Mode-Industrie klagt über unberechtigte Reklamationen

Von: Petra Albers, dpa
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Köln. Der Ton des handschriftliche Briefes, der bei einem Bekleidungshersteller einging, klang sehr bestimmt. Er habe schon mehrfach Hemden dieser Marke gekauft, erklärte der Schreiber. Da könne es doch nun wirklich nicht sein, dass eines davon jetzt - drei Jahre nach dem Kauf - verschlissen sei, meinte er, und forderte Ersatz.

Das ist nur ein Beispiel, das dem Hauptgeschäftsführer des Modeverbands German Fashion, Thomas Rasch, spontan einfällt. „Unsere Mitgliedsunternehmen werden immer häufiger mit grundlosen Reklamationen von Endverbrauchern konfrontiert”, klagt er.

Mal ganz davon abgesehen, dass Verbraucher sich mit Reklamationen eigentlich an den Händler wenden müssen: Oft würden Kleidungsstücke beanstandet, bei denen die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren längst abgelaufen ist, oder die den nach einer gewissen Zeit normalen Verschleiß aufweisen. „Kleidung, die regelmäßig getragen und gereinigt wird, nutzt sich nun einmal ab - das ist deshalb kein Mangel”, betont Rasch.

Es gebe auch Fälle, in denen ein Käufer das Kleidungsstück eindeutig nicht pfleglich behandelt habe, so dass es zum Beispiel durch falsches Waschen eingelaufen ist. Der Gipfel der Dreistigkeit sei es aber, wenn der Käufer völlig verdreckte Waren zurückschickt. „Letztens hat ein Hersteller ein Paket geöffnet, in dem sich eine Damenstrumpfhose befand - der musste das Büro lüften”, sagt Rasch.

Rechtlich gesehen ist nicht der Hersteller, sondern der Verkäufer bei Reklamationen der Ansprechpartner des Kunden, denn mit ihm wurde der Kaufvertrag geschlossen. „Vor allem bei Markenartikeln wenden sich viele Verbraucher aber auch direkt an den Hersteller, nach dem Motto: "Ich hab das auf Mallorca gekauft, da kann ich ja jetzt wohl schlecht deswegen wieder hinfliegen".” Unberechtigtes Reklamieren sei „ein regelrechter Volkssport geworden”, meint Rasch.

Daran sei die Branche teilweise selbst schuld. Denn bei Industrie und Handel werde oft eine „unglaubliche Nachgiebigkeit und Kulanz an den Tag gelegt”, findet Rasch. Der harte Wettbewerb habe dazu geführt, dass Geschäfte viel zu oft Sachen zurücknehmen, um die Kunden zu halten. „Viele Leute probieren es halt einfach mal - und haben ja leider auch oft Erfolg damit.”

Dass Händler oft „sehr kulant und großzügig” bei Kundenbeschwerden reagieren, bestätigt auch der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Ein Beispiel seien Lebensmittel- Discounter, die etwa eine angeblich defekte Kamera ohne Überprüfung sofort zurücknehmen. So etwas könne einige Verbraucher durchaus anspornen, auch unberechtigte Reklamationen anzubringen, meint Hauptgeschäftsführer Jürgen Dax. Die Zahl der Reklamationen im Bekleidungshandel sei seines Wissens nicht gestiegen. Insgesamt liege der Anteil der reklamierten Waren „deutlich unter fünf Prozent”.

Generell besteht auf Waren eine zweijährige Gewährleistungsfrist, innerhalb der ein Verkäufer ein mangelhaftes Produkt reparieren oder umtauschen muss, erläutert Carolin Uhrig, Rechtsanwältin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Wenn ein Händler Waren zurücknimmt, die keinen Mangel haben, ist das reine Kulanz”, betont sie. Auch die weit verbreitete Annahme, innerhalb von zwei Wochen könne man immer anstandslos zurückgeben, sei ein Irrtum. Dies gelte nur bei Bestellungen im Internet oder Versandhandel.
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