Jochen Bräutigam: „Wir machen Geschäfte, die wir verstehen”

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Sieht die Wirtschaft noch mitten in der Finanzkrise: Der scheidende Vorstandssvorsitzende der Sparkasse Aachen, Jochen Bräutigam. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Fast acht Jahre stand Jochen Bräutigam an der Spitze der Sparkasse Aachen. Am 31. Mai übergibt er die Leitung des zwölft- größten deutschen Kommunalinstituts an Hubert Herpers, seinen bisherigen Stellvertreter.

Als der im westfälischen Paderborn aufgewachsene Bräutigam 1989 nach Studium und Promotion in Münster und Stationen bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) und der Kreissparkasse Limburg/Lahn in die Bischofsstadt Aachen kam, fiel ihm nicht nur der spezielle Öcher Dialekt recht schwer. Auch die rheinische Mentalität war für Bräutigam gewöhnungsbedürftig. Aber seine direkte Art, sein Zugehen auf die Menschen erleichterten ihm die Integration.

Inzwischen beherrscht er zwar nicht die Aachener Mundart fließend, aber die Vielzahl der Anekdoten, die er immer auf Lager hat, zeigt doch, dass er die Menschen dieser Region versteht, die er einmal in einem Gespräch mit unserer Zeitung so charakterisiert hat: „Ein liebenswürdiger Menschenschlag mit gelegentlichen Stimmungsschwankungen.” In einem Gespräch mit unserem Redakteur Ulrich Kölsch nimmt Bräutigam Stellung.

Die Finanzkrise hat dafür gesorgt, dass der Ruf mancher Geschäftsbanken nach einer Privatisierung der Sparkassen jäh verstummt ist. Hat sich damit das deutsche Drei-Säulen-Modell endgültig behauptet?

Bräutigam: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben das Geschäftsmodell der Sparkassen und damit das Drei-Säulen-System eindeutig bestätigt. Die Folgen der Finanzkrise konnten in Deutschland durch die Sparkassen abgefedert werden.

Woran liegt es, dass die Sparkassen die gegenwärtige Finanzkrise, sieht man einmal von den Landesbanken ab, relativ gut überstanden haben?

Bräutigam: Unsere Sparkasse arbeitet nach einem bewährten Prinzip: Wir nehmen Kundeneinlagen vor Ort entgegen und vergeben diese auch in erster Linie wieder an Kunden in unserer Region. Wir machen Geschäfte, die wir verstehen, mit Menschen, die wir kennen.

Wie bewerten Sie die Einrichtung der „Bad Banks” als Weg aus der Krise und kommen auch Sparkassen in Frage?

Bräutigam: Die Einrichtung von „Bad Banks” ist eine wichtige Voraussetzung für den Weg aus der Krise. Damit kann bei den Banken Eigenkapital frei gemacht werden, das bei dem derzeitigen konjunkturellen Umfeld dazu benötigt wird, um der mittelständischen Wirtschaft Kredite zur Verfügung stellen zu können. Ich gehe nicht davon aus, dass auch Sparkassen „Bad Banks” nutzen werden.

Tatsache ist aber auch, dass die Margen durchaus niedriger ausfallen. Wo will Ihr Haus sparen, und gibt es noch Wachstumsmöglichkeiten?

Bräutigam: Unsere Sparkasse sieht seit Jahren in einer sparsamen Wirtschaftsführung eine wichtige Grundlage ihrer Geschäftpolitik. Auf der Basis unseres soliden Geschäftsmodells sehen wir beachtliche Chancen für ein zusätzliches Wachstum im Firmen- und Privatkundenbereich.

Wann wird die Finanzkrise überwunden und die konjunkturelle Talfahrt beendet sein?

Bräutigam: Das lässt sich schwer sagen, zur Zeit sind wir noch mitten in der Finanzkrise. Hinsichtlich der Konjunktur habe ich den Hoffnungswert, dass sich in 2009 zumindest Aufhellungstendenzen zeigen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Mittel aus den Konjunkturprogrammen baldmöglichst über Aufträge in der Wirtschaft ankommen.

Wie sehen Sie die Zukunft der WestLB auch vor dem Hintergrund des plötzlichen Rücktritts des Vorstandsvorsitzenden Heinz Hilgert?

Bräutigam: Die Zukunft der Landesbank kann man im Grunde nur schrittweise gestalten. Der erste Schritt liegt in der jüngsten Vergangenheit. Die Brüsseler Entscheidung vom 12. Mai hat Klarheit geschaffen, wie sich die WestLB in Zukunft aufzustellen hat. Jetzt kann man die entsprechenden Maßnahmen einleiten, um die WestLB in ein Bieterverfahren hereinzubringen oder in ein nach wie vor angestrebtes Konsolidierungskonzept der Landesbanken zu führen. Diese beiden Optionen sind offen.

Sie standen acht Jahre an der Spitze der Sparkasse Aachen. Was war Ihre wichtigste Entscheidung in dieser Zeit?

Bräutigam: Alle wichtigen Entscheidungen werden gemeinsam im Vorstand getroffen, es gibt also keine einsamen Entscheidungen. Für mich persönlich war sicherlich von besonderer Bedeutung die Neuausrichtung unserer Geschäftsstellen mit dem Ziel, die flächendeckende Präsenz der Sparkasse in Stadt und Kreis Aachen sicherzustellen.
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