Aachen - Konjunktur in der Region: Kein Drama, aber spürbare Abkühlung

Konjunktur in der Region: Kein Drama, aber spürbare Abkühlung

Von: Hermann-Josef Delonge
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Handwerk als Präzisionsarbeit: Auch die Betriebe in der Region müssen sich im „Kampf um die besten Köpfe“ positionieren. Das gilt nicht nur für Fachkräfte, sondern auch für Auszubildende.

Aachen. Peter Deckers sieht keinen Anlass, die Lage zu dramatisieren. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für die Region Aachen spricht lieber von einer „Normalisierung“, die in der Branche nach „Jahren des Booms“ eingetreten sei. Sein Resümee nach der Vorlage der aktuellen Konjunkturumfrage: „Auch wenn bei unseren Mitgliedsbetrieben eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist: Das Handwerk kann optimistisch in die Zukunft sehen.“

Die Rahmenbedingungen: sind eher schwierig. Das kalte Wetter, die dümpelnde Weltwirtschaft und die durch die EU-Staatsschuldenkrise ausgelösten Turbulenzen haben im Handwerk Spuren hinterlassen. Investitionsentscheidungen würden derzeit im privaten wie geschäftlichen Bereich zögerlicher angegangen oder aufgeschoben, bis die Signale, wie sich die Konjunktur entwickelt, eindeutiger seien, haben Deckers und seine Stellvertreterin Nicole Tomys beobachtet.

Die Stimmung: Immerhin noch 69 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, im Vergleich zum Vorhalbjahr gute beziehungsweise befriedigende Geschäfte gemacht zu haben. In den fünf vergangenen Umfragen – die immer halbjährlich durchgeführt werden – lag der wert noch über 85 Prozent. Die Hoffnung auf eine Besserung ist vorhanden, aber vorn Vorsicht geprägt: Mehr als jeder vierte Betriebsinhaber prognostiziert für Frühjahr und Sommer eine Verschlechterung der betrieblichen Situation.

Die Branchen: Die beste Lage meldet das Nahrungsmittelgewerbe (Bäcker, Konditoren, Fleischer). 39 Prozent der Befragten beurteilen ihre aktuelle Situation gegenüber der Vorhalbjahr mit gut, genauso viele mit zufriedenstellend. Dahinter folgt das Bauhauptgewerbe (zum Beispiel Maurer, Betonbauer, Straßenbauer, Dachdecker): In 21 Prozent der Unternehmen ist die Lage, in 53 Prozent befriedigend.

Im Ausbaugewerk (zum Beispiel Maler und Lackierer, Tischler, Installateure, Fliesenleger) liefen die Geschäfte sogar für 26 Prozent gut und für 46 Prozent zufriedenstellend. Im Keller ist die Stimmung im Kfz-Gewerbe. 53 Prozent melden im Vergleich zum vergangenen Herbst eine schlechte Geschäftslage. Die Betriebe konnten den zurückgegangenen Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen nicht durch das Servicegeschäft wettmachen, erklärte Deckers. Und Zuversicht sieht anders aus: Ebenfalls 53 Prozent der Unternehmer erwarten auch für die kommenden sechs Monate schlechte Ergebnisse.

Auftragslage: Von wegen stabile Polster für den Winter! 43 Prozent der betriebe waren von rückläufigen Bestellungen und Nachfragen betroffen. Lediglich zwölf Prozent konnten ihre Auftragseingänge erhöhen.

Umsatz: 53 Prozent der Betriebe meldeten gleiche oder gestiegene Umsätze im Vergleich zum Vorhalbjahr. Im Gesundheitsgewerbe hatten 55 Prozent Einbußen, im Kfz-Gewerbe sogar 69 Prozent. Am häufigsten erzielten Betriebe im Nahrungsmittelgewerbe Umsatzsteigerungen: 28 Prozent.

Preise: Nur zwölf Prozent der Handwerksunternehmen haben ihre Verkaufspreise gesenkt. Laut Handwerkskammer liegt das an den gestiegenen Rohstoff-, Energie- und Spritpreisen sowie den Entgelten für Vorleistungen. 64 Prozent hielten die Preise stabil, 24 Prozent hoben sie an. Dabei waren vor allem das Nahrungsmittelgewerbe und „personenbezogene Dienstleister“ wie Friseure, Kosmetiker, Gold- und Silberschmiede.

Investitionen: große Zurückhaltung. Ein Drittel der Unternehmer hat die Budgets im Winterhalbjahr zurückgefahren, 53 Prozent behielt das Niveau bei, 14 Prozent legten bei den Anschaffungen zu.

Beschäftigung: Ein „gutes Niveau“ konstatieren Deckers und Tomys. 73 Prozent der Betriebe haben ihre Teamstärke gehalten, sieben Prozent vergrößert. Jeder fünfte Betrieb musste Personal abbauen. Auch hier: Im Kfz-Gewerbe mussten sich laut Umfrage 28 Prozent der Unternehmer von Mitarbeitern trennen. Im Frühjahr und Sommer wird sich daran nicht viel ändern: 14 Prozent prognostizieren eine Reduzierung der Belegschaft, 79 Prozent wollen die Personalstärke beibehalten.

Ausbildung: Mit 2632 haben die Betriebe im zweiten Jahr in Folge mehr neue Auszubildende eingestellt als zuvor. Bis zum 31. März wurden bislang 302 neue Lehrverträge eingetragen, 1,34 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Absolut wurde allerdings erstmalig die Marke von 7000 Lehrlingen unterschritten. Schon jetzt haben die Unternehmen deutlich mehr offene Lehrstellen in der Börse der Kammer eingetragen (464). Vor allem in Nahrungsmittelgewerbe und im Ausbaugewerbe werden Auszubildende gesucht. Doch auch Fachkräfte sind begehrt. Aktuell sind 1034 freie Stellen in der Börse der QualiTec GmbH, einer Tochter der Kammer, gemeldet, davon 126 in Elektroberufen, 96 im Sanitär-Heizung-Klima-Bereich und je 72 im Kfz-Mechaniker-, Metallbauer- und Tischlerhandwerk.

Zahl der Betriebe: Im März gab es 16 201 Betriebe im Zuständigkeitsgebiet der Kammer, gegenüber Oktober 2012 ist das ein Rückgang von 147. Den größten gab es in der Städteregion mit 101 Betrieben – hier ist die Sättigung in einzelnen Branchen einfach sehr hoch.

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