Limburgs Zeitungen begehren auf

Von: hau
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Sittard. Die Leserinnen und Leser der beiden Regionalzeitungen „Dagblad De Limburger“ und „Limburgs Dagblad“ rieben sich am Donnerstag die Augen.

Statt des gewohnten Titels wurde den rund 170.000 Abonnenten ein Deckblatt mit rot-schwarzen Lettern und einem aggressiven Löwen, dem limburgischen Wappentier, auf weißem Grund präsentiert: „Stop de Moord op het Limburgse Woord“ (Stoppt den Mord am limburgischen Wort).

Hintergrund der Aktion ist eine Auseinandersetzung mit dem Eigentümer der beiden Blätter, der Mecom Gruppe mit Sitz in London, die als Heuschrecke verschrien ist und sich unter anderem an Medienhäusern in den Niederlanden, Norwegen, Dänemark, Polen und der Ukraine beteiligte. Die Absicht, durch Konzentration ein profitables Zeitungsimperium zu errichten, scheiterte jedoch, weil viele Titel, darunter 2006 die beiden limburgischen Zeitungen, zu hohen Preisen erworben worden waren. Deshalb sollen viele Zeitungen nun wieder verkauft werde.Ein Geschäftsführer wurde eingestellt, der die Limburg Media Group mit Hauptsitz in Sittard wieder in die Gewinnzone bringen sollte.

Dies gelang auch, mit erheblichen Zugeständnissen der Belegschaft. 60 Kündigungen wurden ausgesprochen, insgesamt 7,5 Millionen Euro eingespart. Interim-Manager Loek Radix bahnte eine Zusammenarbeit mit dem belgischen Verlag Concentra in Hasselt („Het Belang van Limburg“) an, der schon 2006 Interesse an den beiden niederländischen Regionalzeitungen hatte, aber von Mecom überboten worden war. Der Übernahmevertrag war schon unterschriftsreif, doch in letzter Minute wurden die Verhandlungen aus London gestoppt. Mecom wolle die beiden Regionalblätter, angeblich inzwischen das profitabelste Zeitungshaus Europas mit guten Gewinnaussichten für die nächsten Jahre, nun doch selbst behalten.

Das führte zu großer Verärgerung in dem Sittarder Zeitungshaus, weil man nun um den Fortbestand der bestehenden Strukturen fürchtet, etwa durch Zusammenlegung mit der anderen niederländischen Mecom-Tochter Wegener, die zwischen Enschede und Vlissingen mehrere Zeitungen herausgibt. Durch weitere Einsparungen sei der Qualitätsjournalismus und der Charakter der Zeitungen in Gefahr, für Analysen und investigative Berichte sei dann eventuell kein Platz mehr, wenn die Redaktion ferngesteuert werde und nur noch wenige Seiten aus der Region zwischen Vaals und Venlo erscheinen würden, waren weitere Befürchtungen.

Aus allen Abteilungen des Verlags wurde eine Aktionsgruppe eingerichtet. Peter Kamps, Vorsitzender des Komitees: „Man hat uns zugesagt, dass wir an die Belgier verkauft werden, von denen wir uns eine Zukunft als Zeitungen versprechen. Das ist nicht passiert und ein grober Wortbruch, den wir nicht akzeptieren werden.“ Weitere Aktionen nach der plakativen Titelseite sollen folgen.

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