauf, Marketing, IT, Kunden- und vor allem Styleberatung (100 Anrufe am Tag, 8000 Mails allein im November) und auch sonst alles aus eigener Hand geboten – und einmal in der Woche machen sie hier gemeinsam Yoga.

Längst wird über Büros in Berlin und Großbritannien gesprochen. Die Nachfrage bedingt dies. „Mit Mode kaufen sich Menschen einen Lebensstil, der wurde Frauen ab Größe 42 früher so nicht angeboten. Sie mussten mit dem zufrieden sein, was sie finden konnten“, sagt Dehnadi. „Wir verkaufen keine Bekleidung, sondern Lifestyle.“ Und die Nachfrage steigt und steigt. „Das Ende ist noch lange nicht abzusehen“, sagen beide.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert