Immer noch keine guten Aussichten in Heiligendamm

Von: Marlon Gego
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Aachen/Heiligendamm. Anno August Jagdfeld muss am Mittwoch in Heiligendamm schon wieder schlechte Nachrichten verkaufen, aber das sind seine Anleger schon gewohnt.

Immerhin hat es, das wird Jagdfeld seinen Anlegern erklären können, zum zweiten Mal in Folge ein positives Geschäftsergebnis gegeben, das Grand Hotel in Heiligendamm habe nach 2009 auch 2010 wieder 800.000 Euro Gewinn gemacht. Und nach längerer Verzögerung sei die Gesellschaft auf dem besten Weg, ihre Schulden mit frischem Kapital neuer Anleger begleichen zu können. Jagdfeld, und das ist seine große Stärke, wird in Heiligendamm wieder Zuversicht unter seinen Anlegern verbreiten.

Dabei sind die Aussichten im Grand Hotel von Heiligendamm schlecht. Die 1850 Anteilseigner des Fundus-Fonds 34, dem das Hotel an der Ostsee gehört, mussten im März auf einer Versammlung in Aachen ihrer weitgehenden Enteignung zustimmen, anderenfalls hätte die Insolvenz bis spätestens Ende November 2011 gedroht. Durch die Herabsetzung des Kapitals - die eingezahlten 127 Millionen Euro sind nun nur noch 12,7 Millionen wert - sollten neue Investoren angelockt werden. Der Fundus-Fonds 34 braucht bis Ende des Jahres dringend 32,6 Millionen Euro, um seine Schulden begleichen zu können.

Doch der Aachener Immobilienunternehmer Jagdfeld, Geschäftsführer sowohl des Fonds als auch des Grand Hotels, hatte seither Mühe, tatsächlich neue Investoren zu begeistern. Überraschend ist das nicht: Der Berliner Notar und Rechtsanwalt Thomas Fritsch beispielsweise hatte im Zusammenhang mit dem Grand Hotel von „gigantischer Geldverbrennung” gesprochen. Renditen hat der Fonds noch nie ausgeschüttet. Nach Informationen unserer Zeitung hatte Jagdfeld bis zum 31. Oktober von den benötigten 32,6 Millionen gerade einmal 500.000 Euro zusammen.

Jagdfeld selbst begründet das gegenüber seinen Investoren mit der Klage eines Anlegers gegen das im März in Aachen beschlossene Sanierungskonzept, das eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für etwa 180.000 Euro gemeinsam mit Jagdfeld erstellt hatte. Diese Klage sei zwar zurückgezogen worden, doch sei „uns wertvolle Zeit verlorengegangen”, teilte Jagdfeld seinen Anlegern im Vorfeld der Versammlung mit. Deswegen soll auf der heutigen Gesellschafterversammlung beschlossen werden, Jagdfeld ein weiteres Jahr Zeit zu geben, die benötigten 32,6 Millionen Euro von neuen Investoren zu beschaffen. Die Zustimmung gilt als Formsache, was haben die Anleger schon für eine Wahl?

Die drei Gläubigerbanken, die Kreissparkasse Heinsberg, die HypoVereinsbank und die Ostsee-Sparkasse Rostock, haben einer Stundung der Schulden bis zum 30. Juni 2012 zugestimmt. Ein Mitarbeiter einer der Gläubigerbanken räumte gegenüber unserer Zeitung allerdings ein, man rechne intern nicht damit, die geschuldete Summe je in vollem Umfang zurückzuerhalten. Wenn die fälligen Kredite bis zum 30. Juni nicht bedient werden könnten, sei „die Fortführung unserer Gesellschaft ernstlich gefährdet”, teilte Jagdfeld seinen Anlegern vor der Versammlung mit. Mit anderen Worten: Die Insolvenz droht.

Immer wieder gibt es Gerüchte, denen zufolge die Otto-Gruppe (Otto-Versand) Interesse habe, im Grand Hotel einzusteigen. Auch Jagdfeld wird ein Interesse nachgesagt, das Grand Hotel im Falle einer Insolvenz selbst zu übernehmen. Die Otto-Gruppe dementiert, und Jagdfeld äußert sich zu solchen Gerüchten nicht. Ein Insider der Hotelbranche erklärte gegenüber unserer Zeitung aber wiederholt, das Grand Hotel in Heiligendamm sei als Luxus-Hotel „wohl niemals profitabel zu betreiben” - allenfalls „als Touristen-Hotel der Drei- oder Vier-Sterne-Kategorie”.

In der Einladung zur heutigen Gesellschafterversammlung hat Jagdfeld seine Anleger schon einmal auf ein möglicherweise wenig erfreuliches Geschäftsergebnis für das laufende Jahr vorbereitet, das dann bei der Gesellschafterversammlung 2012 verkündet wird. Jagdfeld schreibt von „einer wetterbedingt schlechten Hauptsaison”.

Jagdfelds Fundus-Gruppe wollte sich im Vorfeld der Versammlung nicht äußern.

Seit 2009 ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen Anno August Jagdfeld und fünf seiner Mitarbeiter wegen mehrerer Fälle von Betrug und Untreue (Az. 115 JS 357/09).

Allein bei der Staatsanwaltschaft in Aachen waren fünf Anzeigen gegen Jagdfeld eingegangen. Die Untersuchungen des Schwerpunktdezernates für Wirtschaftskriminalität der Kölner Staatsanwaltschaft dauern an. Ein Sprecher der Behörde erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Ermittler mit einem langen Verfahren rechnen.

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