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Mit Aachener Technik durch Londons City

Von: Jan Mönch
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Unpünktlich? Oder vielleicht überpünktlich? Wer auch immer noch in diesen Londoner Doppeldecker einsteigen will, weiß dank des Programms IVU.realtime jedenfalls frühzeitig Bescheid. Foto: stock/imagebroker
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Glückliche Preisträger: Projektmanager Claus Dohmen (links) sowie Niederlassungsleiter und Vorstandsmitglied Helmut Bergstein. Foto: Jaspers

Aachen/London. In den kleineren, aber auch in den größeren Städten der Welt ist man Aachen oft näher, als man denkt. Insbesondere dann, wenn man mit dem Bus unterwegs ist und auf moderne Mittel der Fahrgastinformation zurückgreift. Dies gilt für Budapest und Cali, für Jerusalem und Leverkusen – und für London.

Die Fahrgastinformationssysteme laufen mit Programmen, die in der Aachener Niederlassung von IVU Traffic Technologies entstanden sind.

Dass Transport for London, so heißt der Verkehrsbetrieb der Me- tropole, zu den Kunden des Teams um Niederlassungsleiter und Vorstandsmitglied Helmut Bergstein zählt, bedeutet für IVU Aachen einen enormen Imagegewinn. „Wenn man London sagt, muss man nicht mehr viel erklären, da weiß jeder sofort Bescheid“, sagt Produktmanager Claus Dohmen.

Auszeichnung in Genf

Das System heißt IVU.realtime und läuft bereits seit den Olympischen Spielen. Und offenbar wurde der Auftrag mehr als nur passabel erfüllt: Kürzlich wurde das Unternehmen für seine Arbeit vom Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen UITP ausgezeichnet. Die Trophäe mit dem Namen „Grow with Public Transport Award“ sagt vermutlich nur ausgewiesenen Branchenkennern etwas. Auf die aber kommt es Bergstein und Dohmen freilich auch an. Dohmen: „Seit der Preisverleihung in Genf haben wir jede Menge neue Anfragen.“

Das Rad neu erfunden hat IVU für die Londoner zunächst mal nicht. In Aachen wurde das sogenannte rechnergesteuerte Betriebsleitsystem bereits Anfang der 90er in Grundzügen eingeführt. Auf ehemals roten, seit kurzem weißen Säulen wird der ÖPNV-Nutzerschaft der aktuelle Fahrplan angezeigt. Die Bordcomputer der Busse geben per Funk ständig ihre Standorte an die Leitstelle durch. Bleibt ein Bus wegen eines Wasserrohrbruchs, Unfalls oder schlicht im Berufsverkehr hängen, rechnet IVU.realtime eine realistische Ankunftszeit aus. Der Fahrgast an der Haltestelle wird so in Echtzeit über die Verzögerung informiert. Muss eine Umleitung gefahren werden, greifen die Kollegen in der Leitstelle manuell ein.

Die denkbaren Verkehrsvorfälle sind in London im Prinzip auch keine anderen als in kleineren Städten. Ein Stau ist ein Stau, egal ob ein Aseag-Bus am Elisenbrunnen darin steckt oder einer der legendären Londoner Doppeldecker auf der Tower Bridge. Eine Herausforderung war das Projekt London für die Programmierer in der IVU-Niederlassung an der Borchersstraße der schieren Größe wegen. Während die Aseag-Flotte ihren Fahrplan mit genau 347 Bussen stemmt, sind in London 8500 notwendig. Stadt und Städteregion Aachen kommen auf 2200 Haltestellen, die britische Metropole auf 19.000. Deutlich im vierstelligen Bereich liegt die Zahl der Anzeigetafeln, von denen 2500 installiert wurden.

Und es gibt noch mehr Informationskanäle: Natürlich sind die Fahrgastinformationen zeitgemäß mobil übers Handy abrufbar, auch einen SMS-Dienst gibt es. Wichtig hierbei: Die verschiedenen Ausgänge müssen konsistent sein – der SMS-Dienst darf nicht über eine Verspätung informieren, wenn die Anzeigetafel noch optimistisch die Einhaltung des Plans verkündet. Damit überall die korrekte Ankunftszeit über die Bildschirme flimmert, müssen in London 5000 Meldungen der Bordcomputer verarbeitet werden. Pro Sekunde.

Doch auch die hohe Leistungsfähigkeit des Systems ist nicht der Hauptgrund für die Auszeichnung in Genf. Sondern seine Zugänglichkeit. Transport for London stellt die Bewegungsdaten seiner Busse jedem zur Verfügung. Über eine öffentliche Schnittstelle können Daten abgerufen werden: Wer eine App programmieren möchte, kann sich ebenso unbürokratisch und kostenlos bedienen wie der Ausrichter einer Großveranstaltung, der die Fahrplandaten in seine Website einpflegen möchte.

Und das geht preiswürdig simpel vonstatten. Ein studierter Informatiker kann‘s. Ein Programmierer kann‘s. „Und jemand, der hobbymäßig Internetseiten gestaltet, sollte es auch hinbekommen“, ist Dohmen sicher. Eine eigene Smartphone-App haben seine Leute gleich mitgeliefert. Londoner Programmierer, die sich berufen fühlen, es besser oder zumindest anders zu machen, muss das nicht abhalten. Dohmen: „So nutzt Transport for London mit Open Source die Kreativität der Entwicklergemeinde da draußen.“

Was die draus macht, muss sich zeigen. Egal, wie sehr die Kreativität sprudelt, wird der gute, alte Papierfahrplan den Fahrgästen nach Dohmens Prognose noch eine ganze Weile erhalten bleiben. „Das tut uns auch nicht weiter weh“, sagt er. „Einen Papierfahrplan kann man mit unserer Software auch erstellen.“

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