IHK Aachen: 16 Kammern decken fast die ganze Welt ab

Von: Daniel Gerhards
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Ausländische Märkte können für viele Firmen interessant sein. Johann Hansen lässt seine Rattanmöbel schon seit fast 30 Jahren in Indonesien produzieren. Die IHK berät nun Firmen auf dem Weg in das südostasiatische Land. Foto: Stock/Jochen Tack
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Sie beraten Unternehmen auf dem Weg nach Indonesien, Mexiko und Ungarn: Claudia Mausbach und Frank Malis. Foto: Daniel Gerhards

Aachen/Geilenkirchen. Vieles in Indonesien ist exotisch. Die Kultur und die Einstellung der Menschen wirken auf Menschen aus dem Westen fremd. Für Johannes Hansen sind die Sitten und Arbeitsweisen des südostasiatischen Landes aber längst nichts Neues mehr. Er arbeitet bereits seit den 1980er Jahren dort. Damals war klar, dass er seine Rattan-Korbwaren dort produzieren lassen will. Denn die Rattan-Qualität sei weit höher als in den meisten anderen Ländern, sagt er.

Thailand, Myanmar, Laos könnten da nicht mithalten. Und die Produktionskosten seien niedrig. Der Schritt in ein Schwellenland wie Indonesien ist für die Hansen Korbwaren GmbH aus Geilenkirchen, den Nachfolger der Johann Hansen GmbH & Co. KG, längst normal. Johannes Hansen arbeitete schon auf mehreren Kontinenten. Diese Erfahrung fehlt vielen Mittelständlern. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) in NRW unterstützen Unternehmen auf dem Weg zu neuen Märkten. Die IHK Aachen legt dabei Schwerpunkte auf Ungarn, Mexiko und nun auch gemeinsam mit der IHK Bonn auf Indonesien.

Dieser neue Länderschwerpunkt ist für die IHK Aachen nur folgerichtig. Denn Indonesien ist mit knapp 250 Millionen Einwohnern das viertgrößte Land der Erde. Und bis 2025 soll das Land gemessen am Bruttoinlandsprodukt zu den zehn größten Wirtschaftsnationen zählen. Dort schlummere ein riesiges Potenzial. „Der Markt ist sehr groß. Und 2015 sollen die Grenzen im Asean-Raum wegfallen. Das ist eine gute Möglichkeit, von Indonesien aus auch andere südostasiatische Märkte zu bedienen“, sagt Claudia Mausbach, Mitglied der IHK-Geschäftsführung für Internationales.

Ähnliche Vorteile bietet Mexiko: Die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas gehört zur Freihandelszone Nafta. Außerdem hat Mexiko ein Freihandelsabkommen mit 44 Ländern abgeschlossen – darunter die EU-Mitgliedsstaaten. Und die Grenzen zu Ungarn sind ohnehin längst offen. Das Land ist seit 2004 in der EU.

Die Arbeit in Indonesien ist für Johannes Hansen mittlerweile wesentlich einfacher geworden. Er lässt nicht mehr in der Hauptstadt Jakarta produzieren, sondern 400 Kilometer entfernt auf dem Land. Die Löhne sind dort niedriger. Außerdem sind Straßen- und Schienennetze nun besser ausgebaut als in der Anfangszeit. „Wichtig ist, dass man jemanden hat, der sich in dem Land auskennt. Wir haben dort eigene Leute, die in den Produktionsbetrieben Qualitätskontrollen machen“, sagt Hansen. Als der Unternehmer in Indonesien begann, war er ein Pionier. Wenige europäische Unternehmen wagten den Schritt. „1985 hätten die dort noch keinen Korb machen können, den man verkaufen kann“, sagt er. Er musste die Arbeiter von Grund auf anlernen. Und ständig darauf achten, dass die Qualität stimmt.

Solche und ähnliche Informationen zu Eigenheiten des Landes gibt die IHK nun an Unternehmen weiter, die dort arbeiten möchten. Marktstudien, Informationen zu anderen Unternehmen im Land, potenziellen Geschäftspartnern und Förderprogrammen können den Firmen die Entscheidung für oder gegen ein Land erleichtern.

Rund 100 Unternehmen aus dem Kammerbezirk Aachen unterhalten laut einer IHK-Umfrage bereits Geschäftsbeziehungen zu Indonesien, 130 arbeiten in Mexiko, 230 in Ungarn. „Die Nachfrage auf den europäischen Märkten ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Deshalb ist der Bedarf an neuen Märkten groß“, sagt IHK-Geschäftsführer Frank Malis. Aber was hat der Mittelständler in der Region, der in China, den USA oder Südamerika arbeiten möchte, von der länderspezifischen Expertise der IHK? Man dürfe nicht nur isoliert auf die Aachener Kammer blicken, sagt Malis. „Das Gesamtsystem in NRW ist entscheidend.“ Denn die 16 Industrie- und Handelskammern im Land deckten die wichtigsten Märkte der Welt ab. Die meisten der jährlich rund 3000 Anfragen könne man von Aachen aus beantworten. Auch wenn es nicht um Ungarn, Mexiko oder Indonesien geht. Bei speziellen Fragen etwa zu China oder den USA, könnten die Kammern aus Köln und Düsseldorf weiterhelfen. Jede Kammer hat sich spezialisiert.

Willkürlich seien diese Schwerpunkte nicht gesetzt. „Das ist eher historisch gewachsen“, sagt Malis. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wollten viele Firmen nach Osteuropa. Also spezialisierten sich die Kammern auf einzelne osteuropäische Länder. „Die Kammern haben dann eine Spitzenkompetenz ausgebildet“, sagt Malis. Die Aachener IHK setzte damals auf Ungarn. Heute bereitet die ungarische Politik ausländischen Unternehmen Sorgen. „Die Rechtsunsicherheit ist das größte Problem“, sagt Mausbach. Neue Gesetze, neue Steuern schrecken ab. „Aber die Leute, die einmal da sind, bleiben auch dort“, sagt Mausbach. Es ließen sich immer Lösungen finden.

Probleme hat auch Johannes Hansen in Indonesien eine Menge lösen müssen – etwa mit Zoll und Bürokratie. Trotzdem, den Schritt nach Südostasien bereut er nicht. Mittlerweile denkt er weiter. Er möchte sich nun in Afrika engagieren.

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