Aachen/Berlin - Jagdfeld bleibt an der Spitze des Hotel Adlon

Jagdfeld bleibt an der Spitze des Hotel Adlon

Von: Marlon Gego
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Der Hausherr im aufs Maß geschneiderten Anzug: Anno August Jagdfeld, hier im Grand Hotel Heiligendamm. Zwar kämpfte er gestern um seine Stellung an der Spitze des Hotel Adlon in Berlin, doch die Investoren beider Hotels wurden bislang von Jagdfeld bitter enttäuscht. Foto: ddp

Aachen/Berlin. Der Aachener Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld bleibt an der Spitze des Berliner Adlon Hotels.

Nach Recherchen unserer Zeitung gelang es einer vom Berliner Rechtsanwalt Thomas Fritsch vertretenen Gruppe von Investoren auf einer außerplanmäßigen Anlegerversammlung am Freitagabend nicht, Jagdfeld als Geschäftsführer des Fundus-Fonds 31 abzusetzen, dem das prestigeträchtige Hotel am Brandenburger Tor gehört. Das bestätigte am Samstag ein Fundus-Sprecher auf Anfrage. Fritsch vertritt nach eigenen Angaben 220 Anleger und soll sich im Vorfeld der Versammlung die Stimmrechte von bis zu 2000 der insgesamt 4400 Anleger gesichert haben. Sein Entmachtungsversuch scheiterte dennoch - an ihm selbst.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte Fritsch am späten Freitagabend selbst sachliche Mängel seines eigenen, jahrelang vorbereiteten Konzepts eingeräumt, das er als Alternative zu Jagdfelds Geschäftsführung vorstellte. Die Anleger des Fundus-Fonds 31 sind mit den Renditen unzufrieden, die das Adlon für sie abwirft, obwohl die wirtschaftliche Lage des Hotels keineswegs schlecht ist.

Fritsch habe Freitagabend überraschend vorgeschlagen, den Antrag auf die Abwahl Jagdfelds zurückzuziehen und einen Kompromiss einzugehen. Die etwa 800 anwesenden Gesellschafter hätten Fritschs Vortrag mit Spott und Häme bedacht. Auch weil der Kompromissvorschlag, eine Doppelspitze als Geschäftsführer des Fundus-Fonds 31 einzuführen, offenbar nicht rechtens ist. Teilnehmer der Versammlung Sprachen von einem „peinlichen Auftritt” Fritschs. Letztlich stimmten 74 Prozent der anwesenden Anleger gegen Fritschs Abwahlantrag.

1994 legte Jagdfeld den Fundus-Fonds 31 mit dem Ziel auf, die alte Pracht des historischen Luxushotels Adlon am Brandenburger Tor wieder aufleben zu lassen. Von 4400 Anlegern sammelte Jagdfeld mit Charme, weltmännischem Auftreten, einiger Überzeugungs- und Rechenkunst mehr als 220 Millionen Euro ein, den Rest der Investitionssumme von 380 Millionen Euro finanzierte Jagdfeld per Kredit, 160 Millionen fast. Kreditgeber ist die Schweizer Großbank Crédit Suisse. Kreditnehmer war der Fundus-Fonds 31, nicht Jagdfeld persönlich. Seinen Anlegern versprach er 18 Jahre lang eine Rendite von 5,1 Prozent, doch die Rechnung ging, wie von Kritikern schon früh befürchtet, nicht auf, nicht einmal annähernd.

Nach den Berechnungen von Thomas Fritsch erhielten die Investoren im Jahresschnitt nicht einmal 1,5 Prozent Rendite, ein Vorwurf lautete, Jagdfeld wirtschafte über ein nahezu undurchschaubares Firmengeflecht zuvorderst in die eigene Tasche. Der Vorwurf ist nicht neu und keineswegs auf den Fundus-Fonds 31 beschränkt. Auch andere Fundus-Fonds haben große Probleme, das Grand Hotel Heiligendamm, das Jagdfelds Fundus-Fonds 34 gehört, befindet sich entgegen Jagdfelds Prognosen in existenziellen Nöten. Das ursprünglich angelegte Vermögen der Investoren, 127 Millionen Euro, ist seit März nur noch 12,7 Millionen Euro wert. Auch in Heiligendamm wird Jagdfeld vorgeworfen, allzu sehr auf den Vorteil seiner Familie bedacht zu sein und nicht auf den der Anleger, genau wie in Berlin.

In der Tat sind zum Beispiel die Lokale des Adlon im Besitz der Adlon Holding GmbH, die wiederum Jagdfelds vier Söhnen gehört. Und Jagdfelds Frau, die Innenausstatterin Anna Maria Jagdfeld, ist Geschäftsführerin des elitären China Club im Adlon. Überdies stattete sie unter anderem die Suiten des Hotels aus - für unglaubliche Summen. Jagdfeld gibt gern und stolz zu wissen, wie hervorragend seine Gattin verdiene. Nicht so gern sagt er, dass sie in erster Linie von seinen Aufträgen profitiert. 2004 betrug ihr persönliches Vermögen fast 23,5 Millionen Euro, wie Fritsch herausgefunden haben will. Ein erstaunliches Vermögen für eine Innenausstatterin.

Auch diese Vorwürfe wurden Freitagabend in Berlin diskutiert. Jagdfeld erklärte zum wiederholten Mal, die Involvierung seiner Familie gehöre zu seinem in der Vergangenheit oftmals erfolgreichen Konzept „Alles aus einer Hand”. Ein Auto kaufe man ja auch als Ganzes und nicht jede Komponente von einem anderen Hersteller, hatte Jagdfeld in einem Interview kurz vor der Versammlung am Freitagabend gesagt.

Fritsch sagte vor der Versammlung gegenüber unserer Zeitung, dass von der Gesamtinvestitionssumme, die ins Adlon geflossen ist, jene 380 Millionen Euro, „mindestens ein Viertel bei Jagdfeld gelandet ist”, also 95 Millionen. Die Anteile der Anleger hingegen haben nach Fritschs Berechnungen bis heute etwa 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Thomas Fritsch zwang Jagdfeld 2010 gerichtlich, die Namen und Adressen der Adlon-Anleger preiszugeben, damit sie sich gegen den Fonds- und Hotel-Geschäftsführer organisieren können. Der Ärger vieler Anleger ist auch deswegen groß, weil die wirtschaftliche Entwicklung des Hotels eigentlich gar nicht schlecht ist. Trotzdem verzichtet Jagdfeld in seiner Eigenschaft als Fonds-Geschäftsführer seit 2008 zum Beispiel darauf, der Adlon Holding GmbH seiner Söhne eine Pachtzinszahlung in Höhe von 2,3 Millionen Euro in Rechnung zu stellen. Fritsch glaubt, die Anleger hätten vollen Anspruch auf die Summe. Jagdfeld sagte am Freitag, die Pachtzinszahlung werde erfolgen, sobald sich die wirtschaftliche Lage der Adlon Holding GmbH gebessert habe.

Teilnehmer der Versammlung sprachen von einer „Eskalation”, als die Diskussion auf die ausstehenden Pachtzinszahlungen kam; denn auch dieses Geld wird dringend benötigt. Die Anleger müssen bis 2016 den 160-Millionen-Kredit zurückgezahlt haben. Gelingt dies nicht, würde das Adlon wohl versteigert und der überwiegende Teil des angelegten Geldes wäre endgültig vernichtet.
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