Aachen/München - Immobilien: Hunger auf Rendite wächst

Immobilien: Hunger auf Rendite wächst

Von: Robert Esser
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Einzelhandels-Immobilien, RWTH-Campus-Projekte, Gewerbepark Avantis (von oben): Darauf baut die Aachener Region bei der Investorensuche auf der Expo Real in München. Foto: Herrmanns, Jaspers, Steindl

Aachen/München. Der finale Zapfenstreich auf dem Münchner Oktoberfest ist erst wenige Stunden her. Schon pilgern am Montagmorgen – quasi gleich nebenan – Heerscharen zum nächsten bajuwarischen Mega-Geschäftstempel. Schwarzer Anzug statt Lederhose, Sektflöte statt Maßkrug.

Auf der Expo Real, Europas größter Gewerbe-Immobilienmesse am Rande der Isar-Metropole, geht‘s deutlich vornehmer zu als im Festzelt. Schlips statt Schwips. Dirndl gibt‘s nicht. Die Immobilienbranche gilt immer noch als Männerdomäne. Um hier einen fetten Fang zu machen, braucht auch die Aachener Region mehr als Charme.

Das Angebot für Investoren aus 33 Ländern ist gigantisch. Moskau, Tokio, Ruhrgebiet etc. – und mittendrin die Region Aachen. Jeder preist Bauprojekte, Gewerbeparks, Investitionschancen an. Die Auswahl auf den 64 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche will kaum enden. Deshalb lautet eine Weisheit von Expo-Kennern: „Wenn hier irgendwo Investoren Schlange stehen, dann muss es sich um die Herrentoilette handeln.“ Will sagen: Die Suche nach Geldgebern ist schwierig – und sie kann leicht in die Hose gehen. Verlässlichkeit, Seriosität, nachhaltig positive Zukunftsaussichten sind gefragt. Natürlich die richtigen Leute. Da zählen Kontakte, am besten persönliche.

Fast alle Bürgermeister vor Ort

„Genau darum geht es an unserem Gemeinschaftsstand ‚aachen1a‘ seit zehn Jahren“, erklärt Organisator Fritz Rötting. „Deswegen profitieren wir davon, hier vor Ort zu sein.“ Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) versammelt bis Mittwoch fast sämtliche Bürgermeister und Landräte von Aachen über Heinsberg bis Düren, dazu 24 Immobilien-Unternehmen der Region und die Führungsriege der RWTH Campus GmbH. So ein Auftritt macht was her, schafft Vertrauen und Aufmerksamkeit.

Im Mittelpunkt steht wiederum das Zwei-Milliarden-Euro-Projekt RWTH Campus – bis 2015 soll schon das vierte Forschungscluster „Optische Technologien“, ein weiteres hochmodernes Gebäude mit 40 000 Quadratmetern, bezogen werden. Die Kooperation von Wissenschaft und Privatwirtschaft auf dem Campus-Areal Melaten neben dem Aachener Uniklinikum laboriert an einem imposanten Wachstumsschub. „Mit Kohn Pedersen Fox Associates aus New York hat eines der weltweit führenden Architekturbüros das Rennen um den Auftrag gemacht“, sagt Rötting. „Immobilien wie diese sind entscheidende Motoren für die Standortentwicklung unserer Wirtschaftsregion.“ Investor des Clusters ist Ante 4C, eine Aachener Projektgesellschaft unter wesentlicher Beteiligung der Landmarken AG. Deren Geschäftsführer Norbert Hermanns ist gleich mit mehreren Projekten in München vertreten. Keine Luftschlösser, vielmehr Stein gewordene Visionen. Dafür steht auch der Aachener Architekt Gerhard Wittfeld und sein Büro (kadawittfeldarchitektur), die heute Abend für ihre Gestaltung des Adidas-Entwicklungskomplexes am Unternehmenssitz Herzogenaurach vom Deutschen Rat für Formgebung in der Kategorie „Best of Best“ mit dem „Ionic Award 2013“ in der Münchener BMW-Welt ausgezeichnet werden. Darauf fahren nicht nur Geschäftspartner ab.

Vollgas will die Stadt Aachen unterdessen auf dem Gewerbepark Avantis geben. Seit knapp 20 Jahren fahndet man nach der Technologie-Elite, die sich auf dem deutsch-niederländischen Terrain vor Heerlen ansiedeln sollte. Doch jahrelang produzierte nur der ökologisch-juristische Streit um bedrohte Feldhamster Schlagzeilen. Jetzt sei der Knoten geplatzt, jubeln die Wirtschaftsförderer. Für rund 20 Millionen Euro baut die Honold-Logistik-Gruppe auf knapp 100 000 Quadratmetern Lager- und Büroflächen für den internationalen Warenumschlag.

In München will man weitere Branchen in den Westzipfel locken. Neben Logistik-Unternehmen wollen die Avantis-Vermarkter Pharmaindustrie, Telekommunikationsfirmen und Energieerzeuger ansprechen. Fast 100 Hektar warten darauf, in die Gewinnzone gefahren zu werden.

Mit reichlich Rendite rechnen

Mit reichlich Rendite rechnen die Investoren des 290 Millionen Euro teuren Einkaufszentrums Aquis Plaza am Aachener Kaiserplatz längst. Auf der Münchener Expo Real wurde der Bau einst besiegelt. Zum Weihnachtsgeschäft 2015 ist die Eröffnung geplant.

Derweil müssen andere Eigentümer von Einzelhandelsimmobilien stagnierende Mieterlöse verkraften. Top-Lagen sind dabei nach der aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle nicht betroffen. Die Münchner Einkaufsmeile Kaufinger Straße rangiert neben der Neuhauser Straße mit Spitzenmieten von bis zu 350 Euro pro Quadratmeter vor der Zeil in Frankfurt am Main (290 Euro), der Tauentzien-straße in Berlin (280), der Düsseldorfer Königsallee (275), der Spitaler Straße in Hamburg (255) und der Schildergasse in Köln (250). Mit Quadratmeterpreisen von bis zu 120 Euro platzieren die Analysten die Aachener Adalbertstraße auf Position 15.

Wobei tatsächlich gezahlte Mieten mittlerweile teils um fast die Hälfte schrumpfen, wie Insider berichten. Erstmals seit Jahren sei da eine „Seitwärtsbewegung bei der Preisentwicklung“ zu beobachten, heißt es. Das trifft sogenannte 1b-Lagen schwer. Mieterlöse sinken spürbar, sogar in zen­tralen Geschäftsbezirken. Dies liege nicht nur an der extremen Abwanderung Richtung Online-Handel, so der Aachener Wirtschaftsförderer Herbert Kuck. „Manche Mietforderungen von Immobilieneigentümern sind einfach völlig unrealistisch“, sagt er. Hier lohnt demnach ein Vergleich ähnlicher Marktangebote auf der Münchner Gewerbe-Immobilienmesse. Wo wegen fehlender Einzelhandelsofferten keine Heerscharen von Kunden mehr hinpilgern, droht Innenstädten nämlich ganz schnell der Garaus. Zapfenstreich für alle. Auch diese Baustelle ist Thema auf der Expo – aber ganz real.

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