Düsseldorf/Aachen - Kfz-Versicherung mit Telematik-Tarif: Kontrollierte Fahrweise zahlt sich aus

Kfz-Versicherung mit Telematik-Tarif: Kontrollierte Fahrweise zahlt sich aus

Von: Christina Handschuhmacher und Thorsten Karbach
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Sicher unterwegs – und die Blackbox zeichnet alles auf: Die Sparkassen Direkt-Versicherung hat als erste deutsche Kfz-Versicherung einen Telematik-Tarif im Angebot. Eine Box zeichnet alles auf, wer umsichtig fährt und sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, muss weniger Beitrag zahlen. Foto: dpa
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Betritt mit der S-Direkt Neuland: Vorstand Jürgen Cramer bringt den Telematik-Tarif an den Start. Foto: S-Direkt

Düsseldorf/Aachen. Jürgen Cramer ist sich sicher, dass dieses Modell schnell Fahrt aufnimmt. Der Vorstand der Düsseldorfer Sparkassen Direkt-Versicherung AG (S-Direkt) hat mit seinem Unternehmen zumindest in der Bundesrepublik Neuland betreten, denn mit Beginn des neuen Jahres gibt es in Deutschland erstmals einen sogenannten Telematik-Tarif (Telematik-Sicherheits-Service) bei einer Kfz-Versicherung.

Wer diese abschließt, dem wird eine sogenannte Telematik-Box (Blackbox) ins Auto montiert, die Daten über Fahrzeiten, zurückgelegte Kilometer, Geschwindigkeitsüberschreitungen aber auch das Bremsverhalten speichert – etwa so, wie es in Flugzeugen oder in der Formel 1 längst etabliert ist. Der Fahrer kann diese Daten einsehen, die Fahrweise wird in Form von Punkten an den Versicherer übermittelt.

Wer umsichtig fährt, dem wird der Versicherungsbeitrag gesenkt – es gibt einen Rabatt von fünf Prozent auf die Prämie. Teurer werden könne die Versicherung aber nicht. Hoch eingeschätzt wird zudem eine weitere Funktion der Telematik-Box: Sie kann bei schweren Unfällen umgehend den Rettungsdienst alarmieren. Die nötige Technik kommt von der Telefónica Insurance Telematics.

Während in den USA solche Telematik-Kfz-Tarife bereits zehn Prozent des Marktes einnehmen, und in Italien die Versicherer verpflichtet sind, einen solchen Tarif anzubieten, haben die deutschen Versicherer bei diesem Thema in den vergangenen Jahren zunächst einmal die Bremse getreten.

„Es ist ein typisch deutsches Problem, dass so lange diskutiert wird, bis die Marktchancen nicht mehr zu fassen sind“, sagt S-Direkt-Vorstand Cramer. Sein Haus schreitet nun voran, es ist zwar zunächst ein Test, in dem bis Ende März bis zu 1000 Einheiten verkauft werden können, aber es ist einer, der von viel Optimismus geprägt ist: „Ich habe da diesen kleinen Tagtraum jedes Versicherers, dass ein Produkt einmal ausverkauft ist.“

Wie viele Abschlüsse die S-Direkt bereits erzielt hat und wie viele der Zigarettenschachtel großen Telematik-Boxen durch Bosch-Servicepartner nun eingebaut werden (das soll rund 33 Minuten dauern), verrät Cramer nicht. Er sagt aber: „Das Interesse ist unerwartet gut, sehr umfangreich.“ Die Konkurrenz verfolgt das Geschehen sorgsam. Aber auch mit einer großen Portion Skepsis. „Wir beobachten diese Entwicklung, haben selbst aber noch keine konkreten Pläne für die Einführung eines Telematik-Tarifs“, sagt Axa-Sprecher Ulrich Bockrath. „Die R+V plant zur Zeit keine Einführung spezieller Telematik-Tarife für Kfz-Kunden.

Aber natürlich beobachten wir das Thema Telematik weiter mit Interesse“, berichtet Pressesprecher Karsten Eichner von der R+V Versicherung AG. Laut Eichner sei unter anderem die Technik noch verbesserungswürdig. „Derzeit ist nicht klar, ob sich ein Telematik-Tarif für den deutschen Markt überhaupt lohnt“, erklärt Allianz-Sprecherin Claudia Herrmann. Die Tariflandschaft sei durch Tarifmerkmale wie das Alter des Fahrers, die Fahrleistung und das Automodell bereits extrem ausdifferenziert. „Bei uns gibt es keine konkreten Pläne für einen Telematik-Tarif in Deutschland“, sagt sie. Doch bei der S-Direkt sind die Verantwortlichen überzeugt, dass die Konkurrenz früher oder später folgen wird. Die Rechnung ist einfach: Wer – kontrolliert – sicher fährt, der baut weniger Unfälle und die Versicherungen müssen seltener für Schäden aufkommen. Das müsse sich doch lohnen.

Der Datenschutz

Natürlich hat es anfangs, als die Idee erstmals öffentlich wurde, auch noch ganz andere Bedenken gegeben. Wo immer Daten in diesem Land gesammelt werden, ob im Internet oder nun in einem Automobil, stehen Befürchtungen um die Sicherheit dieser Daten im Raum. Frühzeitig wurde der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW einbezogen. Cramer sagt, man habe alle Anmerkungen bis auf eine aufgegriffen. Das Produkt sei „datenschutzrechtlich sauber“. In der Landesbehörde heißt es, es sei unter anderem auf die korrekte Verschlüsselung der Daten hingewiesen worden und die wesentlichen Forderungen seien erfüllt worden – auch im Düsseldorfer Kreis, der Runde aller Datenschutzbeauftragten der Länder, sei der Telematik-Tarif vorgestellt worden. Nur diese Forderung wurde laut Cramer nicht erfüllt: Einen Aufkleber „Auto hat Telematik-Box“ wird es nicht geben.

Überwachung?

Während die Datensicherheit garantiert sein soll, kann keine Behörde der Welt verhindern, dass sich Eltern mit dem Tarif anschauen können, wo und wie ihre Kinder mit dem Familienauto unterwegs sind. Oder Männer sehen, wohin ihre Frauen fahren und umgekehrt. Oder Firmen jede Geschwindigkeitsüberschreitung ihrer Mitarbeiter im Dienstwagen in den Fokus nehmen (können) – in der Schweiz ist die Telematik im Flottenmanagement überaus beliebt. Überwachung nennen dies Kritiker. „Für sorgenvolle Väter ist dies eine wertvolle Hilfe, um Vertrauen in den Fahrstil des Kindes zu gewinnen“, sagt Jürgen Cramer. Und ganz nebenbei kann die ganze Familie sehen, wo das Auto zuletzt abgestellt wurde. Beziehungsweise lässt es sich nach einem Diebstahl über die Telematik orten. Auch das zählt zum Service, den die Telematik-Box möglich macht.

S-Direkt-Vorstand Cramer fährt seit September 2012 mit Blackbox im Auto. „Es lässt schon über den eigenen Fahrstil nachdenken und bewahrt vor dem einen oder anderen Punkt in Flensburg. Ich glaube, ich fahre mittlerweile gelassener“, erzählt er. Und Gelassenheit führe zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. In den USA, so berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“, gingen die Unfallzahlen von Telematik-Nutzern um bis zu 40 Prozent zurück, die Versicherungsunternehmen mussten ihren Kunden bis zu 30 Prozent weniger für Schäden zahlen, während die Beiträge der Kunden der umsichtigen Fahrweise angepasst werden. Dieses Modell findet nun den Weg nach Deutschland: Wer sicher fährt, zahlt weniger. Die S-Direkt will in einem Wettbewerb gar die besten Fahrer des Monats küren. Die Schnellsten werden in diesem Fall sicher nicht auf den ersten Plätzen landen.

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