Aachen - Keine Angst vor „Iban, der Schrecklichen“

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Keine Angst vor „Iban, der Schrecklichen“

Von: hjd
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Lange Zahlenkolonnen: Iban und BIC ersetzen die Kontonummer und die Bankleitzahl. Foto: dpa

Aachen. Wer Geld ins Ausland überweist, ärgert sich oft über den Zeitverzug oder Bankgebühren. Das soll das neue Zahlungsverkehrssystem Sepa („Single Euro Payments Area“) ändern, das in allen Staaten der EU sowie in Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und der Schweiz gelten soll. Der Sepa-Raum wird im Zahlungsverkehr damit zum Inland.

Sepa erstreckt sich in allererster Linie auf Überweisungen und Lastschriften. Sepa-Überweisungen sind bereits seit 2008 möglich, Lastschriften seit Ende 2009. Die Dimension des Projektes wird unter anderem an der Zahl der Überweisungen und Lastschriften deutlich: In Deutschland laufen jeden Tag über die Plattformen der Bundesbank zehn Millionen dieser Vorgänge ab. Im Euroraum sind es nach Angaben von Carl-Ludwig Thiele, der im Vorstand der Bundesbank für Zahlungsverkehr zuständig ist, jedes Jahr 35 Milliarden. Bislang lief die Umstellung von vielen Bankkunden unbemerkt ab. Das ändert sich im nächsten Jahr: Ab 1. Februar 2014 lösen europaweit einheitliche Kontonummern (Iban, steht für „International Bank Account Number“) die alten Zahlenkombinationen ab – auch für Transfers im Inland. In einer vierteiligen Serie beleuchten wir, welche Folgen das ganz konkret hat. Heute geht es um die Verbraucher.

Also: Was ändert sich durch Sepa für den Bankkunden?

Ganz konkret: Er muss künftig mehr Kästchen als sonst ausfüllen. Statt der inländischen Kontonummer mit meist zehn Stellen muss der Verbraucher die internationale Kontonummer Iban eintragen. Die Länge der Iban ist von Land zu Land unterschiedlich und darf maximal 34 Zeichen umfassen. Derzeit variiert in der Praxis die Anzahl von 15 in Norwegen bis 31 in Malta. In Deutschland hat die Iban immer 22 Stellen.

Woraus setzt sich die Iban zusammen?

Sie besteht aus Buchstaben und Zahlen. Sie beginnt mit dem Ländercode (für Deutschland: DE) und einer zweistelligen Prüfziffer. Danach folgt eine nationale Komponente, in Deutschland sind das die achtstellige Bankleitzahl und die zehnstellige Kontonummer (fehlende Stellen werden hier vorn mit Nullen aufgefüllt). Wirklich neu an dieser Kombination ist also nur die Prüfziffer. Also: keine Angst vor „Iban, der Schrecklichen“.

Was ist mit der Bankleitzahl?

Die wird bei Sepa durch den internationalen Code zur Identifizierung der Bank (BIC, steht für „„Business Identifier Code“) ersetzt. Statt Zahlen gibt es eine Buchstabenfolge, die die Zielbank eindeutig identifiziert. Der Code, manchmal auch Swift-Code genannt, besteht aus einem vierstelligen Bankkürzel, einem zweistelligen Ländercode, einem zweistelligen Ortscode und einem dreistelligen Filial- oder Abteilungskürzel. Fehlt diese, wird mit XXX auf elf Stellen „aufgefüllt“.

Wo findet man Iban und BIC?

Wer eine Überweisung tätigt, findet beide in den Geschäftspapieren des Vertragspartners, also auf der Rechnung oder dem Briefkopf. Sind sie dort nicht angegeben, müssen sie erfragt werden. Außerdem stehen sie auf jedem Kontoauszug und auf den meisten Bankkundenkarten. Beim Online-Banking kann der Kunde sich die Daten aus einer Liste auswählen, die unter „Meine Daten“ oder „Kontodetails“ zu finden ist.

Ab wann muss der Verbraucher Iban und BIC benutzen?

Grundsätzlich gilt: Überweisungen und Lastschriften werden ab 1. Februar nur noch mit Iban und BIC möglich sein. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlungssysteme parallel. Allerdings haben Verbraucher noch eine Übergangsfrist bis Februar 2016. Denn die Sepa-Verordnung sieht vor, dass die Zahlungsdienstleister bis dahin Kontonummer und Bankleitzahl akzeptieren dürfen und diese kostenlos in die Iban umwandeln. Außerdem: Da die alte Bankleitzahl ja schon in der Iban enthalten ist, soll der BIC schon ab Februar 2014 bei Überweisungen und Lastschriften im eigenen Land wegfallen, ab Februar 2016 auch bei Zahlungen ins Ausland.

Müssen Einzugsermächtigungen erneuert werden?

Nein. Alle bisher erteilten Ermächtigungen gelten weiter und können als Sepa-Lastschrift genutzt werden. Wer allerdings dem Zahlungsempfänger noch keine schriftliche Ermächtigung erteilt hat, wird von diesem zur Neu-Erteilung eines Lastschriftmandats in Schriftform aufgefordert.

Ändert sich das Verfahren bei einem Widerspruch?

Grundsätzlich und formal gilt: Anders als bei der bisherigen Einzugsermächtigung wird die Zahlung per Sepa-Lastschrift von vornherein genehmigt. Durch diese Änderung entfällt die bisherige Widerspruchsmöglichkeit. Der Verbraucher hat jedoch einen bedingungslosen Anspruch auf Erstattung des abgebuchten Betrages. Bei einer autorisierten Zahlung kann er innerhalb einer Frist von acht Wochen ab dem Zeitpunkt der Buchung von seinem Geldinstitut die Erstattung des belasteten Lastschriftbetrages verlangen. Diese neue Frist gilt ab sofort sowohl für die „alte“ Einzugsermächtigung als auch für die „neue“ Sepa-Lastschrift. Bei unberechtigten (nicht autorisierten) Einzugsermächtigungen oder Sepa-Lastschriften gilt eine Rückerstattungsfrist von 13 Monaten nach dem Tag der Belastung.

Was ist mit dem vor allem im Einzelhandel weit verbreiteten elektronischen Lastschriftverfahren?

Bei diesem Verfahren legt der Verbraucher seine Bankkarte an der Kasse vor und erteilt durch Unterschrift auf einem Beleg dem Unternehmen die Ermächtigung, den Rechnungsbetrag von seinem Konto einzuziehen. Es kann aufgrund einer Sonderregelung noch bis zum 1. Februar 2016 weitergeführt werden.

In der nächsten Folge unserer Sepa-Serie lesen Sie am kommenden Mittwoch, was sich konkret für Unternehmen und Vereine ändert.

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