IHK-Urgestein Heinz Gehlen: Die Berufsbildung war sein Leben

Von: Alexander Barth
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Junge Menschen hatte er stets im Blick. Nun geht IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen in den Ruhestand. Foto: IHK Aachen/Heike Lachmann

Aachen. In diesen Tagen nimmt sich Heinz Gehlen Zeit für Rück- und Durchblicke. Und das nicht nur in Gedanken und Gesprächen. „Ich war überrascht, was sich angesammelt hat“, sagt Heinz Gehlen und spielt auf eine erkleckliche Anzahl an Unterlagen an, die sich in seinem Arbeitsbereich angesammelt haben: „Was wir früher alles dokumentiert haben, da staune ich jetzt. Da geht es heute mit deutlich weniger Papier“.

Nach 38 Jahren bei der Industrie- und Handelskammer Aachen sagt Gehlen nun Tschüss. 22 Jahre hat er an der Spitze der Abteilung Berufsbildung gestanden – und die Arbeit der Abteilung ein ordentliches Stück geprägt. „Eine Arbeit, die mich zu jeder Zeit gefordert aber auch begeistert hat“, sagt der gebürtige Linnicher über eine Ära, die im Jahr 1995 begann und nun mit dem Ablauf des Februar 2017 endet, ehe seine Nachfolgerin Heike Krier die Geschicke übernimmt.

Auf den ersten Blick war der Weg in die Abteilung Berufsbildung nicht unbedingt vorgezeichnet, das gibt der scheidende Geschäftsführer selbst zu. „Ich bin von Haus aus Jurist, und so hat auch meine Tätigkeit bei der IHK begonnen.“ Am 1. März 1979 begann Gehlen nach dem Jura-Studium in Bonn seinen Job an der Aachener Theaterstraße, wo der Verband seit 1906 ansässig ist.

In der Abteilung Recht, Finanzen und Steuern blieb er 13 Jahre, ehe die Zeit für eine Neuorientierung gekommen schien. „Ich war froh um die Möglichkeit, eine neue Aufgabe wahrnehmen zu können“, sagt Gehlen heute. 1991 folgte der Wechsel, der sein berufliches Leben prägen und mit dem er selbst zu einer prägenden Figur der regionalen Wirtschaft werden sollte. „Die Abteilung Berufsbildung ist mir schnell ans Herz gewachsen. Im Rückblick bin ich stolz auf das, was wir im Team geschafft haben.“

Damit meint er etwa die Entwicklung des Ausbildungsmarktes, der sich mit dem unter seiner Regie eingeführten Initiative für Lernpartnerschaften – das „Kurs“-Programm – gut entwickelt habe, findet Gehlen. Das Studienaussteiger-Programm „Switch“ erlangte bundesweit Aufmerksamkeit – auch, weil Gehlen und seine Mannschaft offenbar die passende Weitsicht zeigten. „Es herrschte und herrscht noch immer die Meinung, dass an Gymnasien ausschließlich für die Hochschulen ausgebildet wird“, sagt Gehlen. „Die Abbrecherquoten sprechen aber eine andere Sprache. Man muss die Abiturienten überzeugen“.

Bei Merkels Besuch ausgesperrt

Die Aufgabe, Hochschulabbrecher in Ausbildung zu bringen, hat den Leiter der Berufsbildungsabteilung vor allem in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. „Das Engagement hat sich gelohnt, auch für viele junge Leute“, glaubt Gehlen. Als sich im April 2015 die Bundeskanzlerin von den Erfolgen des Switch-Programms informierte, wurde Gehlen allerdings buchstäblich ausgesperrt. Am Tisch von Angela Merkel hätten offenbar nur die ganz Großen Platz gefunden, sagt er heute mit einem Lächeln.

Und sonst? Viel rumgekommen ist er in den 38 Jahren, das bringt der riesige Kammerbezirk mit sich. „Ich habe großen Respekt vor unseren Außendienstmitarbeitern“, sagt er. Gehlen hat auch den Wandel zwischen Heinsberg und der Eifel beobachtet, weg von einer Industrie- und Montan- hin zu einer Dienstleistungsregion. Herausforderungen für die Zukunft umreißt Gehlen klar: „Wir müssen alles tun, um junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wer jetzt noch die Augen verschließt, dem ist nicht zu helfen.“

In den letzten Jahren seiner Dienstzeit habe er versucht, die Menschen als Bereicherung für die regionale Wirtschaft vorzustellen, „denn das werden sie zweifelsohne sein. Ich wünsche mir, dass dieser Gedanke weiterhin von der IHK kommuniziert wird.“

Für die Jahre nach dem Berufsleben hat Gehlen eine entspannte Aussicht parat: „Ich bin immer neugierig durchs Leben gegangen – das werde ich weiterhin so machen“.

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