Stolberg/Berlin - Mit mehr Stellen und mehr Bewerbern gegen den Wandel

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Mit mehr Stellen und mehr Bewerbern gegen den Wandel

Von: fla
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Stolberg/Berlin. Es klingt ein bisschen paradox, wenn Gabriele Hilger sagt, dass 2013 mehr Ausbildungsplätze als je zuvor gebraucht, diese in fünf bis zehn Jahren allerdings nicht mehr adäquat besetzt werden können.

Was die Leiterin der Arbeitsagentur Aachen beim „Tag der Ausbildung” im Stolberger Industrieunternehmen Prym meint, hat einen simplen, aber ernsten Hintergrund: Im Zuge des doppelten Abiturjahrgangs 2012/ 13 werden im kommenden Jahr mehr Schulabgänger nicht nur die Universitäten auf ihre Kapazitätsgrenzen hin testen, sondern auch verstärkt die regionalen Ausbildungsbetriebe in Anspruch nehmen wollen. Deshalb sagt Hilger: „Unternehmen müssen schon jetzt mehr in Ausbildung investieren und über den eigenen Bedarf hinaus Lehrstellen anbieten.”

Für das kommende Ausbildungsjahr (Start 1. September) gibt es in der Region 3679 Stellen, das bedeutet einen Zuwachs von 125 (plus 3,5 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber stehen 2982 Bewerber, die im Spätsommer eine Lehre beginnen wollen. Im kommenden Jahr, schätzen auch Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammer, werden die Zahlen der Schulabgänger, vor allem aufgrund des doppelten Abi-Jahrgangs, deutlich ansteigen. „Wir sind bereit für den Doppel-Jahrgang”, sagt IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen. Allerdings gebe es bereits jetzt, Stand 2011/12, einen Rückgang im gewerblich-technischen Bereich (2,8 Prozent weniger Azubis).

„Lehrlinge werden fehlen”

Zahlreiche Unternehmen bauen mit Blick auf den demografischen Wandel vor: „Die Handwerksbetriebe sicherten sich 2012 überdurchschnittlich früh ihre Auszubildenden”, sagt Georg Stoffels, Leiter der Handwerkskammer Aachen. So seien bis Ende April bereits 486 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Kammer-Bereich eingegangen, was einem Anstieg von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 369 Stellen quer durch alle Handwerksberufe seien noch offen. Großangelegte Werbekampagnen sollen vor allem Abiturienten davon überzeugen, „dass eine Ausbildung eine gute Alternative zum Studium sein kann”.

2014 aber, darin sind sich Arbeitsagentur und Kammern einig, wird der Sturm auf die Betriebe vorbei sein. „Deshalb geht es darum”, sagt Hilger, „dass sich Unternehmen jetzt schon auf die sinkende Zahl von Schulabgängern einstellen und handeln. Nur wer frühzeitig ausbildet, wird auch im Zuge des demografischen Wandels geeignetes Personal haben.” Bis 2020 wird in Aachen, der restlichen Städteregion sowie den Kreisen Düren und Heinsberg die Zahl der Schulabgänger um bis zu 35 Prozent zurückgehen. „Viele Lehrlinge werden fehlen”, rechnet auch Georg Stoffels mit einem Überangebot von Stellen. Und: „Die Konkurrenz um die besten Fachkräfte wird steigen.”

Nach Beobachtung der Bundesagentur ziehen Jugendliche für ihre Ausbildung immer häufiger von Zuhause weg - so manche Firma finde deshalb keine Lehrlinge mehr. In einigen Regionen würden „die jungen Menschen zum knappen Gut”. Bereits jeder Dritte absolviere seine Ausbildung nicht in seinem Heimatkreis.
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