Aachen/Herzogenaurach - Ist Adidas in Asien auf dem Absprung?

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Ist Adidas in Asien auf dem Absprung?

Von: Thorsten Karbach
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Neue Technik für die Zukunft: Forscher von Adidas prüfen hier in einem eigenen Testcenter zahlreiche neue Produkte. Nun steht auch die Produktion von Schuhen auf dem Prüfstand. Foto: dpa, ITA
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Gewinn gemeldet, Vertrag verlängert: Adidas-Chef Herbert Hainer.

Aachen/Herzogenaurach. Ist Adidas auf dem Absprung? Der Sportartikelhersteller erwägt einen revolutionären Weg: die Abkehr von der Produktion in den Billiglohnländern Asiens. In einem Projekt mit dem Namen Speedfactory – unter anderem mit dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen – soll bis zum Frühjahr 2016 nach einer Alternative zur Schuhproduktion in Fernost geforscht werden.

2013 wurden von insgesamt 257 Millionen Paar Adidas-Schuhen eben dort 96 Prozent der Schuhe der Adidas-Marken (Adidas, Reebok und Adidas Golf) hergestellt. Das wichtigste Beschaffungsland war Vietnam (35 Prozent), gefolgt von China (31 Prozent und 7600 Läden in 1000 Städten) und Indonesien (24 Prozent). Und Adidas konnte mit diesen Produktionsstätten am Mittwoch kräftige Gewinne melden: Mit 787 Millionen Euro hat der Konzernüberschuss knapp 50 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. 2014 kann der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller als offizieller Partner des Weltverbandes Fifa vor allem auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien setzen, so dass Adidas-Chef Herbert Hainer mit Rekordumsätzen im Geschäft mit Trikots und Fußballschuhen rechnet.

Dort fertigen, wo Kunden sitzen

Aber dann? Mit der Speedfactory geht der Blick weit über den Fußballsommer hinaus und dabei nicht an der Realität vorbei. Mit Johnson Controls (eigentlich ein Automobilzulieferer), Roboterbauer KSL Keilmann, der Technischen Universität München und eben den Aachener Textiltechnikern werden Maschinen, Materialien wie auch Produktionsabläufe beleuchtet – mit einem ambitionierten Ziel: „Wir werden näher an die Kunden heranrücken und die Ware dort fertigen, wo die Käufer sind“, erklärte Adidas-Forschungschef Gerd Manz dem „Handelsblatt“. Bislang werden lediglich die maßgeschneiderten Schuhe für Spitzensportler und die Copa-Mundial-Fußballschuhe in Steinfeld im Steigerwald gefertigt. Ziel sei eine insgesamt flexible, lokale Produktion. Das ist definitiv ein Gegenentwurf zu riesigen Fabriken in Fernost.

Dort hatte es in der Vergangenheit immer wieder schlimme Zwischenfälle – beispielsweise Brände mit vielen Todesopfern – gegeben, die den Druck auf die Produzenten aus dem Westen erhöhten. In Bangladesch protestierten Tausende Arbeiter gegen ihre Entlohnung. In China steigen die Löhne. Die Adidas-Gruppe arbeitet mit 322 unabhängigen Herstellern zusammen, von denen 78 Prozent in Asien ansässig sind – nur sieben Prozent in Europa. Längst steht also auch ein wachsendes betriebswirtschaftliches Interesse der Hersteller hinter der Idee, Produktionsstätten zu verlagern. „Es geht darum, zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Edith Ebbesmeyer, Sprecherin der Gruppe.

So sehr der Gewinn auch gestiegen ist: Der Umsatz ist 2013 um 2,6 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro gesunken. Gründe waren unter anderem ein schwaches Golfgeschäft, Vertriebsprobleme in Russland, eine schwache Nachfrage in Südeuropa und der starke Euro, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Weltweit hat der Konzern inzwischen 50.700 Beschäftigte, davon mehr als 5200 in Deutschland.

Adidas will und muss wohl auch umdenken. Die Speedfactory gibt seit Oktober die Richtung vor. „Es gibt Visionen, an denen wir arbeiten. Aber noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen“, sagt Ebbesmeyer. Es geht nicht um Produkte der Zukunft. Es geht um die Produktion der Zukunft. Die Aachener Textiltechniker sollen sich mit ihrem Know-how bei Textilmaschinen und Herstellungsprozessen einbringen, Adidas will die Fäden der Partner aufgreifen – und am Ende wohl ein neues Netz aus kleinen Produktionsstätten knüpfen, auch in Deutschland. Und das gefällt auch der Bundesregierung. Das Wirtschaftsministerium fördert die Speedfactory.

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