Aachen - Maler, Monteur? „Startklar!”

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Maler, Monteur? „Startklar!”

Von: Stefan Herrmann
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Bei „Startklar” lernen die S
Bei „Startklar” lernen die Schüler sieben verschiedene Berufsfelder wie Metall, Gartenbau, Gastgewerbe, Handwerk oder Verkauf kennen. Marlon Wilden interessiert sich für den Malerberuf. Foto: Stefan Herrmann

Aachen. Heute steht der Farbkreis von Johannes Itten auf dem Programm. Mit ruhiger Hand zieht Marlon Wilden den Pinsel entlang der Linien auf der Schablone. Genauigkeit ist alles - das hat der 15-jährige Hauptschüler aus Aachen schnell gelernt.

Für Maler und Lackierer ist der Farbkreis mit den zwölf Grundfarbtönen so etwas wie die Grundlage ihres Tuns. Und genau das möchte Marlon vielleicht einmal werden: Maler. „Ich freue mich aufs Berufsleben”, sagt der Jugendliche. Auch deshalb mache er bei dem Projekt „Startklar!” mit. Er möchte vorbereitet sein, wenn er sein Abschlusszeugnis in den Händen hält. Ein Ausbildungsplatz ist heutzutage schließlich keine Selbstverständlichkeit. Daher schnuppert Marlon bereits nach dem Unterricht freiwillig in viele verschiedene Ausbildungsberufe hinein.

Der Neuntklässler ist nicht allein. Auf dem Gebiet der Handwerkskammer (HWK) Aachen haben in der Städteregion Aachen und in den Kreisen Düren und Euskirchen zum Start des Projekts „Startklar! - Mit Praxis fit für die Ausbildung” im Jahr 2009 rund 1300 Schüler der 8. Klassen begonnen. Die ersten 300 davon - mittlerweile in Klasse 10 - sind nun fertig. Ist das erste Jahr noch verpflichtend in den Unterricht integriert, machen in den Klassen 9 und 10 nur die 20 bis 30 Prozent der Schüler freiwillig weiter, die genügend Ehrgeiz gezeigt haben. In Aachen haben drei Haupt-, zwei Förder- und zwei Gesamtschulen teilgenommen, im Kreis Düren sieben Hauptschulen.

Matthias Fischer ist seit über 20 Jahren Lehrer. Er lobt: „,Startklar ist das erste Projekt, das nachhaltig ist.” Der Berufswahlkoordinator der Aachener Gemeinschaftshauptschule (GHS) Drimborn hofft nun, dass das Projekt langfristig angeboten wird. Das hänge vor allem von den Geldgebern ab, unter anderem der Bundesagentur für Arbeit und den NRW-Ministerien für Schule und für Arbeit.

Ein Verbund aus fünf Trägern kümmert sich in Aachen darum, die jungen Leute aufs Berufsleben vorzubereiten. Federführend ist die Qualitec GmbH der Handwerkskammer, dazu sind die Träger In Via, Low-tech, das Sozialwerk Aachener Christen und die Jugendberufshilfe der Stadt Aachen mit ihm Boot. Gebündelte Kompetenz, die ein Ziel hat: Jugendliche fit für den Job zu machen. Wilhelm Grafen, stellvertretender Dezernent der HWK Aachen, kennt die Vorurteile, die er immer wieder von den Betrieben zu hören bekommt: Kaum ein Jugendlicher sei heute ausbildungsreif, es fehle an Grundkenntnissen in Mathe und Deutsch, ganz zu schweigen von den sozialen Kompetenzen. „,Startklar ist unsere Antwort darauf”, erwidert Grafen. Man könne selbstverständlich das erste Ausbildungsjahr nicht ersetzen, aber Ängste nehmen. Denn viele Jugendliche wollen das System Schule überhaupt nicht verlassen. Vor allem jene, die leistungsschwach sind. Sie haben Angst vor der Berufswelt, vor dem Neuen, und drehen lieber weitere Runden in der Bildungsschleife. Grafen, Fischer und die vielen weiteren Startklar-Verantwortlichen wollen die Schüler aber in eine nach vorne gerichtete Bildungskette einbinden.

„,Startklar ist für Jugendliche, die wollen, aber noch Hilfe benötigen beim Können”, erklärt Koordinatorin Margit Keller. Vom Erfolg des Konzepts ist sie überzeugt. Das langfristige Ziel müsse sein, noch mehr Schulen für „Startklar zu” gewinnen. In 37 NRW-Regionen läuft das Projekt bisher. Es gebe natürlich Ziel-Quoten, wie viele Teilnehmer nach Schule und „Startklar” direkt einen Lehrstellenplatz bekommen sollten. Intern spricht man von 50 Prozent. „Aber das ist nicht maßgebend”, betont Grafen. Erfolg lasse sich auch anders bemessen: Die Zehntklässler, die seit gut zwei Jahren dabei sind, zeigen deutlich mehr Selbstbewusstsein. Einige haben ihre Leistung so verbessert, dass sie nun einen höheren Schulabschluss anstreben. Wenn dann in einem Jahr 20 bis 30 Prozent bei einem Betrieb untergekommen seien, wäre Grafen vollends zufrieden.

Wer es bis zum Lehrstellenplatz geschafft hat, kann auf eine erfolgreiche „Startklar”-Karriere blicken: 266 Unterrichtsstunden an der Schule, vor allem aber 280 Unterrichtsstunden außerhalb des Klassenzimmers - in den Ausbildungswerkstätten der HWK, bei den weiteren Trägern und Partnern. Sie haben Fassadenanstrich und Lötkolben kennengelernt, das Friseurhandwerk ebenso wie den Alltag von Heizungsmonteuren. „Wenn der Schüler hier praxisnah lernt, dass ein Maler Mathe können muss, um Wandflächen und Farbmengen zu berechnen, dann hilft ihm das natürlich auch in der Schule”, erklärt Grafen.

Hauptschüler Marlon hat das begriffen. Mathe büffeln, um Maler zu werden. Das hat er vor. „Mit Startklar kann ich dann meinem späteren Arbeitgeber beweisen, dass ich mich bemüht habe.”
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